Matthies meint : Up schack, toktoktoktok, up schack ...

Diese Woche muss es bei der Tagung des Unesco-Komitees zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes wieder richtig entspannt zugegangen sein.

Ein Mitglied der Gruppe Ivoire Binghi bietet Kleidung und Fahnen während des "International Festivals of Abidjan Reggae" zum Verkauf an.
Ein Mitglied der Gruppe Ivoire Binghi bietet Kleidung und Fahnen während des "International Festivals of Abidjan Reggae" zum...Foto: Legnan Koula/EPA/dpa

USA und Israel, die notorischen Störenfriede, sind sowieso ausgetreten, und dann der Ort! Port Louis auf Mauritius hat sanft tropisches Klima, türkise Badegewässer und Fünf-SterneHotels für jeden Geschmack, das ist wirklich Afrika für Genießer, und der November zählt dort zudem zu den angenehmsten Reisezeiten.

Gegenstand dieser Tagungen ist also das "immaterielle Kulturerbe" der Welt, das sind laut Wikipedia "Ausdrucksformen, die unmittelbar von menschlichem Wissen und Können getragen, von Generation zu Generation weitervermittelt und stetig neu geschaffen und verändert werden".

Wir müssen uns das so vorstellen, dass die Verantwortlichen in den Ländern der Welt lange Listen aufstellen mit Sitten und Gebräuchen, die diesen Ländern – und nur ihnen – eigen sind. Wer seine Anträge sorgfältig begründet und mit der angemessenen Bescheidenheit vorträgt, der kommt auch zum Zuge, das ist immer ein großer Gewinn, wenngleich das materielle Kulturerbe, das ja auch mal eine komplette Stadt sein kann, touristisch mehr bewegt.

Aus Deutschland wurden beispielsweise Märchenerzählen und Skatspielen (erinnert sich noch jemand?) in die Liste aufgenommen, der Karneval dagegen komischerweise nicht. Seit Mauritius ist der mitteleuropäische Blaudruck dabei; spannender mag aber sein, dass nun auch der Lawinenschutz in Österreich und der Schweiz mit seinen typischen Verbauungen zum Weltkulturerbe gehört. Deutschland ist dabei nicht genannt, das könnte bei den hiesigen Lawinenaufsehern Ärger geben. Bekämpfen sie den Schnee etwa nicht mit jahrhundertealtem Erfahrungswissen?

Ganz und gar neidlos wird die Welt hingegen dem Staat Jamaika seinen diesjährigen Hauptgewinn zugestehen: Der Reggae ist ab sofort dem Märchenerzählen und dem Skatspielen gleichgestellt. Dabei ist er viel jünger, 50 Jahre alt ungefähr. Aber dennoch hat praktisch jeder eine Vorstellung, wie er klingt, up schack, up schack, toktoktoktok up schack... Dagegen sieht auch der Blaudruck alt aus. Allerdings verdankt der Reggae seine Entdeckung der zentralen Tatsache, dass die Musiker Marihuana und andere Kräuter und Pilze geraucht haben, bis es ihnen zu den Ohren herauskam – da wäre noch allerhand immaterielles Kulturerbe zu entdecken.

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