Tübingens Oberbürgermeister : Palmer soll Studenten bedrängt haben

Tübingens grüner Oberbürgermeister Boris Palmer ist mit einem Studenten aneinandergeraten. Er wollte ihm wegen Ruhestörung ein Ordnungsgeld aufbrummen.

Boris Palmer (Bündnis 90/Die Grünen), Oberbürgermeister der Stadt Tübingen,
Boris Palmer (Bündnis 90/Die Grünen), Oberbürgermeister der Stadt Tübingen,Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) ist in seiner Stadt mit einem Studenten aneinandergeraten - und wehrt sich nun gegen Kritik an seinem Verhalten. Er sei von dem Mann am späten Abend beschimpft worden, sagte Palmer am Montag der Deutschen Presse-Agentur.

Der 33 Jahre alte Student sagte der dpa, Palmer sei ihm und seiner Begleiterin vor rund zwei Wochen in der Tübinger Innenstadt entgegen gekommen. Der Student machte dabei nach eigenen Angaben eine Bemerkung wie „Oh je“, als er den Oberbürgermeister sah - an den genauen Wortlaut erinnerte er sich am Montag aber nicht mehr. Daraufhin sei der Politiker den beiden hinterhergelaufen, habe ihnen den Weg versperrt und Fotos gemacht, um die Personalien des Mannes aufzunehmen.

Palmer zufolge verhielt sich der 33-Jährige laut und aggressiv. Er habe den Studenten "sachlich zur Rede" gestellt, schreibt Palmer in einem Facebook-Post. "Statt sich zu entschuldigen randaliert der Delinquent lautstark." Darauf habe Palmer seinen Dienstausweis gezeigt und die Personalien verlangt. "Der Angreifer weigert sich, versucht Passanten durch laute Hilfeschreie auf seine Seite zu ziehen und flüchtet", so Palmer weiter.

Der Oberbürgermeister sieht in dem Verhalten des Studenten eine Störung der Nachtruhe sowie eine Ordnungswidrigkeit, da der Student sich der Feststellung der Personalien entzogen habe. Seinen Angaben nach hätte sich der Mann ihm, dem Chef des kommunalen Ordnungsdienstes gegenüber, ausweisen müssen. Der Student soll nun ein Ordnungsgeld bezahlen.

"Wenn die Presse nun daraus macht, der Student sei belästigt worden, so verkennt das die Rechtslage und macht aus dem Täter ein Opfer", schreibt Palmer, und betont: "Die Akzeptanz gesetzlicher Normen ist leider rückläufig. Die ausufernden Störungen der Nachtruhe oder der Vandalismus in der Uhlandstraße sind Ausdruck dieser Entwicklung. In derselben Weise wirkt sich dies im Verhalten gegenüber Polizei und Ordnungsbehörden aus, zu denen qua Gesetz auch der Oberbürgermeister zählt. In einer vergleichbaren Situation hat mir vor kurzem ein Ruhestörer gedroht: 'Wieviele Kollegen hast du denn hier? Ich hau dich weg.'"

Der Student selbst sagte dem Schwäbischen Tageblatt, er habe nicht mit Palmer diskutieren wollen. Dieser habe aber nicht locker gelassen. Daraufhin habe der Student "Lassen Sie uns in Ruhe, wir fühlen uns bedrängt", sehr laut zu ihm gesagt. Laut "Tagblatt" soll Palmer dem Paar im Zuge des Streits den Weg versperrt und den Studenten bedrängt haben. Zwei andere Studentinnen, die Augenzeuginnen dieser Szenen wurden, hätten gemeinsam mit der Begleiterin des Studenten noch versucht, Palmer zu beruhigen. Palmer aber habe nicht von dem Studenten abgelassen und sich eine "slapstickreife Verfolgungsjagd" mit diesen geliefert - bis er schließlich aufgegeben habe. (dpa, tsp)

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