„Schon immer Umfragekönige gewesen“ : Die Angst der Grünen vor dem Absturz

Kurz vor der Landtagswahl in Brandenburg sacken die Grünen in den Umfragen ab. Es ist nicht das erste Mal. Ein Rückblick.

Grünen-Chefin Annalena Baerbock auf Wahlkampftour im Braunkohletagebau in der Lausitz
Grünen-Chefin Annalena Baerbock auf Wahlkampftour im Braunkohletagebau in der LausitzFoto: Patrick Pleul/dpa

Die neuen Umfragewerte aus Brandenburg wecken bei den Grünen alte Ängste. Noch vor zwei Monaten sah es nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen SPD, AfD, CDU, Grünen und Linkspartei aus, die Grünen erreichten bis zu 17 Prozent. Spitzenkandidatin Ursula Nonnenmacher erklärte, sie sei bereit, das Amt der Ministerpräsidentin zu übernehmen. Doch gut eine Woche vor der Landtagswahl sacken die Grünen auf Werte zwischen zwölf und 14 Prozent (Infratest und Politbarometer) ab. Das ist zwar immer noch eine deutliche Steigerung gegenüber dem Ergebnis von 2014 (6,2 Prozent), aber weniger, als manch einer sich in den letzten Wochen erhofft hat.

Als die Grünen im vergangenen Jahr zum bundesweiten Höhenflug ansetzten, kommentierte Jürgen Trittin die Zahlen eher spöttisch: „Wir sind schon immer Umfragekönige gewesen.“ Bereits mehrfach hat der Grünen-Veteran erleben müssen, dass die Zustimmungswerte zwischen Wahlterminen hoch waren und am Wahlabend ernüchternd ausfielen.

So wie bei der Bundestagswahl im Herbst 2013, bei der Trittin als Spitzenkandidat antrat und die Grünen nur 8,9 Prozent erreichten. Dabei hatten die Umfragewerte zwei Jahre zuvor noch ganz anders ausgesehen. Nach der Atomkatastrophe in Fukushima im März 2011 näherten die Grünen sich schon einmal der 30-Prozent-Marke an. Manch ein Politikwissenschaftler sah die Partei damals auf dem Weg zur Volkspartei neuen Typs.

Ab und zu gelang es den Grünen ja auch, gute Umfragewerte in gute Ergebnisse umzuwandeln. So wie bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg 2011, aus der Winfried Kretschmann als Ministerpräsident hervorging. Fünf Jahre später gelang es den Südwest-Grünen unter seiner Führung sogar, den Abstand zu den anderen Parteien auszubauen. Oder zuletzt bei der Europawahl im Mai dieses Jahres, als die Grünen mit mehr als 20 Prozent die eigenen Erwartungen übertrafen. Die aktuellen Grünen-Werte seien "selbst erarbeitet", sagen die Optimisten in der Partei. Andere waren vor zu viel Euphorie.

Denn schließlich gibt es in der Partei eben auch die andere Erfahrung. So musste Renate Künast bei der Berlin-Wahl im Herbst 2011 am Ende ihren Traum begraben, Regierende Bürgermeisterin zu werden. Dabei hatten ihre Chancen auf dieses Amt - zumindest ausweichlich der Umfragen - noch ein halbes Jahr vor der Wahl nicht schlecht ausgesehen.

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