Verkehrssicherheit : Schluss mit dem Führerschein für die Ewigkeit

Der Straßenverkehr wird ständig komplexer, aber die Befähigung zur Teilnahme daran erwirbt man sich mit genau einer Prüfung. Richtiger wären regelmäßige Nachprüfungen. Ein Kommentar.

Eine Seniorin am Steuer (Symbolbild)
Eine Seniorin am Steuer (Symbolbild)Foto: Alexander Körner/dpa

Ein Projekt macht gerade empirisch nachvollziehbar, dass in Berlin viele Autofahrer den gebotenen Überholabstand zu Radfahrern von 1,50 bis zwei Metern nicht einhalten. Es heißt Radmesser, auch der Tagesspiegel ist daran beteiligt und stattet Radfahrer mit einem Abstandssensor aus, der während ihrer Fahrt die Distanzen der vorbeirauschenden Autos und Lkws misst. Bei der Radmesser-Premierenfahrt haben von 123 überholenden Fahrzeugen 41 Prozent zu knapp überholt, am meisten gedrängelt wurde an Baustellen und nach Ampeln.

Die Fahrer handelten, das darf man wohl unterstellen, nicht aus böser Absicht. Sie handelten aus Gedankenlosigkeit oder Unwissenheit. Und dagegen lässt sich etwas unternehmen: Das System Führerschein muss verändert werden. Dass man einmal eine Prüfung macht und damit den Rest seines Lebens die Erlaubnis zum Fahren hat, ist angesichts der immer höheren Verkehrsdichte und der damit wachsenden Herausforderungen nicht haltbar. Es braucht regelmäßige Nachprüfungen. Verbindlich und für jeden.

Seit 2013 werden Führerscheine nur noch auf Zeit ausgestellt. Alle 15 Jahre müssen sie erneuert werden – allerdings vor allem, um die Dokumente selbst zu aktualisieren. Nachfragen zur Verkehrsregelsicherheit gibt es dabei nicht. Auch die Erste-Hilfe-Kenntnisse stehen nicht zur Debatte. Eine moderne Führerscheinregelung könnte die Dokumentenerneuerung mit einem Update zu Verkehrsregeln, einem Kurztest über die grundlegenden Fragen, einem Gesundheitscheck und einem Erste-Hilfe-Kurs verknüpfen. Denn auch was man dort lernt, ist schnell vergessen – im Fall eines Unfalls aber möglicherweise lebensrettend.

Erste-Hilfe-Kenntnisse gehören ebenfalls aufgefrischt

Die brandenburgische Polizei hat im Juli erst das Hilfsverhalten der lokalen Autofahrer getestet: Die Beamten haben an einer Landstraße einen Unfall inszeniert und gezählt, wer anhielt, um zu helfen. Nur jeder zehnte Fahrer. Die Beamten, die mit deutlich mehr gerechnet hatten, machten für das magere Ergebnis Unwissenheit und daraus resultierende Unsicherheit verantwortlich. Eine regelmäßige Auffrischung der Erste-Hilfe-Kenntnisse könnte da vielleicht schon Abhilfe schaffen – und ist kaum zu viel verlangt. Wie es so schön heißt: Es steigt damit auch die Chance, dass einem selbst in Notlagen kompetent geholfen wird.

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Mit regelmäßigen Nachprüfungen für alle Führerscheinbesitzer könnte man auch die Empörung derjenigen umgehen, die sich von der Idee regelmäßiger Hör- und Sehtests ab einem gewissen Alter diskriminiert fühlen. Wenn alle immer wieder nachgeprüft werden, wird niemand benachteiligt.

Die Frage, was mit denjenigen geschieht, die bei den Nachprüfungen wiederholt durchfallen, ist da schon schwieriger zu beantworten. Sie würden ihre Fahrerlaubnis verlieren. Brutal? Aber ist es nicht viel brutaler, Leute ans Steuer zu lassen, die sich mit den Verkehrsregeln nicht auskennen und damit wenn nicht das Leben, so zumindest das Sicherheitsgefühl ihrer Mitmenschen gefährden? Mit wem hat man hier eigentlich Mitleid?

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