Tiergarten-Mord : Neue Indizien weisen auf eine Verwicklung Russlands hin

Neue Indizien im Tiergarten-Mord: Der Attentäter trainierte offenbar beim russischen Geheimdienst in Moskau. Eine russische Veteranen-Organisation dementiert.

Beamte der Spurensicherung sichern in einem Faltpavillon Spuren am Tatort im Kleinen Tiergarten.
Beamte der Spurensicherung sichern in einem Faltpavillon Spuren am Tatort im Kleinen Tiergarten.Foto: dpa/Paul Zinken

Im Fall des im Berliner Kleinen Tiergarten erschossenen Georgiers Zelimkhan Khangoshvili mehren sich die Indizien, dass staatliche russische Stellen den Mord in Auftrag gegeben haben. Nach Recherchen des „Spiegel“ und seiner Kooperationspartner „Bellingcat“ und „The Insider“ hat der mutmaßliche Täter Vadim Krasikov in den Wochen und Monaten vor seinem Anschlag im engsten Austausch mit Vertretern des „Vympel- Teams“ gestanden – einer Vereinigung ehemaliger Spezialkräfte des russischen Geheimdienstes FSB (Speznas). Zudem soll sich Krasikov auch in einem geheimen Trainingszentrum der Speznas in der Nähe von Moskau aufgehalten haben.

Die Informationen beruhen auf der Auswertung von Krasikovs Mobiltelefon, schreibt der „Spiegel“. Danach habe der mutmaßliche Täter mehr als 20 Mal mit dem Vorsitzenden der Vympel-Vereinigung, Eduard Bendersky, gesprochen. In Russland wurde der Bericht prompt als „Fake“ zurückgewiesen. Vympel-Präsident Waleri Popow sprach der Agentur Interfax zufolge von einer „Provokation“ westlicher Medien. Die Veteranen-Organisation befasse sich mit „wohltätiger Arbeit“, darunter auch für Kinder. Die Verbindung zu dem Mord wies Popow zurück. „Das ist Dilettantentum, jemand will diese Operation als Arbeit von Vympel ausgeben“, meinte er. Popow sagte aber auch: „Wenn Vympel gearbeitet hätte, dann hätte niemand etwas gemerkt, niemand hätte etwas erahnt.“

Die Ermittlungen belasten das deutsche Verhältnis zu Russland

Der Generalbundesanwalt hatte in der vergangenen Woche wegen dringenden Mordverdachts und Verstoßes gegen das Waffengesetz einen neuen Haftbefehl gegen den Tatverdächtigen erwirkt. Die Ermittlungen hatte sie bereits im Dezember an sich gezogen, um den Verdacht zu prüfen, dass das Opfer im Auftrag staatlicher Stellen Russlands oder Tschetscheniens erschossen wurde.

Die Ermittlungen in dem Fall belasten das Verhältnis von Russland und Deutschland. Nach der Ausweisung zweier russischer Diplomaten aus Deutschland am 4. Dezember verwies Russland seinerseits zwei deutsche Diplomaten des Landes. Der Kreml hat in der Vergangenheit stets zurückgewiesen, in den Anschlag verstrickt zu sein. (Tsp/AFP/dpa)

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