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PRO & Contra: Darf sich Potsdam ein 40-Millionen-Euro-Bad leisten?

PRO & Contra Ja, Potsdam darf. Denn es ist kein Durchschnitts-Freizeitbad, das da auf dem Brauhausberg entstehen soll.

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PRO & Contra Ja, Potsdam darf. Denn es ist kein Durchschnitts-Freizeitbad, das da auf dem Brauhausberg entstehen soll. Es ist eines, das es weltweit kein zweites Mal geben wird. Selbst wenn die Stadtspitze bisher auf dem Weg zum Niemeyer-Bad vieles eher ungeschickt angegangen ist – einen Architekten vom Kaliber Oscar Niemeyers auszuwählen, hat sie richtig gemacht. Denn nach wie vor gilt: Potsdam hat allein die Pflicht, schön zu sein. Das ist es, was nicht nur Touristen in die Landeshauptstadt zieht – sondern auch Unternehmen und Menschen, die das Einzigartige suchen. Natürlich muss es, wenn 40 Millionen Euro für das Niemeyer-Bad ausgegeben werden, Absicherungen geben. Die Kosten dürfen nicht über diese Summe hinaus explodieren, die Folgekosten in Form der Gelder, die für den Betrieb des Bades ausgegeben werden müssen, dürfen nicht zu Lasten der Stadtkasse gehen. Und nicht zuletzt muss Klarheit darüber erzielt werden, ob die jüngste Ausschreibungen für die Folgearbeiten rechtens war. Sind diese Voraussetzungen erfüllt, sollte die von Niemeyer entworfene Architektur Realität werden. Sie ist eine Investition in die Zukunft der Stadt – denn wer viel wagt, der wird gewinnen.Sabine Schicketanz Der Blick von außen auf ein Projekt wie das Niemeyer-Bad tut manchmal gut. „Steuerzahler müssen sich verwundert die Augen reiben, warum ein Land, das Gelder aus dem Solidarpakt erhält, ein solches Luxusprojekt für fette Jahre bezuschusst“, schrieb am Tag nach der Präsentation des Niemeyer-Bads die Süddeutsche Zeitung. In der Tat ist es kaum zu begreifen, warum sich das Land und die Stadt ein solches Kuppel-Bad leisten wollen, dessen Kosten schon vor dem ersten Spatenstich kaum zu überblicken sind. Wird nicht an anderer Stelle immer nach Zukunftstechnologien gerufen und nach Geldern gebarmt, die in Wissenschaft und Forschung für die Zukunft investiert werden müssen? Und dann soll ein Spaßbad entstehen, dass selbst in seiner Architektur an eines der futuristischen Modelle aus dem DDR-Klassiker „Weltall – Erde – Mensch“ erinnert? Die Brandenburger außerhalb der Landeshauptstadt dürfen sich da zurecht fragen, warum sie auf Förderung verzichten sollen und Potsdam so viele Euros bekommt. Die Stadtoberen müssen aufpassen, nicht die Bodenhaftung zu verlieren – und sollten wegen der verherrenden Außenwirklung einmal verzichten können. Henri Kramer

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