Umstrittener Russe kandidiert : Zerreißprobe bei Interpol wegen Wahl des neuen Chefs

Nach dem Rücktritt des Präsidenten sucht Interpol einen neuen Präsidenten. Gegen den Favoriten Prokoptschuk gibt es Kritik - auch aus Deutschland.

ARCHIV - The Interpol logo on the side of the Interpol Global Complex for Innovation building (IGCI) in Singapore, 14 April 2015. EPA/WALLACE WOON (zu dpa Die europäische Polizeibehörde Europol vom 30.09.2015) +++(c) dpa - Bildfunk+++ |
ARCHIV - The Interpol logo on the side of the Interpol Global Complex for Innovation building (IGCI) in Singapore, 14 April 2015....Foto: picture alliance / dpa

Dem weltweiten Polizeiverbund Interpol droht ein schwerer Konflikt. Anlass ist die Kandidatur des umstrittenen Vizechefs Alexander Prokoptschuk, einst Generalmajor im russischen Innenministerium, für den Posten des Präsidenten. Prokoptschuk soll in seiner Zeit als Leiter des Interpol-Büros in Russland viele „Red-Notice“-Ersuchen um Festnahme politischer Flüchtlinge aus Russland und der Ukraine verschickt haben.

Bei der Generalversammlung von Interpol in Dubai werden die Mitgliedsstaaten diesen Mittwoch den neuen Leiter wählen. Weiterer Kandidat ist Übergangspräsident Kim Jong Yang aus Südkorea. Er übernahm die Leitung von Interpol, nachdem Präsident Meng Hongwei in China festgesetzt und zum Rücktritt gezwungen wurde.

Die Ukraine droht mit dem Ausstieg aus Interpol

Prokoptschuk gilt als Favorit, trotz oder gerade wegen seiner Nähe zum Regime des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Die Ukraine droht mit dem Ausstieg aus Interpol. Aber auch in Deutschland wird gewarnt. Für die bei Interpol notwendige Stärkung des Austauschs sensibler Daten zu Terror und Migrationsströmen sei die Seriosität des Präsidenten entscheidend, sagte der Obmann der Unionsfraktion im Innenausschuss des Bundestages, Armin Schuster (CDU), dem Tagesspiegel. Das spreche „eindeutig nicht für den russischen Kandidaten“.

Alexander Prokoptschuk ist im Polizeiverbund umstritten.
Alexander Prokoptschuk ist im Polizeiverbund umstritten.Foto: imago/Itar-Tass

Der Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, Sebastian Fiedler, wandte sich indirekt ebenfalls gegen Prokoptschuk. Bei Interpol müsse „das teilweise erschütterte Vertrauensverhältnis aufgrund missbräuchlicher Red Notices schnellstmöglich wiederhergestellt werden“, sagte Fiedler. Das gelinge am ehesten mit einem Präsidenten, „der aus einem anerkannt demokratischen Rechtsstaat kommt“. Die Bundesregierung wollte angesichts der geheimen Abstimmung nicht sagen, für welchen Kandidaten sie sich entscheidet.

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