• Im Ersten Weltkrieg getötete US-Soldaten: Trump soll Gefallene als „Verlierer“ und „Trottel“ verhöhnt haben
Update

Im Ersten Weltkrieg getötete US-Soldaten : Trump soll Gefallene als „Verlierer“ und „Trottel“ verhöhnt haben

Der US-Präsident hat dem „Atlantic“ zufolge im Krieg getötete US-Soldaten verspottet. Trump weist den Bericht wütend zurück. Wer das behaupte, sei „Abschaum“.

Immer für ein Foto gut: Donald Trump mit US-Soldaten in Rammstein.
Immer für ein Foto gut: Donald Trump mit US-Soldaten in Ramstein (Archivbild von 2018)Foto: dpa/Shealah Craighead/White House

In einer bitterbösen Abrechnung mit Donald Trump beschreibt das US-Magazin "The Atlantic" den angeblichen Umgang des US-Präsidenten mit im Ersten Weltkrieg gefallenen US-Soldaten bei einem Besuch in Frankreich 2018.

In dem von "Atlantic"-Chefredakteur Jeffrey Goldberg verfassten und am Donnerstag erschienenen Artikel heißt es, Trump habe die geplante Tour zu einem Militärfriedhof nahe Paris in erster Linie deshalb abgelehnt, weil er fürchtete, seine Frisur könne im Regen "zerzaust" werden.

Offiziell hatte die US-Delegation damals erklärt, dass Trump den Friedhof nicht besuchen könne, weil sein Helikopter wetterbedingt nicht startbereit sei.

[Mit dem Newsletter „Twenty/Twenty“ begleiten unsere US-Experten Sie jeden Donnerstag auf dem Weg zur Präsidentschaftswahl. Hier geht es zur kostenlosen Anmeldung: tagesspiegel.de/twentytwenty.]

Neben dieser Anekdote geht es in dem "Atlantic"-Bericht vor allem um Trumps Äußerungen über Kriegsveteranen.

Das Magazin bezieht sich unter anderem auf übereinstimmende Aussagen von vier Trump-Vertrauten, die bei der Diskussion um den Besuch dabei gewesen sein sollen.

Trump, der selber nie Militärdienst geleistet hat, soll wörtlich gesagt haben: "Warum sollte ich diesen Friedhof besichtigen, da liegen doch eh nur Verlierer".

In einem anderen Gespräch an dem Tag soll er die rund 1800 gefallenen Marine-Soldaten, die auf dem Friedhof Aisne-Marne beerdigt sind, als "Trottel" bezeichnet haben, weil sie sich hätten töten lassen.

Da hört es aber noch nicht auf: Dem "Atlantic"-Bericht zufolge offenbarte Trump historische Wissenslücken. Demnach fragte er seine Mitarbeiter: "Wer waren die Guten in diesem Krieg?" Dass die USA Soldaten zur Unterstützung der alliierten Franzosen nach Europa schickten, habe der Präsident nicht verstanden.

Trump weist Bericht wütend zurück

Das Weiße Haus bezeichnete den Bericht des "Atlantic" als falsch, die Anschuldigungen seien "ekelhafte, groteske und verwerfliche Lügen". Trump habe höchste Achtung für das Militär.

Der Präsident selbst reagierte wütend. "Wenn es wirklich Menschen gibt, die diese Behauptungen in die Welt setzten, so sind sie Abschaum und Lügner", sagte der US-Präsident der "New York Times" zufolge bei der Rückkehr von einer Wahlkampfveranstaltung.

"Ich bin bereit zu schwören, dass ich niemals so etwas über unsere gefallenen Helden gesagt habe", sagte Trump demnach weiter. "Welch ein Tier würde so etwas sagen?"

Der "Atlantic"-Artikel beschreibt auch Trumps Umgang mit dem inzwischen verstorbenen republikanischen Senator John McCain. Während des Wahlkampfs 2016 hatte Trump über einen seiner größten parteiinternen Kritiker, der während des Vietnamkriegs in Gefangenschaft geraten war und als Kriegsveteran und Politiker höchste Achtung in den USA genoss, gesagt, McCain sei "kein Held" und: "Ich mag Menschen, die nicht geschnappt worden sind".

Im "Atlantic" heißt es nun, beim Tode McCains im August 2018 habe Trump seinen Mitarbeitern gesagt, das Weiße Haus werde "die Beisetzung dieses Verlierers" nicht unterstützen. McCain sei "ein verdammter Verlierer".

Auch diese Behauptungen wies Trump entschieden zurück. Er sei "kein großer Anhänger von McCain" gewesen, schrieb Trump bei Twitter. Er habe ihn aber nie als Verlierer bezeichnet und das Staatsbegräbnis für McCain unterstützt.

Er habe "unsere gefallenen Soldaten nie anders als als HELDEN bezeichnet", schrieb der US-Präsident weiter. Die Anschuldigungen im "Atlantic" seien nur weitere "Fake News", die die Wahl beeinflussen sollten.

Trumps demokratischer Herausforderer bei der Präsidentschaftswahl am 3. November, Joe Biden, sagte, wenn die Anschuldigungen in dem "Atlantic"-Artikel wahr seien, seien sie ein "weiteres Zeichen dafür, wie uneinig Präsident Trump und ich uns über die Rolle des Präsidenten der Vereinigten Staaten sind".

Sollte er die Präsidentschaftswahl gewinnen, fügte Biden hinzu, werde er "sicherstellen, dass unsere amerikanischen Helden wissen, dass ich hinter ihnen stehe und ihre Aufopferung ehren werde - immer." (Tsp)

Der neue Morgenlage-Newsletter: Jetzt gratis anmelden!