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Der Johnson & Johnson Impfstoff.
© Dado Ruvic/REUTERS

US-Behörde beschließt Entsorgung: Johnson&Johnson muss bis zu 60 Millionen Impfdosen vernichten

Bei der Produktion des J&J-Vakzins gab es möglicherweise Kontaminationen. Ist Europas Impfkampagne auch betroffen?

Nach einer Produktionspanne in einem US-Werk muss der Corona-Impfstoff-Hersteller Johnson & Johnson Millionen Impfdosen vernichten. Mehrere Chargen im Umfang von jeweils mehreren Millionen Dosen seien wegen einer möglichen Kontamination unbrauchbar, teilte die Arzneimittelbehörde FDA am Freitag mit.

Weder die FDA noch der Hersteller nannten eine genaue Zahl. Die "New York Times" berichtete unter Berufung auf informierte Kreise, dass 60 Millionen Impfdosen betroffen seien.

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Die Firma Emergent BioSolutions, die in einem Werk in Baltimore im US-Bundesstaat Maryland das Corona-Vakzin für J&J herstellt, hatte die Produktion im April auf Anordnung der FDA eingestellt, nachdem die Inhaltsstoffe des Präparats aus Versehen mit denen des Vakzins von Astrazeneca vertauscht worden waren.

Derzeit wird geprüft, ob 60 Millionen Dosen des Astrazeneca-Impfstoffs, die in Baltimore produziert wurden, den Qualitätsvorgaben entsprechen. Für zehn Millionen Dosen des Vakzins von Johnson & Johnson erteilte die FDA derweil die Freigabe. Allerdings nur mit einem Warnhinweis, dass die Qualitätsstandards bei der Produktion nicht garantiert werden könnten, berichtet die "New York Times".

Einem Insider zufolge hat die FDA-Ansage auch Auswirkungen auf die EU. Johnson & Johnson wird demzufolge vermutlich nicht seine Zusage von 55 Millionen Impfdosen an die Europäische Union für Juni einhalten können. Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) hat erklärt, zum Zeitpunkt des Vorfalls im April in dem Werk sei dort auch Impfstoff für Europa hergestellt worden. Wie viele Dosen betroffen sind, teilte sie nicht mit.

Bei dem Vakzin von Johnson & Johnson nur eine Impfspritze nötig

Auch Kanada kündigte am Freitag an, 300.000 Dosen des J&J-Impfstoffs aus dem Werk in Baltimore nicht zu verwenden. "Aufgrund der Bedenken, (...) wird Health Canada die erhaltenen Lieferungen nicht verteilen, um die Gesundheit und Sicherheit der Kanadier zu schützen", erklärte das Gesundheitsministerium in Ottawa am Freitag.

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Der Impfstoff von J&J, der zunächst ausschließlich in den Niederlanden produziert worden war, hatte in den USA Ende Februar eine Notfallzulassung erhalten und wird dort intensiv verabreicht. Kanada hatte das Mittel im März zugelassen, die 300.000 erhaltenen Dosen wegen Qualitätsbedenken aber nicht verimpft. Auch in der EU, wo das Vakzin seit knapp drei Monaten zugelassen ist, ist es noch nicht im Einsatz.

Im Gegensatz zu den anderen bisher zugelassenen Corona-Impfstoffen ist bei dem Vakzin von Johnson & Johnson nur eine Impfspritze für einen umfassenden Schutz nötig. Außerdem ist die Lagerung und Auslieferung vergleichsweise einfach. Der J&J-Impfstoff war deswegen in den USA verstärkt eingesetzt worden und soll auch in der EU bei einer Beschleunigung der Impfkampagnen helfen.

Weil die Dosen vermutlich verunreinigt sind, müssen nach einer Anordnung der US-Gesundheitsbehörde FDA Millionen an Johnson&Johnson Impfdosen vernichtet werden. Die FDA teilte mit, dass mehrere Chargen, die in einer Fabrik in Baltimore hergestellt wurden, vermutlich kontaminiert seien. (AFPTReuters)

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