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Schauriger Fall. Polizisten fanden die Leiche des Piratenpolitikers Gerwald Claus-Brunner am Montag in seiner Steglitzer Wohnung. Dort wurde auch ein zweiter Leichnam entdeckt – möglicherweise ein Opfer Claus-Brunners.

© Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Brandenburg: Dramatische Wendung

Der Berliner Piratenpolitiker Gerwald Claus-Brunner hat möglicherweise einen Mann umgebracht

Von Sabine Beikler

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Berlin - Im Fall des Berliner Piratenpolitikers Gerwald Claus-Brunner hat es am Dienstag eine dramatische Wendung gegeben: Möglicherweise hat der 44-Jährige einen anderen Mann getötet, bevor er sich selbst das Leben nahm. Der Leichnam Claus-Brunners, Mitglied der am Sonntag abgewählten Piraten-Fraktion im Abgeordnetenhaus, und der eines anderen Mannes waren am Montagnachmittag in Brunners Wohnung in der Schönhauser Straße in Steglitz gefunden worden.

Am Dienstagmittag lagen die Obduktionsergebnisse vor. Sicher ist laut Polizei, dass Claus-Brunner sich das Leben genommen hat – nach Informationen aus Polizeikreisen durch einen Stromschlag. Den Zeitpunkt nennt die Polizei aber nicht. Der andere Mann, zu dessen Identität die Polizei keine weiteren Angaben macht, soll jedoch durch Einwirkung „stumpfer Gewalt gegen den Oberkörper“ ums Leben gekommen sein. Laut Informationen dieser Zeitung soll der Mann 1987 geboren sein. Wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner, sagte, hat das Opfer in der Vergangenheit Stalkingvorwürfe gegen den Piratenpolitiker erhoben. Der Mann soll den Ermittlungen zufolge einige Tage vor Claus-Brunner ums Leben gekommen sein. Einen genauen Zeitpunkt nennen die Ermittler nicht.

Die beiden Leichname lagen Steltners Angaben zufolge in zwei verschiedenen Räumen. Die Untersuchungen in der Wohnung ergaben aber, dass das Opfer nicht dort ums Leben gekommen ist. Die Ermittler gehen davon aus, dass der Mann bei sich zu Hause umgebracht und die Leiche dann von Claus-Brunner in dessen Wohnung transportiert wurde.

Es gibt laut Staatsanwaltschaft keine Hinweise darauf, dass Claus-Brunner unheilbar krank war, wie die Piraten in einer Pressemitteilung am Montag geschrieben hatten. Am Montagvormittag soll laut dem Vorsitzenden der Berliner Piraten, Bruno Kramm, ein Abschiedsbrief Claus-Brunners in einem Parteibüro angekommen sein. Ein Mitarbeiter habe den Brief geöffnet und die Polizei alarmiert.

Noch vor Bekanntwerden der Mordvorwürfe hatte sich Kramm betroffen geäußert. Er stehe in Kontakt mit Brunners Bruder in den USA, um ein mögliches öffentliches Begräbnis vorzubereiten. „Parteimitglieder aus ganz Deutschland haben mich kontaktiert, weil sie sich persönlich von Faxe verabschieden wollten“, sagte Kramm. „Faxe“ war der Spitzname Claus-Brunners. Bereits am Montagabend hatten Claus-Brunners alte Parteifreunde zu einer Trauerfeier vor seinem Bürgerbüro in Steglitz aufgerufen. „Obwohl wir die Einladung spontan verschickt haben, sind viele Menschen gekommen, haben getrauert und sich an die gemeinsame Zeit mit Faxe erinnert“, sagte Kramm. Zu den dramatischen neuen Informationen wollte sich Kramm anschließend nicht mehr äußern. Er sagte dann aber noch, dass er davon ausgegangen sei, dass es sich bei dem zweiten Toten um Claus-Brunners ehemaligen Lebensgefährten handle. Sicher wisse er dies allerdings nicht.

Gerwald Claus-Brunner war mit der Piratenfraktion im Herbst 2011 ins Abgeordnetenhaus eingezogen; der Öffentlichkeit war er vor allem durch seine Erscheinung – große, kräftige Statur, Latzhose und Palästinensertuch um den Kopf – aufgefallen. Er eckte wiederholt in seiner Fraktion an und war zunehmend isoliert. Schon im Oktober 2014 rügte die Fraktion das Verhalten von Claus-Brunner auf öffentlichen Kanälen. „Dort getroffene Aussagen über die Fraktion, ihre Angehörigen und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind unwahr und waren sowohl für die Fraktion als auch die im Einzelnen angesprochenen Personen beleidigend und herabwürdigend“, hieß es. Claus-Brunner hatte danach die Fraktion verklagt. Im Januar versuchten einige Mitglieder, Claus-Brunner aus der Fraktion auszuschließen, scheiterten aber an der benötigten Stimmenzahl.

Als Claus-Brunner bei einer Rede im Juni in Richtung Plenum sagte: „Ihr werdet auch in der laufenden Legislatur für mich am Anfang irgendeiner Plenarsitzung mal aufstehen dürfen und eine Minute stillschweigen“, kam dem Vernehmen nach Sozialsenator Mario Czaja (CDU) zu den Piraten und bot seine Hilfe an. Auch Parlamentspräsident Ralf Wieland (SPD) soll anschließend gefragt haben, ob man helfen könne. Fraktionskollegen sollen ebenfalls mit Claus-Brunner gesprochen haben. Hilfe soll er aber abgelehnt haben. S. Beikler, S. Kneist, F. Hackenbruch

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