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Der Erste trifft Nummer 500. Nikolaus Rasch war das erste Baby, das im „Apfelbaum“ zur Welt kam. Er traf am Samstag auf Karla und ihre Mutter Geertje Kretschmann.
© Andreas Klaer

Geburtshaus Babelsberg: 500 Kinder aus dem „Apfelbaum“

Sieben Hebammen bringen im Babelsberger Geburtshaus 50 Kinder pro Jahr auf die Welt. Nun traf der Erstgeborene auf Kind Nummer 500.

Von Steffi Pyanoe

Sie ist das 500. Baby: Karla Gude hat die runde Nummer am Geburtshaus Apfelbaum in Babelsberg vollgemacht. Am Samstagmorgen ist sie dort zur Welt gekommen, 3780 Gramm und 51 Zentimeter – die Zahlen kann Vater Marcus Gude auswendig. Karla ist eine echte Babelsbergerin, sie wohnt mit ihrer Familie gleich um die Ecke.

Diese Nähe war ein Kriterium bei der Auswahl des Geburtsortes, sagt Mutter Geertje Kretschmann, wenngleich ihr vor allem wichtig war, nicht in einer hektischen Klinik zu entbinden. „Ich kannte meine Hebamme schon von den Vorsorgeterminen, die Umgebung war mir vertraut“, sagt Kretschmannn. „Und ich wusste, dass die Hebammen keine unnötigen Eingriffe vornehmen, nur damit es vielleicht schneller geht“, sagt sie.

Für Kretschmann, Studentin an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde, ist es das erste Kind. Für das Geburtshaus ist es das 500., eine Zahl, die Geburtshausgründerin Claudia Krönke ein wenig erstaunt. Als sie im Januar 1999 die Hebammenpraxis in der Tuchmacherstraße eröffnete, sei der Geburtsraum noch nicht fertig gewesen. Im März wurde er dann eingeweiht: mit Baby Nummer eins. Das ist mittlerweile ein Teenager. Für ein Foto mit der kleinen Karla kommt Nikolaus Rasch, geboren am 13. März 1999, nach Babelsberg. „Ich war der Erste, hab ich mir sagen lassen“, sagt er und grinst. Gerade hat er an der Lenné-Gesamtschule seinen 10.-Klasse-Abschluss gemacht. Jetzt kommt das Fachabi, dann will er Erzieher werden. Zu Hause hat er zwei kleine Geschwister, er weiß, worauf er sich einlässt.

Auch für seine Mutter war er das erste Kind, und auch für Steffi Rasch waren die Gründe, sich für ein Geburtshaus zu entscheiden, ähnlich denen von Geertje Kretzschmann: vor allem das Vertrauen zu den Hebammen. Dazu kam ein ganz praktischer Aspekt: Rasch wollte eine Wassergeburt, das aber gab es damals am Bergmann-Klinikum noch nicht. Auch ihr zweites Kind brachte sie im Geburtshaus zur Welt, das dritte musste mit Kaiserschnitt im Krankenhaus entbunden werden.

Beide Frauen machten gute Erfahrungen im Geburtshaus, begegneten aber auch Vorurteilen. Gerade Ärzte äußerten Bedenken: Es sei eben nicht so sicher. „Es wäre egoistisch von mir, schön für mich, möglicherweise gefährlich fürs Kind“, sagt Kretschmann. Dass Ärzte so denken, ist für Claudia Krönke nichts Neues. Kaum einer habe sich in all den Jahren das Geburtshaus mal angesehen. Dabei seien Geburten hier statistisch ebenso sicher wie in einer Klinik. Den Frauen werde nach wie vor keine echte Wahlfreiheit, was den Entbindungsort betrifft, geboten.

„Den Frauen wird weiterhin suggeriert, nur in den großen Krankenhäusern sei man sicher“, sagt Krönke. Allerdings habe sich bei den Krankenkassen das Bewusstsein ein wenig geändert. In den ersten Jahren mussten Eltern die Rufbereitschaft für eine Geburt im Geburtshaus noch komplett selbst zahlen. Mittlerweile erstatten die Kassen diese zum großen Teil. Und zahlen pro Geburt eine Betriebskostenpauschale. „Gabs damals auch nicht“, erinnert sich Krönke. Heute seien zwar die Raten der Haftpflichtversicherung enorm angestiegen, aber derzeit würden die Gebühren mit den Krankenkassen neu verhandelt, die Hebammen versprechen sich darüber einen Ausgleich. Ansonsten sei es durchaus denkbar, dass freiberufliche Kolleginnen, die nur wenige Frauen im Jahr zur Geburt begleiten, aufgeben müssen.

Sieben Hebammen arbeiten derzeit im „Apfelbaum“, etwa 50 Kinder werden hier jedes Jahr geboren, dazu kommen Hausgeburten. Insgesamt kommen in Potsdam etwa 2000 Kinder pro Jahr zur Welt. Seit Kurzem gibt es in der Nauener Vorstadt ein weiteres Geburtshaus. „Der Bedarf ist ja da, gerade im Norden, wo viele junge Familien leben“, sagt Krönke.

Karla Gude bekommt davon am gestrigen Montag wenig mit. Ihre Eltern werden sich jetzt um einen Kitaplatz kümmern müssen, sie ahnen, dass das nicht einfach wird, wenn man sein Kind in der Nachbarschaft unterbringen will. Potsdam gebe sich immer kinderfreundlich, sagt Vater Marcus, aber manches sei doch sehr kompliziert. Weil er noch einen sechsjährigen Sohn hat, der gern Fußball spielt, hat er das jahrelange Gezerre um den Bolzplatz Nowawiese genau verfolgt. Ob Baby Karla nach dem Karl-Liebknecht-Stadion benannt ist? Er lacht. „Ne, aber das ist ne gute Idee!“

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