Sarrazins "Feindliche Übernahme" : Wie finden Sie Sarrazins Buch?

Viele Leser waren verärgert, dass der Tagesspiegel in seiner Rezension des Sarrazin-Buches empfohlen hat, es nicht zu lesen. Was halten Sie von diesem Buch?

Theresa Rohrhirsch
Thilo Sarrazin stellt sein Buch vor.
Thilo Sarrazin stellt sein Buch vor.Foto: John MacDougall/AFP

„Deutsch, nicht dumpf. Ein Leitfaden für aufgeklärte Patrioten“. „Gegen den Hass“. „Selbst denken. Eine Anleitung zum Widerstand.“ Betritt man am frühen Freitagnachmittag Dussmann in der Friedrichsstraße, empfangen einen im Eingangsbereich diese Titel auf dem Tisch mit den Neuerscheinungen. Sie flankieren das neue Buch von Thilo Sarrazin: "Feindliche Übernahme. Wie der Islam den Fortschritt behindert und die Gesellschaft bedroht". Es scheint, als möchte Dussmann sich mit Gegenliteratur davon distanzieren, das Buch, das in dieser Woche erschienen ist, zu verkaufen.

Dass die Tagesspiegel-Rezension des Buches mit der Empfehlung endete, es nicht zu lesen, sorgte bei vielen Lesern und Online-Kommentatoren für Empörung. "Pädagogisch" und "anti-emanzipatorisch" sei der Aufruf, schrieb ein Online-Kommentator. Auf Twitter schrieben einige, die sich über die Rezension geärgert hatten: "Jetzt erst recht."

Wir wollten diejenigen, die sich für das Lesen dieses Buches entscheiden haben, fragen, was sie davon halten, welche Motive sie haben, das Buch zu lesen und was sie sich davon erhoffen.

Am Freitagnachmittag bei Dussmann gestaltet sich das allerdings schwierig. Die meisten Menschen gehen an dem Bücherstand einfach vorbei. Einige schauen sich das Buch an, legen es aber schnell wieder zurück. Ein Mann nimmt im Vorbeigehen das Buch in die Hand und zeigt es seinem Begleiter „Schau mal, das Buch“, sagt er. Der andere antwortet: „Och Mensch, lass doch den Thilo in Ruhe.“ „Arschloch“, hört man den ersten murmeln, als er das Buch wieder weglegt.

Fragt man die Menschen, die sich das Buch von Sarrazin ansehen, fällt die Antwort in fast allen Fällen gleich aus. Man schaue es sich zwar an, aber kaufen: auf keinen Fall. Man wolle den Autor mit einem Kauf nicht unterstützen. Einer sagt: „Es ist wie mit Pornos, so was bestellt man über das Internet.“ Die 24-jährige Islamwissenschaftsstudentin Natalya sagt: „Es ist wichtig, dass man sich damit befasst und die Thesen, die er aufstellt widerlegt.“

Die wenigen Personen, die am Freitagnachmittag das Buch kaufen, haben alle eine ähnliche Ansicht auf die Dinge. „Es reden sehr viele über das Buch, aber man sollte es erst lesen, bevor man es aufbauscht und es verurteilt“, sagt einer. Ein anderer sagt, er sympathisiere weder mit den Rechten, noch mit der AfD, doch es interessiere ihn, was Thilo Sarrazin in dem Buch schreibt.

Diese kleine Umfrage im Buchladen ist sicher nicht repräsentativ. "Deutschland schafft sich ab", das 2010 erschienen ist, war ein Bestseller. "Feindliche Übernahme" steht derzeit auf Platz 1 der Amazon-Charts.

Haben Sie es gekauft und gelesen? Ihre Meinung zum Buch interessiert uns! Schreiben Sie uns, was Sie von Sarrazins Thesen halten. Wir fassen Ihre Reaktionen zusammen und veröffentlichen Sie an dieser Stelle - wenn Sie das wünschen und uns mitteilen natürlich gern, ohne Ihren Namen zu nennen. Ihre Eindrücke und Gedanken können Sie an theresa.rohrhirsch@tagesspiegel.de oder anna.sauerbrey@tagesspiegel.de schicken.

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