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Kardinal Rainer Maria Woelki hat sich nach Missbrauchsuntersuchungen eine Auszeit genommen.
© Marcel Kusch/dpa

Kölner Kardinal in Auszeit: Widerstand im Erzbistum gegen Woelki

Kardinal Woelkis Auszeit nach Missbrauchsuntersuchungen geht zu Ende. Eine Mehrheit der Katholiken in Köln ist gegen seine Rückkehr.

Die Nachricht aus der Evangelischen Kirche im Rheinland sorgte für Überraschung. Vor wenigen Tagen erst hatte die Landeskirche zu einem ökumenischen Gottesdienst zur Passionszeit in die Düsseldorfer Johanneskirche eingeladen. Am Sonnabend wurde der Termin noch einmal verändert.

Statt des katholischen Erzbischofs von Köln, Rainer Maria Woelki, soll nun der derzeitige apostolische Administrator, Weihbischof Rolf Steinhäuser, die Predigt auf der wichtigsten Kanzel der rheinischen Protestanten halten. Woelki habe Steinhäuser um diese Vertretung gebeten, teilten die rheinischen Protestanten mit.

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Das öffnet Raum für Spekulationen: Ist die Vertretungsbitte vielleicht doch ein Zeichen dafür, dass Woelki nicht als Erzbischof von Köln zurückkehren wird? Oder ist sie eher ein Zeichen dafür, dass es der umstrittene Kardinal nach seiner Rückkehr ruhig angehen will? Oder wird es gar einen vom Papst ernannten Koadjutor geben, der Teile von Woelkis Amtsgeschäften übernimmt und das Erzbistum nach außen vertritt?

Rückkehr ist für den 2. März vorgesehen

Genaues dazu wird man wohl erst am 2. März wissen. Für diesen Tag, den Aschermittwoch, hat Kardinal Woelki die Rückkehr aus der Auszeit angekündigt, die er nach der Veröffentlichung des Kölner Missbrauchsgutachtens und der Kritik an seinem Umgang damit selbst gewählt hatte.

Im Kölner Dom will er um 11 Uhr die Heilige Messe zum „Aschermittwoch der Künstler“ feiern. Mit geweihter Asche wird den Gottesdienstbesuchern an diesem Tag ein Kreuz auf die Stirn gezeichnet – als Symbol der Vergänglichkeit, aber auch des Neuaufbruchs. Nach der Messe im Dom hat die Kölner Künstlerseelsorge auch einen „Empfang des Erzbischofs“ auf ihrer Website angekündigt.

Mehrheit der Kirchenmitglieder gegen Woelki

Am Freitag veröffentlichte der „Kölner Stadt-Anzeiger“ eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa. 82 Prozent der Kirchenmitglieder im Erzbistum Köln sind demnach der Ansicht, der Papst solle Woelki jetzt absetzen. 92 Prozent meinen, Woelki hätte von sich aus Konsequenzen ziehen sollen und zurücktreten müssen.

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Eine Wiederaufnahme der Amtsgeschäfte befürworten nur elf Prozent der Katholiken im Erzbistum und 23 Prozent der regelmäßigen Kirchgänger. Gemessen daran, dass die Auszeit des Kardinals eigentlich der Heilung der Verwerfungen im Erzbistum dienen sollte, sind diese Werte katastrophal.

In Rom dürften sie wahrgenommen werden, denn der apostolische Administrator Steinhäuser und die Berliner Nuntiatur berichten dem Vatikan über die Situation im Erzbistum.

Einer der prominentesten Vertreter der katholischen Kirche in Europa, der Luxemburger Kardinal Jean-Claude Hollerich, hatte denn auch erst kürzlich im Gespräch mit dem Tagesspiegel erklärt, dass er an Stelle Woelkis nicht mehr nach Köln zurückkehren würde. „Es scheint ja so zu sein, dass er in seinem Bistum bei einer großen Mehrheit nicht mehr willkommen ist.“

Der Kölner Weihbischof Rolf Steinhäuser ist derzeit der apostolische Administrator.
Der Kölner Weihbischof Rolf Steinhäuser ist derzeit der apostolische Administrator.
© imago images/Horst Galuschka

Auch die kirchenkritische Laienorganisation „Wir sind Kirche“ wurde am Freitag deutlich: „Wenn überhaupt, dann wäre eine Rückkehr nur nach einer Anhörung der Gremien und einer Befragung der Katholikinnen und Katholiken im Erzbistum denkbar“, hieß es in einer Pressemitteilung.

„Denn sonst werden die Kirchenaustrittszahlen weiter ansteigen, weil die Menschen dies als einzige Möglichkeit des Protestes sehen.“

Kritiker des Kardinals gibt es viele

Zudem sei die Landesregierung von NRW anzuhören, denn gemäß dem Konkordat habe Woelki dem Land einen Treueeid geleistet. Nun sei zu prüfen, ob dieser Eid nicht vielfach durch das erzbischöfliche Agieren im Rahmen der Missbrauchskatastrophe gebrochen wurde.

„Nicht zuletzt ist die Staatsanwaltschaft gefordert, das Verhalten Verantwortlicher in der Kölner Kirchenleitung in Bezug auf unterlassene Hilfeleistung zur Vermeidung weiterer Opfer wie jüngst im Fall des Pfarrers U. grundsätzlich zu untersuchen.“

Kritiker einer Rückkehr des Kardinals gibt es viele. Stimmen, die sich lautstark und öffentlich für eine Rückkehr des Kardinals aussprachen, waren dagegen in den letzten Wochen nicht vernehmbar.

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