• Razzia bei Rechtsextremisten: Die bizarre Geschichte der mutmaßlichen Terrorgruppe "Nordadler"

Razzia bei Rechtsextremisten : Die bizarre Geschichte der mutmaßlichen Terrorgruppe "Nordadler"

Eine Gruppe junger Rechtsextremisten steht im Verdacht, eine Terrorgruppe gegründet zu haben. Einer der Männer hatte Kontakt zu einem IS-Anhänger.

In mehreren Bundesländern durchsuchten Beamte eines  Spezialeinsatzkommandos Wohnungen. Drei Junge Männer stehen im Verdacht eine rechte Terrorzelle gegründet zu haben.
In mehreren Bundesländern durchsuchten Beamte eines  Spezialeinsatzkommandos Wohnungen (Symbolbild).Foto: Telenewsnetwork/dpa

Die Geschichte klingt bizarr. Die Bundesanwaltschaft ermittelt gegen eine Gruppe junger mutmaßlicher Rechtsterroristen, von denen nach Informationen des Tagesspiegels zumindest einer bereits als Komplize eines Anhängers der Terrormiliz „Islamischer Staat“ aufgefallen war.

Am Dienstag durchsuchten Beamte eines Spezialeinsatzkommandos in Niedersachsen die Wohnung des 22-jährigen S. Weitere Razzien gab es ebenfalls in Niedersachsen sowie in Schleswig-Holstein, Bremen und Thüringen.

Nach Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft stehen S. und drei weitere Beschuldigte in den  norddeutschen Ländern in Verdacht, Anfang 2017 eine rechte Terrorgruppe namens "Nordadler" gegründet zu haben. Festnahmen seien bislang nicht erfolgt. In Thüringen wurden die Räume eines Mannes durchsucht, den die Bundesanwaltschaft nicht zu den Beschuldigten zählt.

Nach dem bisherigen Ergebnis der Ermittlungen „eint die Beschuldigten eine nationalsozialistische Gesinnung“, teilte die Behörde in Karlsruhe mit. Ziel der Gruppe Nordadler soll es gewesen sein, „dem Nationalsozialismus in Deutschland zum Wiedererstarken zu verhelfen“. Die Beschuldigten hätten „noch nicht näher konkretisierte Anschläge auf politische Gegner in Erwägung gezogen“ und sich bemüht, „Waffen, Munition sowie Materialien zum Bau von Brand- und Sprengvorrichtungen zu beschaffen“.

Der Beschuldigte S. hatte sich 2017 bereits vor dem Braunschweiger Landgericht verantworten müssen. Die Richter verurteilten ihn zu 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit, weil er den IS-Sympathisanten Sascha L., deutscher Konvertit und ehemaliger Neonazi, in Northeim (Niedersachsen) zu einer Probesprengung begleitet und die Explosion gefilmt hatte. Die Männer hätten bei dem Test das hochexplosive Acetonperoxid eingesetzt, hieß es am Dienstag in Sicherheitskreisen. Sascha L. wollte mit einer Sprengfalle einen Anschlag auf Soldaten oder Polizisten verüben. Das Landgericht verurteilte L. zu drei Jahren und drei Monaten Haft.

Zweiter Schlag gegen mutmaßliche Rechtsterroristen

Das Video der Probesprengung hatte S. im Internet bei Youtube veröffentlicht, obwohl er selbst kein Islamist war und zum  Rechtsextremismus tendierte. Auch nach der Verurteilung in Braunschweig behielten Polizei, Justiz und Verfassungsschutz S. weiter im Blick. Zunächst ermittelte die Generalstaatsanwaltschaft Celle, im Januar 2018 übernahm die Bundesanwaltschaft das Verfahren wegen des Verdachts auf Terror.

Die vier mutmaßlichen Mitglieder der "Nordadler"-Gruppe hätten bei Facebook und dem russischen sozialen Netzwerk "VK" kommuniziert, sagten Sicherheitskreise. Bei VK tummeln sich schon länger Rechtsextremisten aus verschiedenen Ländern. Bei S. kam hinzu, dass er eine eigene Website namens „SS-Hauptamt.de“ betrieb.

Die Razzia bei der "Nordadler"-Gruppe ist der zweite Schlag der Bundesanwaltschaft im April gegen mutmaßliche Rechtsterroristen. Am vorvergangenen Sonntag hatte die Behörde in Berlin, Brandenburg und Thüringen die Wohnungen von acht Reichsbürgern durchsuchen lassen. Die Beschuldigten sollen eine rechtsterroristische Vereinigung gegründet haben, um gewaltsam die politische Ordnung der Bundesrepublik durch eine Replik des Kaiserreiches zu ersetzen.

Unterdessen scheiterte im NSU-Prozess am Oberlandesgericht München am Dienstag ein weiterer Versuch, die Plädoyers der Verteidiger von Beate Zschäpe und der vier weiteren Angeklagten zu starten. Zschäpes Anwalt Hermann Borchert war verhindert, die Verteidiger anderer Angeklagten wollten ebenfalls noch nicht ihre Schlussvorträge halten. Der Vorsitzende Richter Manfred Götzl sah sich gezwungen, die Hauptverhandlung auf kommende Woche zu vertagen.

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!

4 Kommentare

Neuester Kommentar