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Heißeste Dekade seit 1850 : Es ist zu warm auf der Erde – und das seit zehn Jahren

Nun auch offiziell: Laut UNO waren die Jahre 2010 bis 2019 viel zu heiß. Der Klimagipfel geht am Dienstag weiter – Greta Thunberg ist in Lissabon gelandet.

Ein Mann schützt sich in Göttingen mit einem Regenschirm vor der Sonne (Symbolbild).
Ein Mann schützt sich in Göttingen mit einem Regenschirm vor der Sonne (Symbolbild).Foto: Swen Pförtner/dpa

Die Jahre 2010 bis 2019 gehen nach Einschätzung der UNO wohl als das heißeste Jahrzehnt in die Geschichte ein. Dies teilte die UNO am Dienstag bei der Weltklimakonferenz in Madrid mit. Allein im Jahr 2019 habe die Temperatur um 1,1 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau gelegen, erklärte die Weltorganisation für Meteorologie (WMO). 2019 dürfte das zweit- oder drittwärmste Jahr werden, berichtete die Organisation am Dienstag bei der UN-Weltklimakonferenz in Madrid in ihrem vorläufigen Klima-Statusreport.

Temperaturen steigen seit 1980

Die Einschränkung „mit größter Wahrscheinlichkeit“ bei der Einschätzung sei nötig, weil erst im März 2020 Auswertung des Gesamtjahres abgeschlossen ist. Seit den 1980er Jahren sei jedes Jahrzehnt wärmer gewesen als das jeweilige davor, hieß es von der WMO.

Wie die Organisation bereits am 25. November berichtete, nahm die Konzentration klimaschädlicher Treibhausgase in der Atmosphäre weiter bedrohlich zu. Die CO2-Konzentration stieg binnen eines Jahres von 405,5 ppm (Teilchen pro Million Teilchen) auf einen Rekordwert von 407,8 ppm. Grund dafür seien die durch menschliches Handeln verursachten, klimaschädlichen Treibhausgase.

Die Durchschnittstemperatur der Ozeane sei ebenfalls auf Rekordwert, und die Ozeane seien 26 Prozent saurer als zu Beginn der Industrialisierung. „Wenn wir nicht dringend etwas unternehmen, steuern wir auf einen Temperaturanstieg von mehr als drei Grad bis Ende des Jahrhunderts zu, mit immer schädlicheren Folgen für die Menschen“, sagte WMO-Generalsekretär Petteri Taalas. Extreme Hitzewellen und Überschwemmungen, die einst nur „einmal im Jahrhundert“ aufgetreten seien, ereigneten sich inzwischen regelmäßig, erklärte WMO-Generalsekretär Petteri Taalas. Von den Bahamas bis nach Japan und Mosambik hätten die Menschen in vielen Ländern die „zerstörerische Kraft von tropischen Zyklonen“ zu spüren bekommen.

Nach Angaben des Beobachtungszentrums für Binnenvertriebene (IDMC) wurden allein im ersten Halbjahr 2019 zehn Millionen Menschen innerhalb ihres eigenen Landes zur Flucht gezwungen, sieben Millionen davon wegen Klimakatastrophen. Gründe waren meist Überschwemmungen, Stürme oder Trockenheit. Die Zahl der Menschen, die wegen ungewöhnlicher Wetterextreme vertrieben werden, könnte sich bis Jahresende auf 22 Millionen verdreifachen, warnte nun die WMO.

Greta Thunberg auf Klimagipfel erwartet

Auf der 25. Weltklimakonferenz, die am Montag in Madrid begonnen hat, wird es darum gehen, endgültig Regeln auf den Weg zu bringen, mit denen das 2015 beschlossene Pariser Klimaabkommen umgesetzt werden kann. Darin ist festgeschrieben, dass die Staaten die Erderwärmung auf möglichst 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter begrenzen wollen. Derzeit haben 187 von 197 Vertragsstaaten das Pariser Klimaabkommen ratifiziert. Zuletzt sorgte der Beitritt Russlands bei Klimaschützern für gute Laune. Unter anderem die Türkei, der Iran, der Jemen oder Eritrea haben das Abkommen noch nicht ratifiziert.
Bei den Verhandlungen in Madrid stehen vor allem technische Aspekte im Vordergrund.

Auch die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg wird auf dem Klimagipfel erwartet.

Die 16-Jährige kam am Dienstagmorgen per Katamaran in Lissabon an. Am Hafen wurde die junge Schwedin, die zur Ikone der Klimaschutzbewegung wurde, vom Bürgermeister, jubelnden Anhängern der Fridays-for-Future-Bewegung und einem großen Medienaufgebot erwartet.

Nach einer Pressekonferenz und ein paar Stunden Ruhe will Greta Thunberg offenbar am Dienstagabend mit dem Nachtzug von Lissabon nach Madrid zum Klimagipfel reisen. Dort will sie die nächste Tage mit den Staats- und Regierungschefs über die Klimapolitik diskutieren. (AFP, dpa, Tsp)

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