Klarnamen im Netz : AKK sitzt einem Irrglauben auf

Die CDU-Chefin fordert eine Klarnamenspflicht im Netz. Doch das wird die Debattenkultur nicht verbessern. Im Gegenteil. Ein Kommentar.

CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer
CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-KarrenbauerFoto: picture alliance/dpa

Als wäre die Welt so einfach. Sobald ich weiß, wer du bist, hörst du auf zu hetzen. Das funktioniert, leider, weder in der analogen noch in der digitalen Welt.

Die CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer greift eine mittlerweile schon recht angestaubte Idee auf, die seit Jahren immer mal wieder diskutiert wird, aber deshalb nicht ausgereifter wird.

Eine Klarnamenspflicht führt nicht zwangsläufig zu weniger Hetze und mehr Nettigkeit im Netz. Schon jetzt findet viel Häme, Rassismus und Volksverhetzung mit klarem Namen statt. Es fehlt oft genug das Bewusstsein für die eigenen Worte.

Im Gegenteil. Ein Zwang zum Klarnamen wäre gefährlich und kontraproduktiv. Anonymität mag für einige ein Deckmantel sein, unter dem sie ihre kruden Weltbilder verstecken und auch rausposaunen, oft genug bietet sie aber vielen auch echten Schutz vor Repressalien, vor Hetze selbst und unangenehmen beruflichen und privaten Folgen.

Entscheidend im Kampf gegen eine verrohte Debattenkultur im Netz sind andere Sachen. Eine entschieden durchgesetzte Netiquette zum Beispiel (Die Richtlinie zum Kommentieren auf Tagesspiegel.de finden Sie hier.)

Und die Strafverfolgung. Die ist auch ohne Klarnamenspflicht möglich. Nur so entsteht ein Bewusstsein dafür, was geht und was nicht. Es sind am Ende nicht die Klarnamen, die für Klarheit sorgen.

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