Nach Anzeige in Holland : Was Cowboy- und Indianerkostüme mit Völkermord zu tun haben

Eine Initiative hat ein Holländisches Veranstaltungszentrum angezeigt, weil dort Cowboy- und Indianerfeste stattfanden. Das würde vermitteln, Völkermord sei etwas Schönes. Absurd, meint unser Autor. Eine Glosse.

Wer Cowboy- und Indianerfeiern veranstaltet, der sagt Kindern, dass Völkermord gut sei. Das argumentiert eine antirassistische Initiative in Holland.
Wer Cowboy- und Indianerfeiern veranstaltet, der sagt Kindern, dass Völkermord gut sei. Das argumentiert eine antirassistische...Foto: Andreas Gebert/dpa


Wer meiner Generation angehört, der ist mit Cowboys und Indianern praktisch groß geworden. Den Colt schneller ziehen als die anderen Jungs, lautlos durchs Gebüsch schleichen im vollen Federschmuck oder laut heulend um den Marterpfahl hüpfen – unvergesslich. Es war zwar nicht einfach, die passende Bewaffnung vom Taschengeld zu finanzieren, aber da gab es Mittel und Wege.

Aus heutiger Sicht würde ich sagen, dass mir das nicht geschadet hat, ich bin ein friedliches Mitglied der Gesellschaft geworden und habe nie auch nur ansatzweise daran gedacht, eventuell auftauchende Indianer tatsächlich zu erschießen. Reiner Zufall! Denn in Holland ist jetzt ein Veranstaltungszentrum angezeigt worden, weil es ein Cowboy- und Indianerfest veranstaltet hat. Das, so meinte die schwer betroffene antirassistische Initiative, bringe den Kindern bei, „dass Völkermord etwas Schönes sei“.

Ja, so wird heute gedacht, und vermutlich ist im Verlauf des Verfahrens auch darauf hingewiesen worden, dass das Verkleiden als Indianer durch Nicht-Indianer eine so genannte „kulturelle Aneignung“ sei. Die ist zwar bislang nirgendwo verboten und kann deshalb auch nicht angezeigt werden, aber der Denkansatz erklärt zumindest, weshalb die generell leicht erregbaren Antirassisten gerade auf Indianern so abfahren.

Nun sind wir aus Holland allerhand gewohnt, aber die für den Fall zuständigen Staatsanwälte scheinen noch alle Tassen im Schrank zu haben, denn das Verfahren wurde eingestellt: „Wenn Kinder sich verkleiden, dann ist das ein Spiel und bedeutet keine Billigung von Gewalt gegen bestimmte Gruppen."

Gewirkt hat die Anzeige trotzdem, denn das Veranstaltungszentrum will künftig keine Cowboy- und Indianerfeste mehr ausrichten. Insofern ist trotz Verfahrenseinstellung gewährleistet, dass von holländischem Boden keine Völkermorde mehr ausgehen. Kinderfeste wird es dort trotzdem weiterhin geben; einigermaßen sicher dürfte alles mit Holzschuhen und Tulpen sein, der Käse sollte aber mit Rücksicht auf die gemolkene Kreatur durch Tofu ersetzt werden.

Und sehr problematisch sind die bekanntlich aus Holland stammenden Schlumpf-Kostüme: Sie bedeuten eine kulturelle Aneignung der gefährdeten Schlumpf-Kultur.

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