Feinstaub-Belastung : Lungenarzt Köhler gesteht Rechenfehler bei Grenzwerten ein

Nach der Kritik von 100 Lungenärzten zweifelte Verkehrsminister Scheuer die Stickoxid-Grenzwerte an. Jetzt schreibt die "taz" über diverse Fehler in dem Papier.

Der frühere Ärztefunktionär Dieter Köhler im Januar in der Sendung von Anne Will in der ARD.
Der frühere Ärztefunktionär Dieter Köhler im Januar in der Sendung von Anne Will in der ARD.Foto: imago/Jürgen Heinrich

Die vieldiskutierte Stellungnahme von 107 Lungenärzten zu den Grenzwerten bei Stickoxid und Feinstaub soll mehrere Rechenfehler enthalten. Das berichtet die "taz". Demnach habe der Initiator des Papiers, der ehemalige Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie Dieter Köhler, falsche Angaben in dem Dokument eingestanden. Die Daten waren im Januar öffentlich gemacht worden. Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hatte die Stellungnahme zum Anlass genommen, eine Neubewertung der Grenzwerte auf europäischer Ebene zu fordern.

Verglichen werden Belastungen durch Straßenverkehr und Rauchen

"Falsch ist zum einen Köhlers Berechnung, mit der er die Stickstoffdioxidbelastung aus dem Straßenverkehr mit der durch das Rauchen vergleicht", heißt es bei der "taz". In der Stellungnahme der Ärzte heiße es, ein Raucher atme in wenigen Monaten die gleiche Stickoxidmenge ein wie ein 80-jähriger Nichtraucher, der sein Leben lang Außenluft im Grenzwertbereich einatme.

Tatsächlich nehme ein Raucher bei Stickstoffdioxid - auf diesen Wert bezieht sich der Vergleich laut Köhler - eine vergleichbare Menge erst in sechs bis 32 Jahren auf. "Der große Fehler ergibt sich zum einen durch eine fehlerhafte Umrechnung, zum anderen durch einen falschen Ausgangswert", teilt die Zeitung mit.

Ausgangswert der Rechnung ist überhöht

Auch eine Berechnung zur Feinstaub-Konzentration, die sich in der Stellungnahme befindet, sei um den Faktor 10 verkehrt. "Das ist bisher noch niemanden aufgefallen", sagte Köhler der "taz". Er gibt ferner zu, dass der Ausgangswert seiner Rechnung weit überhöht sei.

Als Grundlage für die Berechnung des Feinstaub-Gehalts der Zigaretten habe er Kondensat-Wert der Zigaretten genommen, den er mit 10 bis 25 Milligramm pro Zigarette angab, heißt es in dem Bericht. Tatsächlich gilt seit 2004 in der EU ein Kondensat-Grenzwert von 10 Milligramm pro Zigarette, der Durchschnittswert liegt darunter. "Die Vorgabe der EU kannte ich nicht", räumte Köhler ein.

Von seinen Aussagen über die Grenzwerte will der pensionierte Lungenarzt aber nicht abrücken. Die "Größenordnung" sei weiter richtig, kommentierte Köhler gegenüber der "taz" seine Zahlen. (Tsp)

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