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Landeshauptstadt: Auf Gummimatten über das Kopfsteinpflaster

Am heutigen Samstag erlebt die Schlössernacht ihre 15. Auflage. Der Aufwand ist enorm. Ein Blick hinter die Kulissen

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Sie transportieren Getränkekisten, Scheinwerfer, Tontechnik, Bühnenteile, Zelte. Die Nord-Süd-Achse des Parks Sanssouci gehört in den Tagen vor dem großen Spektakel ganz dem motorisierten Verkehr. Zwischen Communs und Neuem Palais – dort, wo sich sonst Radfahrer zwischen Touristengruppen hindurchschlängeln – stehen und fahren Fahrzeuge aller Art: Autos, Transporter, und Lastwagen in allen Größen. Mit einem rot-weißen Absperrband und hüfthohen Gittern ist das Mopke-Areal, der gepflasterte Platz vor dem Neuen Palais, für Parkbesucher abgeriegelt. Zutritt hat nur, wer einen Ausweis vorlegen kann. Ronny Kuttner sorgt dafür, dass kein Unbefugter das rege Treiben auf der Mopke stört. Von 8 bis 21 Uhr hat der Sicherheitsmann mit seinen Kollegen ein Auge darauf, wer die Absperrung durchfährt und durchläuft. Touristen wenden sich an ihn, um nach der nächsten Bushaltestelle zu fragen, Potsdamer wollen wissen, wo sie Anwohnerausweise erhalten. „Ein angenehmer Job“, sagt Ronny Kuttner.

Die Vorbereitungen zur 15. Potsdamer Schlössernacht laufen auf Hochtouren. Am heutigen Samstag werden bis zu 33 000 Besucher erwartet, die durch den beleuchteten Park lustwandeln, Theater- und Konzertaufführungen genießen und sich kulinarisch verwöhnen lassen wollen.

Für die Veranstalter ist dieses Großereignis eine logistische Herausforderung. Denn der Aufwand für eine berauschende Nacht im barocken Schlosspark ist enorm: 45 Kilometer Stromkabel werden verlegt, zehn Kilometer Trinkwasserleitung installiert. Damit die Gäste auf beleuchteten Wegen flanieren können, werden 2500 Wegeleuchten aufgestellt. Unzählige Lastwagen karren Paletten mit Getränkekisten heran. Im letzten Jahr wurden in einer Nacht 3200 Flaschen Sekt, 21 500 Liter Bier und 30 000 Flaschen alkoholfreie Getränke ausgeschenkt. 20 große und kleine Bühnen werden aufgebaut, das gesamte kulturelle Programm hat eine Länge von 241 Stunden.

Direkt hinter den Communs wird die große Hauptbühne errichtet. Noch ist lediglich ein Gerüst aus vier Metallträgern mit einem weißen Bühnendach auf halber Höhe zu sehen. Arbeiter tragen Metallteile und Kisten, klettern auf Leitern und Gerüste und montieren die großen Bühnenscheinwerfer an das Bühnengerüst und an die Beleuchtungstürme, die später die historischen Gebäude illuminieren sollen. Am Südende der Mopke entsteht im Inneren eines großen weißen Zelts ein Restaurant. Die Einzelteile von Bar und Tresen sind noch in Kisten verpackt. Aus dem Boden ragen die Schläuche für die Zapfhähne. „Mit ein wenig Fantasie kann man sich vorstellen, dass das später richtig schick aussieht“, sagt Reinhard Mann. Von Baugerüsten und Sperrholzwänden werde bald nichts mehr zu sehen sein, Grünpflanzen und königsblauer Stoff sorgten dann für das richtige Flair, verspricht der Geschäftsführer der Berliner Eventfirma „artecom“, der seit dem Jahr 2002 dafür verantwortlich ist, dass bei der Schlössernacht alles glatt läuft. Gemeinsam mit der Wohlthat Entertainment GmbH bildet artecom die Arbeitsgemeinschaft (Arge) Schlössernacht, die dafür sorgt, dass Catering, Sicherheit, Technik, Logistik, Pressearbeit, Programmplanung, Künstlerbetreuung, Kartenverkauf und vieles mehr gut durchorganisiert sind. Insgesamt sind an den Vorbereitungen und an der Durchführung des Fests etwa 2500 Menschen und 150 Firmen beteiligt.

Ein Großevent im Unesco-Weltkulturerbe – das sei für die Veranstalter eine ganz besondere Herausforderung, gesteht Mann. Zu den Besonderheiten gehört, dass die Vorbereitungen bei laufendem Besucherbetrieb laufen. „Wir können mit einigem Stolz sagen, dass in all den Jahren keine ernsthaften Schäden aufgetreten sind“, sagt der Eventmanager. „Die Zusammenarbeit mit der Schlösserstiftung ist an dieser Stelle sehr intensiv.“

Um das Weltkulturerbe zu schützen, ist eine aufwendige Logistik erforderlich: Nach einem ausgeklügelten Nummernsystem dürfen Transportfahrzeuge nur bestimmte Wege befahren. Auf den empfindlichen Sandwegen werden Getränkekisten, Bänke und sogar Toilettenhäuschen nur mit Sackkarre und Bollerwagen transportiert. Lastkraftwagen mit Getränkekisten fahren auf Gummimatten über historisches Kopfsteinpflaster, damit dieses nicht beschädigt wird. Besucherströme werden in der Schlössernacht dezent geleitet, damit die Vegetation des Parks keinen Schaden nimmt. Sogar Feuerwachen werden auf den Dächern des Neuen Palais positioniert. Die großen Feuerwerke am Ende des Konzerts auf der Mopke am Freitagabend und um Mitternacht am Samstagabend sollen schließlich keinen Brand auslösen.

Die Potsdamer Schlössernacht beschäftigt Reinhart Mann und seine Mitarbeiter lange im Vorfeld. „Wir arbeiten eigentlich das ganz Jahr über an diesem Projekt“, erklärt Mann. Die ersten Programmideen für die nächste Schlössernacht werden bereits im Herbst entwickelt – im Januar muss das Programm stehen, im Dezember beginnt der Vorverkauf der Karten.

Doch auch das schönste Fest ist irgendwann vorbei. Der Abbau von Zelten, Bühnen, Ständen und Technik beginnt bereits am Sonntag in den frühen Morgenstunden. Zur Mittagszeit soll dann kaum noch etwas auf das große Spektakel hinweisen. Und auch die Parkbesucher können dann wieder ohne Barrieren über die Mopke laufen – bis im August 2014 alles wieder von vorn beginnt.

Der Park wird für die Besucher der Schlössernacht am Samstag um 17 Uhr geöffnet. Karten gibt es für 48 Euro noch an den Abendkassen an den Parkeingängen.

Heike Kampe

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