"NSU 2.0" : Drohungen gegen NSU-Opferanwältin entwickeln sich zur Polizeiaffäre

Die Juristin Seda Basay-Yildiz wird regelmäßig von Rechtsextremen bedroht. Hinter einem Schreiben mit dem Absender "NSU 2.0" stecken womöglich Polizisten.

"Als es um meine Tochter ging, hat es mir gereicht“, sagt Anwältin Seda Basay-Yildiz über rechtsextreme Drohungen.
"Als es um meine Tochter ging, hat es mir gereicht“, sagt Anwältin Seda Basay-Yildiz über rechtsextreme Drohungen.Foto: picture alliance/dpa/Boris Roessler

Sie trat im NSU-Prozess kämpferisch auf. Und sie engagierte sich für den Gefährder Sami A., der im Juli trotz eines Abschiebeverbots des Verwaltungsgerichts Gelsenkirchen nach Tunesien gebracht wurde. Dass die Frankfurter Anwältin Seda Basay-Yildiz bei Rassisten Unmut und Hass erregt, verwundert nicht. Doch was ihr im August passierte, entwickelt sich offenbar zu einer Polizeiaffäre. Hinter einer massiven Drohung stecken womöglich Beamte aus einem Revier in Frankfurt am Main.

Am 2. August ging bei der Anwältin ein Fax ein, in dem sie als „miese Türkensau“ beleidigt wird. Und nicht nur das. Der oder die Verfasser drohen, die Tochter von Basay-Yildiz zu „schlachten“. Als „Vergeltung für 10.000 Euro Zwangsgeld“. Die Anwältin hatte Ende Juli nach der Abschiebung von Sami A. ein Zwangsgeld in dieser Höhe gegen die Stadt Bochum beantragt. Kurz darauf kam bei Basay-Yildiz das Fax an, in dem auch ihre Privatadresse steht. Der oder die Absender nennen sich „NSU 2.0“, offenbar um die Opferanwältin aus dem Prozess gegen Beate Zschäpe zusätzlich einzuschüchtern.

„Ich bekomme viele Drohungen, aber als es um meine Tochter ging, hat es mir gereicht“, sagte Basay-Yildiz am Sonntag dem Tagesspiegel. Sie erstattete gleich im August Anzeige bei der Polizei. Die nahm Ermittlungen auf und stieß auf Verdächtige in den eigenen Reihen. Eine Beamtin eines Reviers in der Frankfurter Innenstadt hatte über ihren Computer die Einträge im Melderegister zu Basay-Yildiz abgefragt. Einen dienstlichen Anlass gab es offenkundig nicht.

Die Ermittler fanden zudem heraus, dass die Polizistin mit vier Kollegen bei WhatsApp eine Chatgruppe gebildet hatte, in der Hitlerbilder, Hakenkreuz und rassistische Parolen kursierten.

Der polizeiliche Staatsschutz durchsuchte die Arbeitsplätze der fünf Beamten und nahm Handys und Festplatten mit. Die Gruppe soll zudem vom Dienst suspendiert worden sein. Die Frankfurter Polizei wollte sich am Sonntag nicht zu dem Fall äußern.

Basay-Yildiz ist froh, dass gründlich ermittelt wurde, und doch verärgert. Sie habe aus der Presse erfahren, dass Polizisten verdächtig sind. Die Polizei selbst habe erst vergangenen Donnerstag mit ihr gesprochen. Ihr sei gesagt worden, „es besteht keine Gefahr für Sie und Ihre Tochter“. Glauben kann Basay-Yildiz das nicht. „Ich fühle mich unwohl“, sagt sie, „bevor ich rausgehe, gucke ich dreimal nach links und rechts“. Doch einschüchtern lasse sie sich nicht, „ich mache weiter“.

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