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Landeshauptstadt: Ausweg aus dem Stau

IHK-Studie zu Potsdamer Verkehrsproblemen schlägt Schnellbahn von Golm bis Griebnitzsee vor

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Das Urteil ist eindeutig: Der tägliche Stau gehöre in Potsdam zum Alltag. Versuche einer spürbaren Verbesserung seien gescheitert. So steht es in einer Studie, die die Industrie- und Handelskammer zusammen mit dem Wissenschaftspark Golm erstellt hat. Als Lösung wird eine verstärkte Nutzung bestehender Eisenbahnstrecken für den Nahverkehr durch eine sogenannte City-Schnellbahn gefordert.

Die Studie unter dem Titel „Auswege aus dem Stau“ ist jedoch schon fast vier Jahre alt. Damals habe man sie an alle Stadtfraktionen verschickt, erinnert sich IHK-Sprecher Detlef Gottschling. Reaktionen habe es kaum gegeben. Doch nun ist die SPD im Zuge ihrer Diskussion über ein Nahverkehrskonzept für die Landeshauptstadt auf das Papier gestoßen. „Das geht in eine ähnliche Richtung wie unsere Ideen“, so der Potsdamer SPD-Chef Mike Schubert. Die Partei hatte am vergangenen Wochenende zu dem Thema einen Workshop veranstaltet. Schubert will nun, dass auch die IHK-Vorschläge geprüft werden. In absehbarer Zeit sollen sich die kommunalen Gremien damit befassen.

In der IHK-Studie werden die Fahrtzeiten auf der Eisenbahn, auf der Straße und auf bestehenden oder angenommenen Tramstrecken verglichen. Ergebnis: Die Eisenbahn gewinnt immer. So kommt man beispielsweise in neun Minuten von Golm zum Potsdamer Hauptbahnhof. Der schnellste Linienbus braucht 26 Minuten, eine Tram würde auf einer Strecke über die Maulbeerallee und die Kaiser-Friedrich-Straße 28 Minuten brauchen. Auch mit einem Auto bei freier Fahrt rechnet die Studie mit 17 Minuten Fahrtzeit. Deshalb attestiert die Studie eine Überlegenheit der Eisenbahn gegenüber anderen Verkehrsmitteln. Die Nutzung vorhandener Eisenbahnstrecken sei volkswirtschaftlich äußerst sinnvoll. So würden für den Neubau von Straßenbahnstrecken hohe Investitionen nötig. Für eine Tram durch Eiche nach Golm wird von Kosten zwischen 44 und 49 Millionen Euro ausgegangen. „Die Potsdamer Straßenbahn kann im Vergleich der einfach und vielfältig nutzbaren Eisenbahnstrecken keine Vorteile erzielen“, heißt es in der Studie. Der Nachteil der geringeren Erschließungsdichte der Eisenbahn verliere durch moderne spurtstarke Triebwagen an Bedeutung.

Um das auszunutzen, schlägt die Studie eine sogenannte City-Schnellbahn vor. Diese soll in enger Taktfolge zwischen Golm und Griebnitzsee fahren und zusätzliche Haltepunkte in Potsdam-West und in der Hoffbauerstraße bedienen. Dazu sollen eisenbahntaugliche Stadtbahnen wie in Karlsruhe, Saarbrücken oder Kassel eingesetzt werden. Das war auch der Vorschlag der SPD. Die hatte Direktverbindungen zwischen Umland und Stadt gefordert. „Der Lückenschluss der Netze wäre an den Bahnhöfen Pirschheide und Rehbrücke möglich“, so Schubert. Unterstützung für den SPD-Vorschlag gab es zwischenzeitlich vom Deutschen Bahnkundenverband und von Linke-Kreischef Sascha Krämer. Zurückhaltend hatte hingegen die Potsdamer Stadtverwaltung reagiert. In den vergangenen beiden Jahrzehnten seien bereits verschiedene Regio-Stadtbahn-Modelle von der Stadt, aber auch von privaten Anbietern geprüft und für unrentabel oder zu teuer befunden worden.

IHK-Sprecher Gottschling ist über die späte Aufmerksamkeit für die Studie erfreut. „Wir finden es gut, dass sich die Politik damit befasst“, sagte er. Auch Friedrich Winskowski vom Wissenschaftspark Golm forderte, die vorhandenen Schienenwege intensiver zu nutzen. Die Verkehrsprobleme würden sonst künftig eher zunehmen, weil Potsdam beständig wachse.

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