Gigafactory von Tesla bei Berlin : Von der „Produktionshölle“ zur Gelddruckmaschine

Elon Musks „Gigafactorys“ sollen mehr als nur Autofabriken sein. Mit Batterien und Stromspeicher will Tesla an der gesamten Wertschöpfungskette mitverdienen.

Felix Wadewitz
Autos von Tesla stehen zum Verkauf
Autos von Tesla stehen zum VerkaufFoto: John Thys/AFP

Es wird eines der größten Bauwerke der Welt. In der Wüste von Nevada baut Tesla seine Gigafactory 1. Die Ausmaße der Fabrik sollen nach der endgültigen Fertigstellung bisherige Rekordhalter wie das Pentagon in Washington und das Tempelhofer Flughafengebäude in Berlin in den Schatten stellen.

Was in Nevada vor fünf Jahren begann, setzt Tesla nun im chinesischen Shanghai und bei Berlin fort: den Aufbau von fast identischen XXL-Fabriken rund um den Globus für die hochautomatisierte Herstellung seiner Elektroautos und – fast noch wichtiger – die Massenproduktion von Batterien für die 500.000 Fahrzeuge, die Tesla zukünftig pro Jahr bauen will.

Bis zu einem Dutzend solcher Fertigungsstätten könnte es in Zukunft geben, hat der für seine vollmundigen Ankündigungen bekannte Tesla-Chef Elon Musk mal gesagt. Berlin ist Nummer vier.

Während Nevada erst zu einem Drittel fertig ist, aber bereits als aktuell größte Batteriefabrik der Welt gilt, ging es in China besonders schnell. Anfang des Jahres gab es grünes Licht von den Behörden, die Bauzeit betrug angeblich nur 168 Arbeitstage, so vermeldete es die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua. Inzwischen laufen die ersten Autos des Typs Model 3 für den chinesischen Markt vom Band – auch der Handelsstreit mit den USA sorgte für die Hektik.

Mit der „Produktionshölle“, als die Teslas erstes Werk in Kalifornien lange galt, sollen die rund vier Milliarden Euro teuren Gigafabriken nicht mehr zu tun haben. Lieferschwierigkeiten prägten lange das Bild des Elektroautobauers. Auch die Fertigungsqualität stand in der Kritik.

Mit den auf dem Reißbrett entworfenen Gigafactorys will Musk nun zeigen, dass sein Startup nicht nur Autos entwickeln kann, sondern es auch bei den Prozessen mit den deutschen Platzhirschen im Premiumsegment aufnehmen kann.

Das Alles-unter-einem-Dach-Prinzip aus Shanghai dürfte ähnlich auch in Berlin umgesetzt werden, wo neben Autos – vermutlich auch das neue Model Y – vor allem Batterien gefertigt werden sollen. Über Batteriefabriken wurde in Deutschland jahrelang geredet, genauso lange tat sich wenig. Die erste größere Produktion zieht hierzulande nun der chinesische Konzern CATL in Erfurt hoch. Ein Vorhaben, das von Berlin nun in den Schatten gestellt werden könnte.

In der Gigafactory in Nevada arbeiten aktuell rund 10.000 Menschen, davon 3000 beim Batteriezulieferer Pansasonic. Ob ähnlich viele Arbeitsplätze auch rund um Berlin entstehen, ist bislang Spekulation. Das hängt letztlich auch vom Grad der Automatisierung ab, der von Anfang sehr hoch sein soll. In den USA und China dominieren Roboter die Werkshallen. Vor allem die Batteriezellfertigung von Panasonic innerhalb der Fabrik ist fast vollständig automatisiert und wird von Spezialisten überwacht.

  • Die Details der Tesla-Gigafabrik im Überblick: Als Tesla-Standort ist Grünheide im Landkreis Oder-Spree geplant.
  • Bis zu 10.000 neue Jobs sollen dort entstehen.
  • Zunächst sollen Batterien und das SUV-Modell Y dort gebaut werden.
  • Wann die Gigafabrik fertig wird, ist nicht bekannt – spekuliert wird über einen Start Ende 2021.
  • Für die Ansiedlung hatte Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) im Geheimen mit Tesla verhandelt.

Für Wall-Street-Analysten sind die Gigafactorys ein entscheidender Faktor, weshalb sich Tesla nach mehreren Krisen zuletzt wieder berappelt hat, was sich auch im zuletzt gestiegenen Börsenkurs niederschlägt. Die XXL-Fabriken sorgen nämlich nicht nur für Größenvorteile und dadurch sinkende Kosten wie bei anderen Herstellern.

Sie sind auch mehr als nur Autofabriken. Neben den Batterien entstehen dort auch Stromspeicher: kleine Batterien für Privathaushalte mit Solarzellen auf dem Dach und einem Tesla in der Garage und große für die Industrie.

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So mischt Tesla fast in der gesamten Ökostrom-Wertschöpfungskette mit. Elon Musk hat schließlich nie davon geträumt, einen Autobauer hochzuziehen, sondern die Welt ins elektrische Zeitalter zu stoßen. Klar, dass die Fabriken ausschließlich mit erneuerbarer Energie am Laufen gehalten werden, die auch aus gigantischen Solarzellen auf dem Dach gespeist wird.

In Buffalo im US-Bundesstaat New York, wo Gigafactory 2 steht, produziert Teslas Tochterunternehmen Solar City zudem auch Solarpanele und andere Photovoltaik-Anlagen.

Für die Automatisierung der Produktion und eine schnellere Fertigung hat Tesla übrigens bereits 2016 auf „Made in Germany“ zurückgegriffen – und den deutschen Maschinenbauer Grohmann aus Rheinland-Pfalz gekauft. Dessen Hightech-Anlagen und Spezialisten sollten das Chaos in der kalifornischen Teslafabrik beenden – und spielen nun eine Schlüsselrolle beim Aufbau der Gigafabriken.

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