Zehn Jahre Nobelpreis für Barack Obama : Der damalige US-Präsident hat Recht behalten

Frisch als US-Präsident gekürt, erhielt er 2009 den Friedensnobelpreis. Obamas Rede damals ging in die Glieder, und sie stimmt noch heute. Ein Kommentar.

Barack Obama
Barack ObamaFoto: Christof STACHE/AFP

Wie die Zeit vergeht. Vor zehn Jahren erhielt Barack Obama, damals Amerikas Präsident, den Friedensnobelpreis und hielt in Oslo eine Dankesrede, die den Zuhörern zwar nicht das Mark in den Knochen gefrieren ließ, ihnen aber in die Glieder fuhr.

Denn er sprach – vom Krieg. Es ging um diese Formulierung einer Zwangsläufigkeit: Im Angesicht des Bösen gilt es manchmal, Krieg zu führen – doch zugleich nach Frieden zu streben, als Geschichte menschlichen Fortschritts, als Hoffnung der Welt, als Herausforderung, die „wir auf dieser Welt“ bewältigen müssen.

Und, wo stehen wir auf dieser Welt heute? Jedenfalls nicht besser da. Gewaltlosigkeit, das Diktum anderer Friedensnobelpreisträger, hat immer noch nicht gewonnen. Zivilisation und Gewalt sind immer noch die gegensätzlichen Konzepte, als die sie Martin Luther King vor Jahrzehnten in einem vorigen Jahrhundert gebrandmarkt hat.

Zivilisierter sind wir augenscheinlich nicht geworden. Schauen wir uns um. Allein Deutschland hat gut 3300 Soldaten im Auslandseinsatz, die helfen sollen, Konflikte einzudämmen.

Obama hat Recht behalten. Er drängte, als erstes die „harte Wahrheit anzuerkennen, dass wir gewaltsame Konflikte zu unseren Lebzeiten nicht ausrotten werden“. Zu sagen, dass Gewalt manchmal notwendig sei, „ist keine Aufforderung zum Zynismus – es ist eine Erkenntnis der Geschichte, der Unperfektheit des Menschen und der Grenzen der Vernunft“.

[Den Friedensnobelpreis 2019 erhielt Abiy Ahmed. Lesen Sie hier ein Porträt des äthiopischen Präsidenten.]

Das zu hören mutete er den Zuhörern zu – aber auch, dass „Gewalt schrittweise durch Institutionen eingedämmt“ werden sollte, ja doch eigentlich muss, um immerhin der Vernunft keine Grenzen zu setzen, wie Obama damit wohl meinte.

Heute regiert ein anderer Präsident

Vor zehn Jahren war das. Heute regiert ein anderer Präsident Amerika, Donald Trump. Der dämmt die Wirkung von Institutionen immer weiter ein und erschüttert sie immer wieder in ihren Grundfesten.

Aber Trump täuscht sich, wenn er denkt, dass sich das Böse anders besser bekämpfen, beherrschen ließe. Denn er gefährdet so die Chance der Welt auf menschlichen Fortschritt. Seine Ignoranz erhöht das Risiko. Das trifft die Welt ins Mark. Dieser Präsident wird kein Nobelpreisträger.

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