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Der langjährige Chefredakteur der türkischen Zeitung "Cumhuriyet", Can Dündar.

© Arne Dedert/dpa

Interpol-Fahndung in Deutschland: Türkische Justiz will Can Dündar ausliefern lassen

Die Staatsanwaltschaft in Diyarbakir hat eine Interpol-Fahndung beantragt, um den nach Deutschland geflüchteten Journalisten zu ergreifen.

Eine Staatsanwaltschaft in der Türkei will den in Deutschland lebenden Journalisten Can Dündar bei der internationalen Polizeiorganisation Interpol auf die Fahndungsliste setzen lassen. Das meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Freitag.

Die Staatsanwaltschaft in der südosttürkischen Stadt Diyarbakir habe beim Justizministerium in Ankara beantragt, den Ex-Chefredakteur der regierungskritischen türkischen Zeitung „Cumhuriyet“ mittels einer sogenannten „Red Notice“ bei Interpol suchen zu lassen. Ziel sei Dündars Auslieferung. Das Recherchezentrum Correctiv hatte am Freitag Informationen über eine „Red Notice“ für Dündar verbreitet.

Zuletzt hatte der Interpol-Suchauftrag gegen den türkischstämmigen Kölner Autor Dogan Akhanli für Aufsehen gesorgt. Er war im August während eines Spanien-Urlaubs auf Betreiben der Türkei vorübergehend festgenommen worden. Bundesaußenminister Sigmar Gabriel hatte den Verdacht geäußert, dass die türkische Regierung Interpol „für politisch motivierte Haftbefehle“ missbrauche. Wenn ein Mitgliedsland einen Verdächtigen zur Fahndung ausschreiben will, informiert Interpol mit einer „Red Notice“ („rote Notiz“ oder „rote Ausschreibung“) und steuert die länderübergreifende Kooperation.

Vorwurf der Terrorpropaganda

Anadolu berichtete am Donnerstagabend, die Staatsanwaltschaft in Diyarbakir ermittle gegen Dündar wegen des Vorwurfs der Terrorpropaganda. Da Dündar nicht an seiner Adresse in der Türkei angetroffen worden sei, habe die Staatsanwaltschaft den Antrag für eine „Red Notice“ bei Interpol an das Generaldirektorat für Internationales Recht des Justizministeriums übermittelt.

Grundlage für die Ermittlungen sei eine Rede Dündars bei einer Konferenz im April 2016 in Diyarbakir, bei der er Methoden der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK als legitim dargestellt haben soll, hieß es. Dündar lebt seit vergangenem Jahr in Berlin.

Unabhängig von den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft in Diyarbakir laufen in der Türkei Verfahren wegen Terrorvorwürfen, bei denen Dündar mitangeklagt ist. Bereits im Mai vergangenen Jahres war Dündar zu fünf Jahren und zehn Monaten Haft wegen Geheimnisverrats verurteilt worden. Dündar legte Revision ein. Von einer anschließenden Europareise kehrte er nicht in die Türkei zurück.

Can Dündar selber war zunächst nicht erreichbar. Seine Ehefrau Dilek Dündar - der die Behörden die Ausreise aus der Türkei nicht erlauben - sagte der dpa zu den Vorwürfen: „Das ist absurd.“ Can Dündar schrieb am Donnerstagabend auf Twitter: „Was für ein Tag: Morgens Kandidatur für den Friedensnobelpreis, abends Suchbefehl per roter Notiz.“ Das Friedensforschungsinstitut Oslo (PRIO) hatte „Cumhuriyet“ und Dündar als mögliche Kandidaten für den Friedensnobelpreis genannt, dessen Träger am Freitag kommender Woche verkündet werden. (dpa)

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