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Soldaten des Achmat-Bataillons
© Viktor Antonyuk/Imago

Foltermord-Video aus der Ukraine: Soldat wird kastriert und getötet – Recherchenetzwerk findet mutmaßlichen Täter

Die Folter an einem Mann in ukrainischer Uniform wird per Video dokumentiert. Die Tat soll das tschetschenische „Achmat“-Bataillon verübt haben.

Ein Mann in ukrainischer Uniform mit den bekannten gelb-blauen Abzeichen wird vor laufender Kamera kastriert, anschließend schießt ihm jemand in den Kopf und zerrt ihn in ein Grab – im Hintergrund sieht man ein Auto mit dem russischen „Z-Symbol“. Die Aufnahme dieses Foltermordes ging zuletzt auf verschiedenen Telegram-Kanälen viral.

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Auf den pro-russischen wurde es zunächst gefeiert, bis es die Anhängerinnen und Anhänger Putins als „wahrscheinliche Fälschungen“ bezeichneten. Aus ihrer Sicht wurde es von ukrainischen Agenten in die Kanäle eingeschleust, um Russlands Armee zu diskreditieren.

Bis dato blieb unklar, um wem es sich bei Opfer sowie Täter handelt. Das Investigativ-Netzwerk Bellingcat hat sich mit den Kolleginnen und Kollegen der Plattform The Insider in einer aufwendigen Recherche auf die Suche gemacht und herausgefunden, dass die Aufnahmen auf dem Gelände des Sanatoriums Privolye in der Region Luhansk stattgefunden haben.

Bei dem mutmaßlichen Täter soll es sich um Ochur-Suge Mongush, Jahrgang 1993, aus dem sibirischen Tuvar handeln, schreibt ein Insider. Bellingcat verzichtet auf die Enthüllung seiner Identität.

Mitglied der Achmat-Gruppe

Es soll sich um einen Kämpfer des „Achmat“-Bataillons handeln, einer tschetschenischen paramilitärischen Formation. Es ist nach dem Vater von Ramsaw Kadyrow benannt: Achmat Abdulchamidowitsch Kadyrow. Er wurde am 9. Mai 2004 bei einem Bombenanschlag in einem Stadion in der Hauptstadt Grosny getötet.

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Die Achmat-Gruppe war auch an der Eroberung des Asot-Chemiewerks im ostukrainischen Swerodonezk beteiligt, wie Videos zeigten. Dort sowie auf anderen Aufnahmen, die von russischen Nachrichtenagenturen gefilmt wurden, war ein Mann zu sehen, der auf dem Gewaltvideo das Messer hielt und den Kriegsgefangenen verstümmelte: Überall trug er den gleichen charakteristischen Hut mit einer Bordüre aus Muscheln, Armband und Militär-Uniform.

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Er leugnet seine Teilnahme

Die Rechercheure kontaktierten ihn daraufhin, „um ihm das Recht auf eine Antwort anzubieten“, heißt es. Im Gespräch mit den Reportern räumte er ein, dass er als Mitglied der „Achmat“-Gruppe in die Ukraine entsandt worden sei und dass er „der Mann mit dem Cowboyhut“ sei. Allerdings bestritt er, dass er in den Verstümmelungs- und Hinrichtungsvideos zu sehen war.

„Ich bin nicht bereit, so einen Unsinn zu machen, ich habe nicht einmal einen einzigen Schuss aus den Waffen abgegeben, die sie mir gegeben haben“, sagte er. „Das riecht nicht nach Achmats Arbeit.“

Der Mann bestätigte aber, dass er vom Föderalen russischen Sicherheitsdienst (FSB) wegen des Filmmaterials zwei Tage lange festgehalten und befragt worden war.

Russische, die er in der Ukraine getroffen hatte, hätten ihm die Gewaltvideos kurz nach deren Veröffentlichung geschickt – mit den Worten: „Sieh dir den Mist an, der über dich gefilmt wurde.“ Sie hätten aufgefordert, in einem Büro des (FSB) eine Aussage zu machen.

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Die Rechercheure von Bellingcat stellten in seinen Aussagen dennoch einige Ungereimtheiten fest. So behauptete er, kein Soldat zu sein, nur ein Begleiter von Journalisten, die Achmat-Videos drehen würden. Die Aufnahmen zeigen ihn aber immer wieder mit Langgewehr in der Hand.

Sollte das Video, wie der mutmaßliche Täter berichtet, wirklich „Fake“ sein, wäre es merkwürdig, warum man ausgerechnet ihn mit seinem charakteristischen Hut und dem Armband darstellen würde, heißt es. (tsp)

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