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Nach Tod von George Floyd : Stadtrat von Minneapolis beschließt Auflösung der Polizei

Die lokale Polizei sei nicht mehr reformierbar, sagt der Stadtrat von Minneapolis. Die Polizeiarbeit soll nun anders aufgebaut werden. Noch ist unklar, wie.

Zwei Polizisten in Minneapolis beim Einsatz gegen Demonstranten
Zwei Polizisten in Minneapolis beim Einsatz gegen DemonstrantenFoto: AFP/Kerem Yucel

Als Konsequenz aus dem gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd soll die Polizeiarbeit in der US-Großstadt Minneapolis völlig neu organisiert werden. Der Stadtrat beschloss am Sonntag, die örtliche Polizeibehörde komplett aufzulösen und eine neue Struktur für die Polizeiarbeit zu schaffen, wie Mitglieder des Rats mitteilten.

In dem Gremium habe Einigkeit darüber geherrscht, dass die Polizeibehörde „nicht reformierbar“ sei, schrieb das Mitglied Alondra Cano bei Twitter.

Die Stadtratsvorsitzende Lisa Bender sagte im Nachrichtensender CNN, in Minneapolis solle ein „neues Modell der öffentlichen Sicherheit“ geschaffen werden, „das unsere Gemeinde tatsächlich sicher hält“. Wie die bisherige Polizeibehörde ersetzt werden solle, werde der Stadtrat noch diskutieren. Die Abwicklung der Behörde dürfte ein „langer und komplizierter Kampf“ werden, schrieb die örtliche Zeitung „Star Tribune“.

Ratsvorsitzende Lisa Bender und Mitglied Jeremiah Ellison hatten letzte Woche auf Twitter verkündet, dass sie planen, die Polizeiabteilung abzubauen. Dem Nachrichtensender CBS zufolge werde erwogen, das Geld der Abteilung für Gemeinschaftsinitiativen zu verwenden, die die Sicherheit stärken.

"Wir werden nicht plötzlich morgen niemanden haben, der Sie um Hilfe rufen kann. Es wird nachdenkliche und absichtliche Arbeit geben, Forschungsengagement, Lernen, das in einem Übergang geschieht, der im Laufe der Zeit stattfinden wird", zitiert CBS das Ratsmitglied Philippe Cunningham.

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Der Bürgermeister von Minneapolis, Jacob Frey, hatte sich am Samstag bei einer Demonstration gegen eine Abwicklung der örtlichen Polizei ausgesprochen und stattdessen für Reformen geworben. Er wurde dafür prompt ausgebuht und aufgefordert, den Protest zu verlassen.

"Wir sind bereit, im Namen unserer Stadt mehr von der Gemeinde geleitete Strategien für die öffentliche Sicherheit zu entwickeln und umzusetzen. Aber ich unterstütze die Abschaffung der Minneapolis Police Department nicht", sagte Frey.

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Floyd war am 25. Mai bei einer brutalen Festnahme in der Stadt im Bundesstaat Minnesota gestorben. Ein weißer Polizeibeamter hatte sein Knie fast neun Minuten lang in den Nacken des am Boden liegenden Floyd gedrückt - trotz aller Bitten des 46-Jährigen, ihn atmen zu lassen.

Floyd war wegen des Verdachts, mit einem falschen 20-Dollar-Schein bezahlt zu haben, festgenommen worden. Seit seinem Tod ist es in Minneapolis und im ganzen Land zu großen Protesten gegen Polizeigewalt, Rassismus und Diskriminierung gekommen. (AFP, dpa)

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