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Brandenburg: Zahl der Bedürftigen nimmt zu

Tafel-Vereine versorgen immer mehr Brandenburger mit Lebensmitteln

Stand:

Potsdam - Immer mehr Brandenburger erhalten Lebensmittel von den so genannten Tafeln. Die Vereine sammeln bei Händlern Lebensmittel und geben sie meist für einen symbolischen Preis an Bedürftige ab. Seit in Kraft treten der Arbeitsmarktreform Hartz IV sei deren Zahl enorm gestiegen, sagte Sabine Werth vom Bundesverband Deutsche Tafel der dpa. Nach ihren Angaben gibt es in Brandenburg zurzeit mehr als 30 Tafeln. Die Einrichtungen sind Ziel von immer mehr Bedürftigen, wie eine dpa-Umfrage bei einigen Tafeln ergab.

„Der Bedarf ist riesig“, sagte Henriette Meier-Ewert von der „Rathenower Tafel“. Menschen aus allen Bevölkerungsschichten versorgten sich in den drei Geschäften des Vereins in Rathenow, Premnitz und Rhinow (alle Havelland) mit Lebensmitteln. „Gefragt ist alles von Milch bis Gemüse“, sagte Meier-Ewert. Bedingung dafür sei jedoch, dass der Nachweis der Bedürftigkeit etwa mittels Arbeitslosengeld-II- oder Rentenbescheids.

Ein solcher Nachweis wird auch bei „Zossener Tafel“ verlangt. Der vom Arbeitslosenverband Jüterbog getragene Laden mit einer Außenstelle in Ludwigsfelde (Teltow-Fläming) versorgt nach Angaben von Mitarbeiterin Karin Lüders an jedem Öffnungstag 80 bis 100 Familien mit Lebensmitteln. Der Bedarf steige, bestätigte sie Erfahrungen aus anderen Orten. Lüders sprach von täglich sechs bis sieben neuen Anträgen auf Hilfe durch die Tafel.

In Spremberg (Spree-Neiße) ist die Zahl der vom Tafelladen versorgten Menschen im Vergleich zu 2004 um etwa 1000 Menschen angestiegen. Bedürftig seien nicht nur Hartz IV-Empfänger, sondern auch Leute deren Gehalt, Rente oder Arbeitslosengeld gering sei, erläuterte eine Sprecherin. Der Laden versorgt derzeit rund 2400 Menschen aus Spremberg und Umgebung mit Lebensmitteln und Dingen des persönlichen Bedarfs. Der Schritt ins Geschäft sei für viele sehr schwer. „Sie müssen sich ihre Bedürftigkeit eingestehen und das Schamgefühl überwinden.“ Auch das Projekt „Domizil“ in Frankfurt (Oder) versorgte wesentlich mehr Bedürftige als im Jahr 2004. Nach Angaben von Leiterin Marlies Mann steuern in der Woche 160 bis 180 Menschen die Einrichtung an. Sie kauften im Tafel-Laden gespendete Lebensmittel zu günstigen Preisen, kämen essen oder ihre Wäsche waschen. „Das Geld ist knapp. Ab dem 25. ist das Portemonnaie leer.“ Nach der Einführung von Hartz IV könnten sich die Betroffenen nicht mehr viel leisten. Mehr Zuspruch als erwartet hat das im Februar 2005 eröffnete Sozialkaufhaus in Frankfurt (Oder) ausgelöst. Er hätte nicht gedacht, dass so viele Bedürftige kommen werden, sagte ein Sprecher. Verkauft würden Bekleidung, Hausrat und Möbel, alles gebrauchte Sachen. „Wir erhalten so viele Spenden, dass die Lagerkapazität bald knapp wird.“ dpa

Internet:

www.tafel.de

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