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Republikaner-Kritik an Trumps Krisenmanagement : „Es war hoffnungslos, auf ihn zu warten“

Die Neuinfektionen-Zahl in den USA erreicht einen Höchststand. Der Unmut gegenüber Trumps Vorgehen in der Pandemie wird größer – auch aus den eigenen Reihen.

US-Präsident Donald Trump
US-Präsident Donald TrumpFoto: AFP/Nicholas Kamm

Das Krisenmanagement von US-Präsident Donald Trump in der Corona-Pandemie gerät auch in seiner Republikanischen Partei in die Kritik. Der Gouverneur des Bundesstaats Maryland, Larry Hogan, warf Trump in einem Gastbeitrag in der „Washington Post“ (Donnerstag) vor, nicht schnell genug auf die Bedrohung reagiert zu haben.

„So viele landesweite Maßnahmen hätten in diesen frühen Tagen ergriffen werden können, wurden es aber nicht“, schrieb Logan. „Statt seinen eigenen Gesundheitsexperten zuzuhören, redete und twitterte der Präsident wie ein Mann, dem es mehr um die Ankurbelung des Aktienmarktes oder seine Wiederwahlpläne ging.“

Hogan ist auch Vorsitzender der Nationalen Vereinigung der Gouverneure der 50 US-Bundesstaaten. Hogan kritisierte, Trump habe im März fälschlicherweise behauptet, jeder, der einen Test brauche, könne einen bekommen. Zur selben Zeit hätten Gouverneure um Hilfe beim Testen gebeten. Im April habe Trump dann die Verantwortung für Tests an die Gouverneure abgeschoben. „Es war hoffnungslos, auf ihn zu warten“, schrieb Logan. „Den Gouverneuren wurde gesagt, dass wir auf uns allein gestellt seien.“

Die Sprecherin des Weißen Hauses, Kayleigh McEnany, nannte Hogans Aussagen am Donnerstag „bemerkenswert“. Sie sagte, der Gouverneur habe Trump noch im April für Fortschritte beim Testen gedankt. Trumps Reaktion auf das Coronavirus sei „historisch“ gewesen.

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In einer am Freitag ebenfalls in der „Washington Post“ sowie dem Sender ABC veröffentlichten Umfrage kommt Trumps Krisenmanagement auch in der Bevölkerung nicht gut weg. 60 Prozent der 1006 zwischen dem 12. und 15. Juli Befragten äußerten sich negativ über Trumps Umgang mit der Pandemie, nur noch 38 Prozent befürworteten Trumps Vorgehen. Ende Mai hatten sich noch 53 Prozent negativ und 46 Prozent positiv geäußert.

In der Umfrage sagten 63 Prozent, es sei wichtiger, die Ausbreitung des Virus unter Kontrolle zu bringen, als die Wirtschaft wieder anzukurbeln. 33 Prozent äußerten sich gegenteilig. Ende Mai hatten diese Werte bei 57 Prozent beziehungsweise 37 Prozent gelegen. Trump strebt trotz Zehntausender neuer Coronavirus-Fälle pro Tag eine möglichst schnelle Rückkehr zur Normalität an, damit die Wirtschaft wieder in Schwung kommt.

In der Umfrage gaben 79 Prozent an, sie würden in Gegenwart anderer Menschen außerhalb ihres Zuhauses immer oder meistens eine Schutzmaske tragen. 15 Prozent sagten, sie würden nie oder selten eine Maske anziehen. Vergleichswerte zu den Vormonaten gab es bei dieser Frage nicht. Trump selber tritt in der Regel ohne Maske in der Öffentlichkeit auf. Bei einem Krankenhausbesuch am vergangenen Samstag hatte er allerdings eine Maske getragen.

Mit rund 77.300 gemeldeten Fällen hat die Zahl der Corona-Neuinfektionen in den USA einen neuen Höchststand erreicht. Damit wird der bisherige Rekord von 67 800 neuen Fällen binnen 24 Stunden vom 10. Juli überschritten, wie aus den jüngsten Zahlen auf der Webseite der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore am Freitagmorgen (MESZ) hervorgeht.

Mehr als 3,5 Millionen US-Amerikaner waren schon infiziert

In dem Land mit rund 330 Millionen Einwohnern haben sich demnach bislang mehr als 3,5 Millionen Menschen nachweislich mit Sars-CoV-2 infiziert. Rund 138 000 Menschen starben im Zusammenhang mit dem Virus, das die Lungenkrankheit Covid-19 auslösen kann.

Die Zahl der Neuansteckungen in den USA ist seit Mitte Juni im Zuge der Lockerungen der Corona-Auflagen dramatisch gestiegen - vor allem im Süden und Westen des Landes. Zahlreiche Bundesstaaten haben daher die phasenweise Wiedereröffnung der Wirtschaft gebremst, pausiert oder Lockerungen der Eindämmungsmaßnahmen zurückgenommen. (dpa)

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