"Stiftung Islam in Deutschland" : Berliner Imam will die Verständigung fördern

Stiftung, Beratungsstelle, Zentrale gegen Radikalisierung: Der Berliner Imam Abdel Adhim Kamouss hat große Pläne.

Marie Just
Offen für Verständigung. Imam Abdel Adhim Kamouss.
Offen für Verständigung. Imam Abdel Adhim Kamouss.Foto: Thilo Rückeis

Gegründet ist sie schon, an diesem Freitag wird gefeiert: Nach jahrelanger Planung hat der Berliner Imam Abdel Adhim Kamouss seine „Stiftung Islam in Deutschland“ ins Leben gerufen. Die verfolgt das Ziel, das gesellschaftliche Zusammenleben von Muslimen und Nicht-Muslimen zu fördern. Zu ihren Grundsätzen zählt ein Bekenntnis zum Grundgesetz, zur Gleichberechtigung von Mann und Frau und eine Distanzierung von Antisemitismus und Homophobie. Geplant ist auch eine Zentrale gegen Radikalisierung.

Noch vor 15 Jahren hätte man Abdel Adhim Kamouss ein derart ambitioniertes Projekt nicht zugetraut. Der Mann hat einen weiten Weg hinter sich: 2005 predigte er in der vom Verfassungsschutz beobachteten Alnur-Moschee in Neukölln, nach einem Fernsehauftritt verpasste ihm ein Boulevardblatt den Spitznamen "Quassel-Imam" . Dabei hatte er sich zu diesem Zeitpunkt längst von früheren dogmatischen Auffassungen distanziert, setzte sich aktiv für eine Verständigung zwischen den Religionen ein. Den Anstoß hierzu hatte ihm 2010 ausgerechnet ein Treffen mit dem damaligen Innensenator Ehrhart Körting gegeben (einen ausführlichen Bericht über Kamouss' Wandel können Sie hier nachlesen). Sein Engagement gegen Fanatismus und seine Predigten, in denen er stets das Bild eines milden und barmherzigen Gottes zeichnet, brachten ihm in den Folgejahren auch Probleme ein - unter anderem gab es Morddrohungen von Radikalen.

Vorläufig hat die Stiftung noch keinen festen Sitz. Für den muslimischen Fastenmonat Ramadan stellt die Baptistengemeinde im Berliner Wedding für Gebete und das traditionelle Fastenbrechen ihre Räumlichkeiten zur Verfügung.

Der gebürtige Marokkaner Kamouss lebt seit 1997 in Deutschland. Zunächst studierte an der Technischen Universität in Berlin Elektrotechnik, schloss als Diplom-Ingenieur ab.

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