Nach 26 Jahren Flucht : Mutmaßlicher Organisator des Tutsi-Völkermords verhaftet

Er galt als einer der Hauptakteure im Völkermord in Ruanda: nun wurde Félicien Kabuga nach jahrzehntelanger Flucht in Paris verhaftet.

Felicien Kabuga wurde in Paris verhaftet. Er ist für die Ermordung von 800.000 Tutsi verantwortlich.
Felicien Kabuga wurde in Paris verhaftet. Er ist für die Ermordung von 800.000 Tutsi verantwortlich.Foto: AFP

Die Verhaftung eines der Hauptverantwortlichen des Völkermords von Ruanda, Félicien Kabuga, ist weltweit mit Erleichterung aufgenommen worden. Die Festnahme von Kabuga sende eine „wirkungsvolle Botschaft, dass mutmaßliche Täter dieser Verbrechen der Justiz nicht entkommen können und zur Rechenschaft gezogen werden“, sagte ein Sprecher von UN-Generalsekretär Antonio Guterres. Kabuga, der den Genozid 1994 mitfinanziert haben soll, war nach mehr als zwei Jahrzehnten auf der Flucht am Samstag in Paris gefasst worden. Er galt als einer der am meisten gesuchten Männer der Welt.

Überlebende des Völkermords reagierten mit Zufriedenheit auf die Verhaftung. „Jeder hat auf diesen Tag gewartet , sagte Valerie Mukabayire, die Vorsitzende einer Gruppe ruandischer Witwen dem Sender BBC am Sonntag.

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Die französische Polizei verhaftete den 84-Jährigen am frühen Samstagmorgen in Asnières-sur-Seine, einem Vorort der französischen Hauptstadt. Dort habe Kabuga dank eines ausgeklügelten Systems und der Hilfe seiner Kinder unter falschem Name gewohnt, erklärte die französische Justiz. Seine Verhaftung war demnach das Ergebnis eines langen Ermittlungsverfahrens und einer umfangreichen Operation mit mehreren Durchsuchungen.

Verbrechen gegen die Menschlichkeit

Kabuga wird unter anderem die direkte Beteiligung am Völkermord vorgeworfen, außerdem Verfolgung und Vernichtung als Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Er war ein einflussreicher Geschäftsmann und soll während des Völkermords 1994 Hutu-Milizen finanziert haben, die die Massaker an der Tutsi-Bevölkerung begangen haben. Das UN-Tribunal für Ruanda hat 1997 Anklage gegen Kabuga erhoben und einen Haftbefehl ausgestellt. Kabuga befand sich seither auf der Flucht und soll sich in dieser Zeit unter anderem in Deutschland, Belgien, Kenia, Kongo und der Schweiz aufgehalten haben.

Eine Frau steht vor der Gedenktafel des Völkermordes an den Tutsi. 
Eine Frau steht vor der Gedenktafel des Völkermordes an den Tutsi. Foto: Yasuyoshi CHIBA / AFP)

“Die Verhaftung von Félicien Kabuga ist eine Mahnung, dass jene, die für Völkermord verantwortlich sind, auch 26 Jahre nach den Verbrechen zur Rechenschaft gezogen werden können", sagte der Chefankläger des Tribunals, Serge Brammertz. Kabuga soll in Kürze von Frankreich an das Tribunal im tansanischen Arusha überstellt werden, wo ihm der Prozess gemacht wird. Die ruandische Regierung begrüßte die Verhaftung Kabugas.

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Beim Völkermord in Ruanda töteten Extremisten der Hutu-Mehrheit zwischen April und Juli 1994 rund 800.000 Angehörige der Tutsi-Minderheit und moderate Hutu. Das UN-Tribunal für Ruanda wurde 1994 vom Sicherheitsrat gegründet, um die Hauptverantwortlichen des Genozids verfolgen zu können. Seit der Eröffnung des Gerichts wurden 93 Personen angeklagt. Nach der Verhaftung von Kabuga sind noch sieben Männer auf der Flucht. Das Tribunal besitzt selbst keine Polizeikräfte und ist deshalb auf die Mitarbeit von Staaten angewiesen. (epd)

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