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Nach Ehrung für Ägyptens Diktator : Den Semperopernball soll es weiter geben

Für die Ausrichtung des Semperopernballs gibt es Verträge bis 2022. Dresden bleibt das Event also erhalten – trotz der Groteske um die Auszeichnung al Sisis.

Semperopernball 2019
Semperopernball 2019Foto: imago images/Robert Michael

Den Semperopernball soll es in den kommenden Jahren geben - auch nach dem heftigen Ärger um die Auszeichnung von Ägyptens Diktator Abdel Fattah al Sisi. Das sagte ein Sprecher der Semperoper am Mittwochabend dem Tagesspiegel. Es gebe Verträge mit dem ausrichtenden Verein um den Kulturmanager Hans-Joachim Frey bis 2022. Dass der Ball wegen der heftigen Kontroversen um den Orden für al Sisi nun abgeschafft werde, "wird nicht der Fall sein".

Die Semperoper war von der Verleihung des Ordens an al Sisi, für die Frey mit einer Delegation nach Kairo gereist war, überrascht worden. Sie hatte die Entscheidung des ausrichtenden Vereins am Dienstag ausdrücklich missbilligt. Der Intendant der Oper, Peter Theiler, betonte, die Semperoper sei als eigenständige Organisation vom Veranstalter nicht in die künstlerischen und programmatischen Planungen einbezogen worden. Es gebe "massive Irritationen" innerhalb des Opernhauses, das als führende Kulturinstitution stets Stellung für Freiheit, Toleranz und Menschenrechte bezogen habe. Bereits 2009 hatte ein Orden für Russlands Staatschef Wladimir Putin für Diskussionen gesorgt.

Doch auch wenn die Opernbälle in diesem und auch in den kommenden Jahren nicht abgesagt werden: Ernsthafte Gespräche mit Frey und seinem Verein soll es nach dem Ball geben. Theiler ist der Auffassung, dass der Opernball wichtig ist für Dresden. Die Vergabe des Ordens an al Sisi machen ihn wütend und enttäuscht, wie es aus dem Opernhaus heißt. Man frage sich, was in Dresden los sei, der Vorgang erscheine als Provinzposse. Es gehe nun auch um den Ruf von Dresden als Kulturstandort - und auch der Semperoper selbst als eines der führenden Opernhäuser der Welt.

"Semperoper verdient ein Heidengeld", sagen die Veranstalter

Bernd Aust, Mitglied des Semperopernballvereins, warnte davor, die nach seinen Worten "sehr opulente Veranstaltung" abzuschaffen. Im MDR-Interview erinnerte er Theiler daran, dass die Semperoper "ein Heidengeld" mit dem Ball verdiene. Ohnehin gebe die Semperoper den Ausrichtern des Balls "nur noch die Hülle - die Staatskapelle spielt nicht mehr mit, der Opernchor, das Ballett sind nicht mehr dabei. Ich sehe das also ein bisschen gelassen. Aber es wäre für Dresden sehr schade."

Roland Kaiser moderiert, Judith Rakers will nicht mehr

Am Dienstagabend hatte Ballvereins-Chef Frey sich überraschend für die Auszeichnung al Sisis entschuldigt. Sie sei "ein Fehler" gewesen. Zuvor hatten die für den Abend vorgesehenen Moderatoren Judith Rakers und Roland Kaiser mit Konsequenzen gedroht.

Am Mittwochabend ergänzte die ARD-Moderatorin Rakers auf Twitter: "Ich habe den Ballverein bereits am Montag um Auflösung des Moderations-Vertrages gebeten und warte noch immer auf Zustimmung."

Kaiser entschied sich anders. Zwar widerspreche die Preisverleihung an al Sisi allem, wofür er als Künstler und als Mensch stehe, schrieb der Schlagersänger auf Facebook. Dennoch habe er sich trotz der "unglücklichen Umstände" letztlich dafür entschieden, doch durch den Abend zu führen.

Frey teilte laut MDR mit, der Semperopernball respektiere den Wunsch Rakers. "Wir haben in ihrer Rolle als Tagesschau-Sprecherin volles Verständnis dafür", sagte Frey. Umso mehr freue er sich, dass Rakers Moderationspartner Roland Kaiser "weiter an der Seite der Ballfreunde steht".

Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) erwägt, nicht zum Ball zu kommen. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) will den Ball indes wie geplant am 7. Februar eröffnen.

Neben dem Orden für al Sisi ist auch die Auszeichnung des Chemnitzer Unternehmers Hans Jürgen Naumann geplant. Mit rassistischen Sprüchen in einem Zeitungsinterview zum Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump hatte er 2017 für einen Eklat gesorgt. Eine Tagesspiegel-Anfrage, ob Naumann seinen Orden auf dem Ball bekommen soll, ließen die Veranstalter des Luxus-Events am Mittwoch unbeantwortet.

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