
© dpa/Karl-Josef Hildenbrand
Krankenversicherung wird teurer: Zusatzbeiträge steigen im Schnitt auf 3,13 Prozent
14,6 Prozent des Gehalts zahlen gesetzlich Versicherte an ihre Krankenkasse, die Hälfte davon der Arbeitgeber. Doch die Kassen erheben noch einen Zusatzbeitrag. Und der steigt immer weiter.
Stand:
Die Zusatzbeiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung sind zum Jahreswechsel deutlich gestiegen.
Das berichtet die „Bild“-Zeitung und beruft sich dabei auf eine aktuelle Berechnung des GKV-Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenkassen: „Der durchschnittliche, nach Mitgliedern gewichtete Zusatzbeitragssatz ist zum Jahreswechsel von 2,94 auf 3,13 Prozent gestiegen“, erklärte der Vorstandsvorsitzende Oliver Blatt.
Die Bundesregierung hatte versprochen, Beiträge und Zusatzbeiträge zur Krankenversicherung stabil zu halten. Der aktuelle Beitragssatz bleibt bei 14,6 Prozent und wird je zur Hälfte von Arbeitgeber und Arbeitnehmer getragen.
Darüber hinaus legen die Krankenkassen aber einen Zusatzbeitrag individuell fest, den ebenfalls Arbeitnehmer und Arbeitgeber je zur Hälfte zahlen. Zur Begründung heißt es unter anderem, die Kassen müssten die gesetzlich vorgeschriebenen Reserven auffüllen.
Wenn eine Krankenkasse den Zusatzbeitragssatz erhöht, haben die Mitglieder ein Sonderkündigungsrecht.
Weckruf für Reformen
Der Anstieg sei „deutlich“, betonte GKV-Chef Blatt. Er müsse „ein Weckruf für alle sein, die für unser Gesundheitssystem Verantwortung tragen“.
Blatt forderte grundlegende Reformen: „Ich appelliere an die Politik, aus dem Jahr 2026 ein echtes Reformjahr zu machen. So muss als dringlichste Maßnahme der starke Anstieg bei den Krankenhauskosten und den Medikamentenpreisen gestoppt werden.“
Außerdem müsse man dringend lange Wartezeiten für Facharzttermine „in den Griff bekommen“, fügte er hinzu – und ergänzte: „Egal ob Politik, Krankenhaus- und Ärztevertreter, Krankenkassen und Pharmaindustrie – nur gemeinsam sichern wir die Zukunft der guten und finanzierbaren Versorgung der 75 Millionen gesetzlich Versicherten.“
Erhöhungen zwischen 0,2 und 1,1 Prozentpunkten
Laut Stiftung Warentest erhöhten von den 72 für alle Verbraucherinnen und Verbraucher geöffneten Krankenkassen 35 zum Januar ihre Beiträge. 36 ließen die Beiträge demnach unverändert, eine senkte sie sogar.
Die Erhöhungen liegen zwischen 0,2 und 1,1 Prozentpunkten. Die teuerste Krankenkasse verlangt laut Stiftung Warentest nun einen Beitrag von insgesamt 18,99 Prozent, die günstigste von 16,78 Prozent.
Durch einen Wechsel der Krankenkasse können Versicherte teils mehrere hundert Euro im Jahr sparen, betonten die Verbraucherschützer.
Das sei einfach: Nach einem Antrag bei der neuen Kasse übernehme diese die Kündigung bei der alten. Anschließend muss noch der eigene Arbeitgeber informiert werden.
Verbraucher sollten aber nicht allein auf die Beitragssätze achten, betonte Stiftung Warentest. Zuschüsse etwa zur Zahnreinigung, zu Gesundheitskursen oder ein attraktives Bonusprogramm könnten einen etwas höheren Beitragssatz rechtfertigen.
Den Zusatzbeitrag legen die Krankenkassen jeweils selbst fest. Sie begründen die Erhöhungen mit gestiegenen Kosten. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hatte den durchschnittlichen Zusatzbeitrag offiziell für 2026 auf 2,9 Prozent festgelegt.
Dies ist jedoch nur eine unverbindliche Richtgröße, die jetzt bereits überschritten wurde. Die Krankenkassen können ihren Zusatzbeitrag im Jahresverlauf auch weiter erhöhen, wenn sie dies für notwendig halten. (AFP/KNA)
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