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Presseschau: "Wulff - Der leidenschaftslose Republikaner"

Die Drohanrufe bei der "Bild-"Zeitung von Bundespräsident Christian Wulff beschäftigen die Kommentatoren. Und ihr Urteil ist eindeutig: Er kann es nicht.

Die Süddeutsche Zeitung geht hart mit Bundespräsident Christian Wulff ins Gericht. Sein dreistes und gleichzeitig naives Vorgehen in der Kreditaffäre zeige, dass das Amt zu groß für ihn sei. Wulff habe sich von Anfang an falsch verhalten. Statt sofort alle Tatsachen auf den Tisch zu legen, bleibe er auf immer neue Fragen Antworten schuldig. Im Falle der Drohung, die Wulff beim Chefredakteur der Bild-Zeitung auf dem Anrufbeantworter hinterließ, um zu verhindern, dass Details zu seinem Hauskredit bekannt werden, habe er sich wie der Landrat von Osnabrück und nicht wie ein Staatsoberhaupt verhalten.

Noch vor Weihnachten habe Wulff das hohe Gut der Pressefreiheit gerühmt. Mit seinem Anruf habe er aber gerade die freie Berichterstattung verhindern wollen. „Ein Mann, der die Pressefreiheit im Munde führt, sie aber nicht respektiert, ist ein falscher Präsident“, bilanziert das Blatt.

Auch die Wirtschaftswoche zeigt sich empört über den Umgang von Christian Wulff mit der Wahrheit. Der Versuch, missliebige Recherchen mit Druck und Drohung zu unterbinden, sei eine „neue Qualität“. Doch wie ist dies an die Öffentlichkeit gelangt? Nach Meinung des Magazins kämen zwei Quellen in Frage, die den Wortlaut von Wulffs Anruf bei Kai Diekmann kannten: Der Bild-Chef selber oder ehemaliger Wulff-Sprecher Olaf Glaeseker.

Im ersten Falle würde die bedeuten, dass der Bundespräsident nun im Hause Springer zum Abschuss freigegeben sei. Andernfalls könne sich Wulff nicht mehr auf die Verschwiegenheit seines langjährigen Vertrauten verlassen, weil sich dieser vielleicht für seine Entlassung rächen wolle – es sei weiterhin unklar, ob Glaeseker freiwillig gegangen sei. Wulffs Versuch, die Medien einzuschüchtern, zeige, dass ihm das Gespür für richtig und falsch, Cleverness und Nervenstärke, fehlten.

Christian Wulff ist gar kein Bundespräsident und war es nie, poltert das Magazin Focus. Der Niedersachse sei nicht nur ein „leidenschaftsloser Republikaner“, sondern habe auch ein lockeres Verhältnis zur Wahrheit. Selbst in seiner Stellungnahme vom 15. Dezember zu seinem Hauskredit habe er wohl etwas geflunkert. In seiner Weihnachtsansprache habe er das Bild eines vorlesenden Vaters bemüht, um sich ins rechte Licht zu rücken. Doch das Auftrittsrecht als „Volkspädagoge“ habe er nun verwirkt. Damit falle jedoch auch sein Amt komplett von ihm ab. Schließlich habe er es nie vermocht, es mit etwas anderem als sich selbst zu füllen.

Gewiss werde bald eine neue Enthüllung lanciert werden, über ein neues Finanzierungsmodell oder eine Ferienreise. „Dann wird Christian Wulff mit starrem Blick und übermüdeten Augen vor die Kameras treten und das „Kesseltreiben“ gegen seine Familie beklagen“, schreibt das Magazin. Und vielleicht werde er den Raum dann nicht mehr in jener Funktion verlassen, in der er ihn betreten hat.

Diese Presseschau ist zuerst erschienen bei Handelsblattt.com.

Maxim Kireev

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