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Der Kreml in Moskau (Symbolbild)
© mauritius images / Alamy Stock Photos / Alex's Pictures - Moscow Kremlin
Update

Kreml-Bericht: Russische Ökonomen warnen Putin vor massivem Einbruch der Wirtschaft

Einem Insider-Bericht zufolge scheinen die westlichen Sanktionen Wirkung zu zeigen. Putin zeigt sich unbeeindruckt: „Wir haben nichts verloren und werden nichts verlieren.“

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Ein Großteil der westlichen Sanktionen gegen Russland zielt darauf ab, die Wirtschaft des Landes zu schwächen. Insbesondere die enormen Energiepreise und die Abhängigkeit Europas von russischem Gas und Öl helfen dem Kreml derzeit noch, die eigene Wirtschaft und Währung zu stabilisieren.

Mittelfristig dürfte sich das ändern. Mit welch massivem Einbruch seiner Wirtschaft Russland derzeit rechnet, zeigt ein interner Bericht russischer Ökonomen für den Kreml, der dem Nachrichtenportal "Bloomberg" vorliegt.

Ökonomen befürchten Rückgang des BIP und Fachkräftemangel

Zwei der drei abgebildeten Szenarien prognostizieren ein deutliches Schrumpfen der Wirtschaft. Bei einer „trägen“ Wirtschaftsentwicklung rechnen die Experten für 2023 mit einem Rückgang des russischen BIP um 8,3 Prozent im Vorjahresvergleich. Im „Stress-Szenario“ würde das BIP 2024 seinen Tiefpunkt sogar erst 2024 mit einem Rückgang von 11,9 Prozent erreichen.

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Vorkriegsniveau soll die Wirtschaft erst am Ende des Jahrzehnts oder gar später erreichen, heißt es in dem internen Papier. Auch der sogenannte „Brain drain“ (also die Abwanderung von Fachkräften) wird in dem Report thematisiert. Demnach rechnen die Analysten mit bis zu 200.000 IT-Spezialisten, die bis 2025 das Land verlassen könnten.

Massive Auswirkungen auf Export und Import

Russlands Wirtschaft ist stark abhängig von Energie-Exporten. Sie bilden das wirtschaftliche Rückgrat. Hier werden die Auswirkungen der Sanktionen laut des Berichts massiv spürbar sein.

Für die nächsten ein bis zwei Jahre warnen die Ökonomen vor „reduzierten Produktionsmengen in einer Reihe von exportorientierten Sektoren“, von Öl und Gas bis hin zu Metallen, Chemikalien und Holzprodukten. Auch wenn später ein gewisser Aufschwung möglich sei, „werden diese Sektoren nicht mehr der Motor der Wirtschaft sein“, heißt es.

Die westlichen Sanktionen würden für Russland jedoch nicht nur den Export eigener Rohstoffe erschweren, sondern auch den Import wichtiger Waren. Der Bericht schlüsselt detailliert auf, welche Sektoren in welchem Maße von den westlichen Sanktionen betroffen sein könnten.

Demnach sollen beispielsweise 95 Prozent der Passagierflüge mit Flugzeugen ausländischer Hersteller durchgeführt werden. Der Ausfall von Ersatzteil-Importen könnte zu einem massiven Schrumpfen der Flotte und sogar zu einem völligen Ausfall führen, heißt es.

Ähnlich gravierend wären die Folgen für den Pharmazie– und Agrarsektor sowie für den Bau von Industriemaschinen. Auch hier ist Russland zu großen Teilen abhängig von westlichen Importen.

Putin: „Wir haben nichts verloren und werden auch nichts verlieren.“

Die westlichen Maßnahmen scheinen für die russische Wirtschaft also längst nicht so harmlos zu sein, wie Wladimir Putin sie immer darstellt.

Zwar erkennt der russische Präsident die Sanktionen mittlerweile als ernstzunehmende „Bedrohung für die ganze Welt“ an, wie er am Mittwoch auf dem Wirtschaftsforum in Wladiwostok verlauten ließ. Dennoch stellte Putin unmissverständlich klar: „Wir haben nichts verloren und werden auch nichts verlieren.“ Mehr noch: Russland habe infolge der Invasion auf die Ukraine nicht nur keine Verluste erlitten, sondern profitiere gar von einer neu geordneten Welt, wie auch die „New York Times“ berichtete.

Weiterhin kündigte Putin auf dem Wirtschaftsforum an, dass er sich schon nächste Woche mit Chinas Staatschef Xi Jinping treffen wolle, um die wirtschaftlichen Beziehungen weiter auszubauen. „Unsere chinesischen Freunde sind schwierige Verhandlungspartner“, so der russische Präsident. Dennoch sei China ein stabiler und zuverlässiger Partner und der Markt sei riesig.

Egal, wie sehr jemand Russland isolieren möchte, es ist unmöglich. Man muss nur einen Blick auf die Landkarte werfen.

Wladimir Putin auf dem Wirtschaftsforum in Wladiwostok

Konkret ließ er verlauten, dass die beiden Länder sich bereits auf die wichtigsten Parameter für die Inbetriebnahme einer neuen Pipeline geeinigt hätten. Die Fernleitung solle China künftig mit russischem Gas aus Sibirien versorgen, das ursprünglich für europäische Länder bestimmt war.

Eine geplantes Treffen der beiden Staatschefs für nächste Woche wurde von der chinesischen Seite noch nicht offiziell bestätigt, wie die „New York Times“ berichtet. (Tsp)

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