Porträt : Neuer Umweltminister im Norden

Die Grünen in Schleswig-Holstein haben einen Nachfolger für Robert Habeck gefunden: Der Europaabgeordnete Jan Philipp Albrecht wechselt in die Jamaika-Koalition in Kiel

Der Grünen-Europaabgeordnete Jan Philipp Albrecht (rechts) wird Umweltminister in Schleswig-Holstein und übernimmt damit die Nachfolge des neuen Grünen-Vorsitzenden Robert Habeck
Der Grünen-Europaabgeordnete Jan Philipp Albrecht (rechts) wird Umweltminister in Schleswig-Holstein und übernimmt damit die...Foto: dpa / Markus Scholz

Wochenlang haben die Grünen im Norden nach einem passenden Nachfolger für den neuen Bundesvorsitzenden Robert Habeck gesucht. Nun steht fest, wer sein Ministeramt in Schleswig-Holstein übernehmen wird: Jan Philipp Albrecht, 35 Jahre alt, seit neun Jahren für die Grünen im Europaparlament. Ein Überraschungs-Coup, lange hatte Bundestagsfraktionsvize Konstantin von Notz als Favorit gegolten, doch der wollte nicht so recht.
Albrechts Herzensthema im Europaparlament war die Digitalisierung, für die er nun auch als Minister in Kiel verantwortlich sein wird. In der Materie kennt er sich bestens aus: Als Verhandlungsführer des Europäischen Parlaments wirkte er zuletzt an der Grundverordnung der EU mit, die ab dem Mai diesen Jahres europaweite Standards im Datenschutz setzt.
Doch ab dem September wird er sich in Schleswig-Holstein auch mit Landwirten über Gülle, mit Fischern über den Schutz von Schweinswalen und mit Bürgerinitiativen über den Bau von Stromtrassen streiten müssen. „Ich werde viel lernen müssen“, sagte Albrecht bei seiner Vorstellung am Samstag. Immerhin sei er „zwischen Kornfeldern und Zuckerrübenfeldern“ aufgewachsen und in seiner Familie gebe es auch Landwirte, sagt der gebürtige Braunschweiger, der im nahe gelegenen Wolfenbüttel groß wurde. Die Themen seien ihm außerdem aus seiner politischen Tätigkeit vertraut – schließlich wird Agrarpolitik ebenso in Europa verhandelt wie viele Richtlinien im Umwelt- und Naturschutzrecht.

Nahezu alle grünen Profilierungsthemen in einem Ressort

Für den Grünen-Landesverband stand bei der Suche ohnehin im Vordergrund, jemanden mit dem Potenzial zu finden, nächster Spitzenkandidat in Kiel werden zu können. Monika Heinold, stellvertretende Ministerpräsidentin und Finanzministerin, will voraussichtlich zum Ende der Wahlperiode aufhören. Es tue dem Landesverband gut, dass es nun ein „junges und frisches Gesicht“ gebe, sagt Heinold. Mit der Zuständigkeit für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und Digitalisierung hat Albrecht nahezu alle grünen Profilierungsthemen in seinem Ressort.
In der Partei wird Albrecht dem linken Flügel zugerechnet, aber bei seinem Auftritt outete er sich als „sehr großer Fan“ der Jamaika-Koalition in Kiel. Dass er – ebenso wie sein Vorgänger – über das grüne Milieu hinaus blickt, zeigte er in den letzten Jahren nicht zuletzt als Organisator von grünen Polizeikongressen.

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