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Maskenstreit in Supermarkt : Razzia im Reichsbürger-Milieu, nachdem Polizisten schwer verletzt wurden

In einem Supermarkt bei Köln weigern sich zwei Männer, ihre Maske aufzusetzen und verletzen zwei Polizisten schwer. Ermittler prüfen Kontakte zur Reichsbürger-Szene.

Die beiden Polizisten wurden schwer verletzt und werden derzeit im Krankenhaus behandelt.
Die beiden Polizisten wurden schwer verletzt und werden derzeit im Krankenhaus behandelt.Foto: Ottmar Winter/PNN

Zwei Männer wollen im Supermarkt keinen Mund-Nase-Schutz nutzen, die Polizei wird gerufen - und die Sache eskaliert: Zwei Polizisten werden schwer verletzt.

Ermittler gehen nach dpa-Informationen dem Verdacht nach, dass die Beamten in eine Falle gelockt wurden. Demnach besteht die Vermutung, dass die beiden Verdächtigen die Situation absichtlich provozierten. Einer der beiden hatte den Ablauf mit einer an seinem Körper befestigten Kamera gefilmt und offenbar eine Teilsequenz ins Internet gestellt. Wie die dpa erfuhr, prüfen die Ermittler auch, ob einer der beiden Beschuldigten Bezüge zur Reichsbürgerszene hat.

Laut einem Bericht der "Bild"-Zeitung fand bei einem der Verdächtigen am Mittwochmittag eine Razzia statt. Der mutmaßliche Täter soll zum Reichsbürger-Milieu gehören.

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Am Samstagnachmittag waren die Beamten zu dem Supermarkt in Troisdorf bei Köln gerufen worden. In dem Internetvideo ist zu sehen, wie der Verdächtige mit der Kamera mit der Polizei in mehreren Sprachen diskutiert, weil er seinen Ausweis nicht zeigen will. Der zweite Mann - inzwischen mit einem Tuch vor dem Mund - gibt sich als Übersetzer aus und mischt sich ein. Letztlich eskaliert die Situation und der „Übersetzer“, bereits zu Boden gebracht, schlägt einem der Beamten ins Gesicht.

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"Politisches Handeln kann nicht ausgeschlossen werden"

Der Staatsschutz in Bonn hat inzwischen die Ermittlungen übernommen. „Mit Blick auf die Gesamtumstände kann ein politisches Handeln nicht ausgeschlossen werden“, sagte ein Sprecher der Bonner Polizei dem „Generalanzeiger“. In dem Video ist unter anderem zu hören, wie der Filmende sagt: „Ich bin ein Mensch, ich brauche keinen Personalausweis (...) Ich bin Mensch und Souverän.“  Die Wortwahl ähnelt der sogenannter Reichsbürger, die den Staat als Instanz ablehnen.

Gegen die Männer wird wegen vorsätzlicher gefährlicher Körperverletzung und tätlichen Angriffs auf Polizeibeamte ermittelt. Sie kamen wegen fehlender Haftgründe wieder auf freien Fuß.  

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Wie Radiobonn.de berichtet, sei noch unklar und Teil der Ermittlungen, ob die beiden Männer wirklich der Reichsbürgerszene  zugerechnet werden können. Auch die Schwere der Verletzungen der Beamten habe dazu geführt, dass die Bonner Polizei ermittelt. Beide mussten im Krankenhaus behandelt werden. Nur durch Verstärkung konnte die Lage geklärt werden. Jetzt werden auch weitere Videos, auch aus der Überwachungskamera analysiert. Denn das im Internet veröffentlichte Video könnte nicht die gesamte Wahrheit zeigen, so die Polizei. Außerdem gebe es Online-Anzeigen gegen die Polizeibeamten, diese würden zur Zeit geprüft. (mit dpa)

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