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CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet blickt skeptisch nach unten.
© Rolf Vennenbernd/dpa

Verstecktes Ultimatum einer Abgeordneten: Laschet muss schon am Wochenende reagieren

Eine unbekannte Abgeordnete stellt dem Kanzlerkandidaten ein verstecktes Ultimatum - und niemand widerspricht. Langsam wird's gespenstisch. Ein Kommentar.

Ein Kommentar von Stephan-Andreas Casdorff

So fängt‘s ja meistens an, wenn der Unmut sich Bahn bricht. Und das ist bei Armin Laschet der Fall. Will sagen: Das Unwohlsein der Abgeordneten wird deutlich. In der virtuellen Fraktionssitzung der Unionsparteien haben die ersten über einen, seinen Rückzug von der Kanzlerkandidatur geredet. Und wie! In zum Teil drastischen Worten. Mit Sprachbildern wie „Untergang“, die anzeigen, dass die Umfragen, die schlechten für die Union und ihren Bewerber, an den Nerven zehren.

So fängt es an. Wenig bekannte, sogenannte kleine Abgeordnete wagen sich vor und an den vermeintlich Großen heran - und niemand weist sie zurecht, in ihre Schranken? Keiner aus der CDU verteidigt den Ministerpräsidenten, ihren Bundesvorsitzenden, ihren Spitzenmann, von den Führungsgremien ausgewählt? Oder stellt sich an seine Seite, demonstrativ, auf dass es jeder auch da draußen im Land mitbekommt?

Es hat langsam etwas Gespenstisches. Nichts sehen, nichts hören, am besten nichts sagen.Dass Laschet selbst nichts sagt, heißt nicht, dass er nicht sieht, wie die Lage ist, nicht hört, wie sie intern bewertet wird.

Er sagt nur nichts, weil es erstens seiner Art entspricht: aushalten, aussitzen. Zweitens würde er die Sache womöglich mit jeder Bemerkung noch größer machen; jedes Wort von ihm wird gegenwärtig und sowieso auf die Goldwaage gelegt. Da heißt es: Obacht!

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Er braucht ein griffiges Programm - und zwar jetzt

Zumal Markus Söder, der Kollege in Lauerstellung, die Situation schon als dramatisch bewertet hat. Im CSU-Vorstand, was dann nicht mehr intern bleibt. So ist die Lage. Und dramatisch, das gilt nach innen wie nach außen. Nach innen, weil die Abgeordneten, die bleiben wollen, zunehmend um ihre Mandate fürchten; und die, die welche zu erringen  versuchen, sich um ihre Chance sorgen. Immer mehr von ihnen.

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So fängt es an: mit einem versteckten Ultimatum. Eine Abgeordnete sagt, wenn die Lage in zwei Wochen nicht besser ist, dann lieber kurz und schmerzhaft entscheiden - gegen Laschet, heißt das. Zwei Wochen noch soll er also Zeit haben, die Stimmung zu wenden. Damit sich die Unionspolitiker nicht gänzlich um ihre Aussichten gebracht fühlen.

Wie das aufhört? Nur wenn es Armin Laschet gelingt, jetzt ein griffiges Programm und dazu auch Personen zu präsentieren, die nach innen und nach außen wirken. Den Kandidaten illuminieren, den Machtanspruch dokumentieren; ihn stärken und ergänzen, durch Themen Geschlossenheit schaffen. Fraktionschef Ralph Brinkhaus hat an die Abgeordneten appelliert - aber das ist auch nur eine Aufforderung.

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Sie gilt auch dem Kandidaten. Der Wahlkampf geht noch wenige Wochen - für ihn noch weniger. Ein Podium ist unbarmherzig, wusste Kurt Tucholsky, „da steht der Mensch nackter als im Sonnenbad“. Und auf Laschet scheint im Moment nicht einmal die Sonne.

Er muss die Lage jetzt in den Griff bekommen. Er muss einen Effekt erzielen. Er muss - er kann. Das ist die leise Hoffnung in der CDU. Das hat er daheim in NRW gezeigt. Aber das Podium ist noch größer, so groß wie die Erwartungen. Armin Laschet muss ihnen genügen, es bleibt ihm nichts anderes, um die Sache zu einem für ihn guten Ende zu bringen. Das Wochenende wird zeigen, nicht zuletzt der Union, ob er eine Idee hat, für die zu kämpfen sich lohnt. Er hat die Gelegenheit, das zu beweisen: Am Sonnabend, beim offiziellen Auftakt in die heiße Phase des Wahlkampfs.

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