Türkischer Präsident im Vatikan : Papst Franziskus schenkt Erdogan einen Friedensengel

Papst Franziskus hat am Montag den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan zu einer Audienz empfangen und schenkte ihm ein Medaillon mit einem Friedensengel.

Papst Franziskus heißt Recep Tayyip Erdogan und dessen Frau Emine Erdogan vor einer Privataudienz im Vatikan willkommen.
Papst Franziskus heißt Recep Tayyip Erdogan und dessen Frau Emine Erdogan vor einer Privataudienz im Vatikan willkommen.Foto: Alessandro Di Meo/dpa

Papst Franziskus hat dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan bei dessen Besuch im Vatikan ein Medaillon mit einem Friedensengel geschenkt. "Dies ist ein Friedensengel, der den Dämon des Krieges erwürgt", sagte der Papst, als er Erdogan am Montag das etwa 20 Zentimeter messende Bronzemedaillon überreichte. Es sei das Symbol einer "Welt, die auf Frieden und Gerechtigkeit basiert", sagte das katholische Kirchenoberhaupt.

Der Besuch des türkischen Staatschefs erfolgt vor dem Hintergrund einer umstrittenen türkischen Militäroffensive gegen die syrischen Kurden in Afrin. Der Papst ist seit jeher ein scharfer Kritiker von Kriegen, und es wurde erwartet, dass er sich bei dem privaten Gespräch mit Erdogan für eine friedliche Lösung in Afrin ausspricht. Erdogan hat bisher wenig Verständnis für Kritik an der Offensive gezeigt und Kritiker in der Türkei wiederholt scharf angegriffen.

Erdogan überreichte dem Papst seinerseits ein Panorama von Istanbul, das die Hagia Sophia und die Blaue Moschee zeigt. Der fromme Muslim hatte den Papst im November 2014 in Ankara empfangen. Er hatte sich damals mit Nachdruck gegen "Islamophobie" in Europa ausgesprochen. Begleitet wurde er bei seinem Besuch im Vatikan, der unter hohen Sicherheitsvorkehrungen stattfand, von seiner Frau, einer Tochter und vier Ministern.

Es war der erste offizielle Besuch eines türkischen Präsidenten oder Regierungschefs seit Aufnahme der diplomatischen Beziehungen mit dem Heiligen Stuhl 1960. In dem 50-minütigen Gespräch im Vatikan ging es unter anderem um die Folgen der Anerkennung Jerusalems als israelische Hauptstadt durch die USA. Auch die Flüchtlingspolitik und die Lage der Christen in der Türkei seien Thema gewesen.

In einer ungewöhnlich kühl gehaltenen Erklärung wies der Vatikan auf die diplomatischen Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und der Türkei hin, ohne wie üblich deren gute Qualität zu betonen.

Zwei Festnahmen bei Protest gegen Erdogan-Besuch

Nach Ausschreitungen bei einem Protest gegen den Besuch des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan sind in Rom zwei Demonstranten festgenommen worden. Einige der rund 150 Teilnehmer an einer Mahnwache an der Engelsburg unweit des Petersdoms sind nach Angaben der Polizei handgreiflich geworden, wie aus einer Mitteilung hervorgeht. Nach den Zusammenstößen wurde die Aktion beendet, zu der das kurdische Netzwerk „Rete Kurdistan“ aufgerufen hatte. Diese war im Vorfeld genehmigt worden, obwohl im Zuge der strengen Sicherheitsvorkehrungen in großen Teilen Roms am Montag ein Demonstrationsverbot galt. (AFP/dpa/epd)

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