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Sanktionen gegen Nordkorea : Trotz Drohungen: Spekulationen über Treffen der USA mit Nordkorea

US-Präsident Trump heizt die Spannungen mit Nordkorea an. Er verhängt neue Sanktionen, droht mit „Phase zwei“. Doch wird insgeheim ein Treffen mit Nordkorea vorbereitet?

US-Präsident Donald Trump.
US-Präsident Donald Trump.Foto: AFP/ Olivier Douliery

Der Besuch der Delegationen aus Nordkorea und den USA zum Ende der Olympischen Winterspiele in Südkorea hat Spekulationen über einen möglichen ersten Kontakt zwischen beiden Seiten ausgelöst. So könnte es am Rande zu einem Treffen des hohen nordkoreanischen Generals Kim Yong Chol mit der für Korea zuständigen Vertreterin des Nationalen Sicherheitsrates der USA, Allison Hooker, kommen, hieß es am Samstag in südkoreanischen Medien. Beide kennen sich persönlich von einem Besuch Hookers 2014 in Pjöngjang.

Die US-Beamtin ist in der Delegation von Ivanka Trump, Tochter von US-Präsident Donald Trump, nach Seoul gereist, obwohl ihr Name nicht in der Ankündigung der Reise genannt worden war. Hooker hat auch an dem Abendessen von Ivanka Trump mit Südkoreas Präsidenten Moon Jae In am Freitag in Seoul teilgenommen. Die „First Daughter“ vertritt die USA am Sonntag bei der Abschlussfeier der Spiele in Pyeongchang, zu der auch Kim Yong Chol mit seiner Delegation anreisen wird. Ein Treffen der Trump-Tochter mit dem General wurde allerdings ausgeschlossen.

Hooker kennt Kim Yong Chol von ihren Gesprächen 2014 in Pjöngjang, als sie den damaligen US-Geheimdienstchef James Clapper begleitet hatte, um über die Freilassung von zwei US-Bürgern zu verhandeln. Der General war damals Chef des Auslandsgeheimdienstes. Die Zeitung „Korea Herald“ nannte die US-Beamtin Hooker eine „potenzielle Schlüsselfigur, um die Grundlagen für künftige Gespräche zwischen den USA und Nordkorea zu legen“.

Auch die Zusammensetzung der Delegation des Generals weckte Hoffnungen auf eine mögliche Gesprächsbereitschaft von Machthaber Kim Jong Un. Überraschend seien auch Diplomaten dabei, die für die Beziehungen zu den USA und den Atomkonflikt zuständig seien, berichtete die Nachrichtenagentur Yonhap. Pjöngjang sende selten solche Experten zu rein innerkoreanischen Gesprächen. Drei Tage lang soll die Gruppe aus Nordkorea zu innerkoreanischen Gesprächen bleiben, hieß es.

Trump droht mit "Phase zwei"

Die Regierug von US-Präsident Donald Trump hatte am Freitag vor dem Ende der Olympischen Winterspiele zusätzliche Sanktionen gegen Nordkorea angedroht. Die Strafmaßnahmen sollen sich gegen Schiffe, Reedereien und Handelsunternehmen richten, wie am Freitag aus dem Weißen Haus verlautete.

Trump erwähnte die Sanktionen auch in seiner Rede vor der konservativen Vereinigung CPAC am Freitag. Es handele sich um das größte jemals gegen Nordkorea verhängte Maßnahmenbündel, sagte er laut vorab verbreiteten Redeauszügen. Laut Regierungskreisen sind davon 27 Unternehmen und 28 Schiffe betroffen, die sich in Nordkorea, China, Singapur, Taiwan, Hongkong, den Marshallinseln, Tansania, Panama und den Komoren befänden, dort registriert seien oder unter den jeweiligen Flaggen führen.

Später stellte er eine mögliche Eskalation für den Fall in den Raum, dass die Sanktionen gegen Nordkorea nichts ändern. „Wir werden sehen“, sagte Trump am Freitag vor Medien im Weißen Haus. „Wenn die Sanktionen nicht funktionieren, müssen wir Phase zwei beginnen. Phase zwei wird eine sehr raue Angelegenheit werden. Das könnte sehr, sehr bedauerlich für die Welt sein.“ Er denke aber nicht, dass er diese Karte spielen wolle, sagte Trump.

Russland fordert Verhandlungen über Korea-Krise

Russland forderte einem Medienbericht zufolge Verhandlungen mit der Regierung in Washington. Die Lage auf der koreanischen Halbinsel erfordere einen russisch-amerikanischen Dialog, sagte Außenstaatssekretär Igor Morgulow am Samstag nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Tass.

Er bekräftigte die russische Einladung an den US-Sondergesandten Joseph Yun. Es sei noch in der Diskussion, wann die Gespräche stattfinden könnten. Der Diplomat sprach sich erneut für direkte Verhandlungen zwischen den Regierungen in Washington und Pjöngjang aus.

Diplomatische Annäherung während der olympischen Winterspiele

Durch die neuen Sanktionen würden Quellen an Einnahmen und Treibstoff weiter zugestopft, die Nordkorea dafür nutze, sein Atomprogramm und seine Streitkräfte zu finanzieren. US-Vizepräsident Mike Pence hatte bereits während seiner Ostasien-Reise zu Beginn des Monats angekündigt, dass die USA in Kürze ihre bislang "härtesten und aggressivsten Sanktionen" gegen Nordkorea verhängen würden. Die USA, die UNO und die EU hatten bereits in den vergangenen Monaten mit neuen Sanktionen auf die nordkoreanischen Atom- und Raketentests reagiert.

Während der derzeitigen Olympischen Winterspiele in Südkorea kam es zwar zu einer diplomatischen Annäherung zwischen den beiden koreanischen Staaten, ein direkter Austausch zwischen den USA und Nordkorea blieb dagegen aus. Pence sowie eine hochrangige nordkoreanische Delegation waren zwar zu der Eröffnungsfeier der Spiele in Pyeongchang gereist, doch ein Gespräch zwischen den beiden Delegationen kam nicht zustande. Nach Angaben der US-Regierung war ein Geheimtreffen mit den Nordkoreanern zwar anvisiert, doch sagte Pjöngjang in letzter Minute ab.

Pence attackierte Kim Jong Uns Schwester

Der US-Vizepräsident attackierte am Donnerstag die Schwester des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un, die der Delegation in Pyeongchang angehört hatte und das Gesicht der nordkoranischen Charme-Offensive gegenüber Südkorea war. Kim Yo Jong sei eine "zentrale Säule des tyrannischsten und repressivsten Regimes auf dem Planeten", sagte Pence in seiner Rede vor der CPAC-Jahresversammlung der Konservativen bei Washington. Zur Abschlussfeier der Winterspiele am Sonntag werden Pence und Kim Yo Jong nicht erneut nach Südkorea reisen. Die USA werden durch die Präsidententochter Ivanka Trump vertreten. Sie plant nach Angaben von Trump-Sprecherin Sarah Sanders keine Begegnungen mit nordkoreanischen Vertretern. Die Delegation aus Pjöngjang wird nach südkoreanischen Angaben von dem General Kim Yong Chol angeführt. Er ist für die Beziehungen zwischen den beiden koreanischen Staaten zuständig.

Zum Anlass der Olympischen Spiele war es zu einer überraschenden Annäherungspolitik zwischen Nord- und Südkorea gekommen. Es gibt aber Befürchtungen, dass die Spannungen wieder aufflammen, wenn die Winterspiele am Sonntag und die anschließenden Paralympischen Spiele am 18. März beendet sind. Danach wollen die USA und Südkorea auch mitteilen, wann sie die Militärmanöver wieder aufnehmen werden, die wegen Olympia zunächst verschoben worden waren. (AFP, dpa)

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