• Razzien in vier Bundesländern: Bundesanwaltschaft geht gegen rechtsextreme „Wolfsbrigade“ vor

Razzien in vier Bundesländern : Bundesanwaltschaft geht gegen rechtsextreme „Wolfsbrigade“ vor

Die Behörden haben eine Großaktion gegen militante Rechtsextremisten begonnen. Sechs Menschen sollen den bewaffneten Arm einer Gruppierung gegründet haben.

Neonazis beim Hess-Gedenkmarsch in Berlin (Archivbild von 2017)
Neonazis beim Hess-Gedenkmarsch in Berlin (Archivbild von 2017)Foto: imago/IPON

Wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung hat die Bundesanwaltschaft am Dienstag Wohnungen in vier Bundesländern durchsuchen lassen. Sechs Beschuldigte stünden im Verdacht, im vergangenen Jahr innerhalb der Gruppierung "Wolfsbrigade" die Untergruppierung "Sturmbrigade" als "bewaffneten Arm" gebildet zu haben, teilte die Behörde in Karlsruhe mit.

Erklärtes Ziel der Gruppierung sei das "Wiedererstarken eines freien Vaterlandes" nach dem "germanischen Sittengesetz". Dafür will die Gruppe offenbar auch mit Gewalt kämpfen. Es besteht laut Generalbundesanwalt der Verdacht, dass diese Ziele auch mit Gewalt durchgesetzt werden sollen.

Mit den Durchsuchungen sollten am Dienstag unter anderem nähere Erkenntnisse über die Gruppierung „Sturmbrigade“ erlangt und geklärt werden, ob die Beschuldigten über Waffen verfügen. Mit den Ermittlungen ist das Landeskriminalamt Sachsen-Anhalt beauftragt.

Rechtsextremismus-Experte David Begrich von Miteinander e.V. in Magdeburg sagte am Dienstag, die neonazistische „Wolfsbrigade“ sei bereits 2018 in einer Serie rechtsextremer Demonstrationen in Köthen öffentlich in Erscheinung getreten. Solche gewaltbereiten neonazistischen Gruppen agierten überregional vernetzt und gehörten zum Kern des Mobilisierungspotentials der rechten Szene.

Begrich sagte: „In diesen Zusammenschlüssen gab es in den zurückliegenden drei Jahren einen Radikalisierungsprozess, der die Gewaltbereitschaft gegenüber Migranten und politischen Gegnern gesteigert hat.“

Ein wesentliche Rolle spielten dabei Vernetzung und Kommunikation in den sozialen Netzwerken. Eine Gefährdung gehe sowohl von Einzelpersonen aus dem Umfeld solcher Netzwerke als auch von den Gruppen selbst aus. In diesem Zusammenhang erinnerte Begrich auch an diverse Waffenfunde, das Anlegen sogenannter Feindlisten und rechtsterroristische Anschläge der letzten Monate.(epd/AFP)

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