• Kramp-Karrenbauer stellt neuen Dienst vor: Bundeswehr will 1000 Freiwillige für den Heimatschutz anwerben

Kramp-Karrenbauer stellt neuen Dienst vor : Bundeswehr will 1000 Freiwillige für den Heimatschutz anwerben

Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer stellt ihre Pläne für einen neuen Freiwilligendienst der Bundeswehr vor. Von Wohlfahrtsverbänden kommt prompt Kritik.

Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU).
Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU).Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

"Dein Jahr für Deutschland" – unter diesem Motto soll der neue Freiwilligendienst der Bundeswehr stehen, den Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) am Donnerstag vorgestellt hat. In den vergangenen Wochen sei viel über den Wehrdienst diskutiert worden. "Es ist kein Geheimnis, dass mir diese Debatte sehr am Herzen liegt", sagte Kramp-Karrenbauer.

Die Ministerin hatte sich seit ihrem Amtsantritt im Juli vergangenen Jahres zur Aufgabe gemacht, mehr junge Menschen für die Bundeswehr zu begeistern. Zwischenzeitlich hatte die neue Wehrbeauftrage Eva Högl (SPD) die Wiedereinführung der Wehrpflicht ins Gespräch gebracht – das lehnte Kramp-Karrenbauer ab. Högl hatte die Debatte im Zusammenhang mit rechtsextremistischen Vorfällen in der Bundeswehr angestoßen.

Seit der Aussetzung der Wehrpflicht im Juli 2011 sinken die Bewerberzahlen für den freiwilligen Wehrdienst drastisch: 2019 gab es 7.642 Freiwillige. Eingeplant waren 12.500. "Vorzeitig, vor Ablauf der Probezeit, endete 2019 der Dienst von insgesamt 1.858 Freiwillig Wehrdienstleistenden. Davon hat die Bundeswehr 253 selbst entlassen, und 1.605 haben ihren Wehrdienst auf eigenen Wunsch abgebrochen", steht im Jahresbericht des damaligen Wehrbeauftragten Hans-Peter Bartels (SPD).

Jetzt hat die Verteidigungsministerin eine neue Idee: Bereits ab September können sich Frauen und Männer für den neuen "Freiwilligen Wehrdienst Heimatschutz" bewerben. Die Interessenten müssen mindestens 17 Jahre alt sein und eine Eignungsprüfung bestehen. Zunächst sollen 1.000 Menschen eingeteilt werden.

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Der Dienst umfasst sechs Monate freiwilligen Wehrdienst und besteht aus einer dreimonatigen Grundausbildung und einer Spezialausbildung Heimatschutz an drei Standorten: in Berlin, in Delmenhorst bei Bremen und in Wildflecken bei Rhön. Nach der Rückkehr ins Zivilleben sollen die Freiwilligen innerhalb von sechs Jahren dann insgesamt mindestens weitere fünf Monate als Reservistinnen und Reservisten dienen, vorwiegend in der Region, in der sie leben.

Das neue Angebot solle den bereits bestehenden Freiwilligendienst ergänzen. Eine Konkurrenz zu bereits existierenden Freiwilligendiensten sehe sie nicht, sagte die CDU-Politikerin. Sie glaube, dass der neue Dienst eher junge Leute anspreche, die eine Affinität zur Bundeswehr haben. Sozialverbände betrachten das Vorhaben der Verteidigungsministerin dagegen skeptisch und sehen ihre bestehende Programme in Gefahr.

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Der Paritätische Wohlfahrtsverband sprach mit Blick etwa auf den Werbeetat von einer großen Ungerechtigkeit. Hauptgeschäftsführer Ulrich Schneider sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, er befürchte, dass soziale Dienste im Wettbewerb mit der Bundeswehr benachteiligt würden. "Es geht nicht nur um hohe Werbeetats, sondern auch um Leistungen wie kostenlose Bahntickets für die Bundeswehr, die die Bundesregierung mal eben beschlossen hat, um die Bundeswehr attraktiver zu machen", kritisierte er. "Wo ist die Wertschätzung für die Arbeit, die unsere Freiwilligen im sozialen und ökologischen Bereich leisten?"

Peter Neher, Präsident des deutschen Caritasverbandes sieht die militärische Ausbildung kritisch: "Bei allem Respekt vor neuen Ideen und vor dem Schutz der Heimat sollten wir nicht vergessen, dass es bereits gute Angebote gibt, sich im Sinne des gesellschaftlichen Zusammenhalts einzubringen", sagte Neher. Er nannte demnach das Freiwillige Soziale Jahr, das Freiwillige Ökologische Jahr, den Bundesfreiwilligendienst und das Programm "weltwärts" für Einsätze im Ausland. "Ob zusätzlich dazu ein Dienst an der Waffe Sinn macht, möchte ich mindestens kritisch hinterfragen." (mit dpa)

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