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Die Bewohner:innen der Wagenhausburg Hermannswerder sind auf ein neues Gelände umgezogen.
© Andreas Klaer

Alternatives Wohnprojekt auf Hermannswerder: Das Ende eines langen Kampfes

Die Wagenhausburg Hermannswerder ist umgezogen. Für die Bewohner:innen endet damit der jahrelange Kampf um den Verbleib auf der Insel. Sie haben nun Sicherheit bis 2049.

Potsdam - Seit fast 15 Jahren haben die Bewohner:innen der Wagenhausburg auf Hermannswerder um ihr Bleiben auf der Insel gekämpft - jetzt steht der Umzug vor dem Abschluss. Im Juli wurde auf dem alten Grundstück am Fähranleger Abschiedsparty gefeiert, bis Ende August muss das Domizil geräumt sein. Das neue liegt nur ein paar Schritte entfernt, drei Hausnummern weiter an der Tornowstraße 35. Die zehn Hauswagen unterschiedlicher Größe stehen bereits am neuen Standort, im größeren der beiden Gebäude auf dem Gelände wird noch gewerkelt, riecht es nach Holzspänen und Farbe.

Der neue Mietvertrag gilt bis mindestens 2049

Viel Arbeit liegt hinter den Bewohner:innen des im Jahr 2000 gegründeten alternativen Wohnprojektes. Und einiges auch noch vor ihnen: Die Beerenbüsche müssen noch umgesetzt werden, der Umzug der Bewohner:innen des festen Hauses über die Bühne gebracht und der Schallschutz zur Straße hin verbessert werden, zählt Bewohnerin Johanne Hoppe vom Trägerverein FairWiese auf. Im nächsten Frühjahr soll das Gelände dann weiter ergrünen: Auf den Boden, der in der Sonne staubtrocken geworden ist, sollen Gras und Bäume, die irgendwann Schatten spenden. Trotzdem ist der wichtigste Schritt endlich geschafft. "Wir freuen uns", sagt Johanne Hoppe.

Blick auf der neue Gelände der Wagenhausburg des Vereins FairWiese auf Herrmannswerder.
Blick auf der neue Gelände der Wagenhausburg des Vereins FairWiese auf Herrmannswerder.
© Andreas Klaer

Mindestens bis 2049 haben die Wagenhäusler jetzt Sicherheit: So lange gilt der Mietvertrag, auf den sich der FairWiese-Verein mit der Stadt geeinigt hat, berichtet die promovierte Filmhistorikerin. 14 Erwachsene und fünf Kinder zählt die Wagenhausburg momentan, auch eine aus der Ukraine geflüchtete Familie ist derzeit bei ihnen untergekommen. Weil es für die Wagen jetzt eine richtige Baugenehmigung gibt, mussten sie in genau vorgeschriebenen Abständen zueinander aufgestellt werden - deswegen stehen sie nun nicht mehr im Kreis wie auf dem alten Grundstück, sondern versetzt.

Der Ausbau des Gebäudes wurde über private Direktkredite finanziert

Dass es seit der Unterzeichnung des Vertrages noch einmal drei Jahre bis zum Umzug gedauert hat, hat mit Baupfusch zu tun, den die Bewohner nicht zu verantworten haben. Wie berichtet hatte es nach einem Starkregen im Frühjahr 2020 einen Wasserschaden gegeben. Ursache waren fehlerhaft eingebaute Dachfenster. Auftraggeberin für das verantwortliche Bauunternehmen war die Stadt. "Wir hatten einen Baustopp - gut ein Jahr lang ist nichts passiert", erzählt Johanne Hoppe. Erst im vergangenen Sommer konnten die Bewohner:innen weitermachen.

Johanne Hoppe und Hartwig Remmers zählen zu den rund 20 Bewohnern.
Johanne Hoppe und Hartwig Remmers zählen zu den rund 20 Bewohnern.
© Andreas Klaer

Den Innenausbau finanzieren die Wagenhäusler selbst - über Direktkredite an den Verein aus dem privaten Kreis von Familie und Freunden. So viel wie möglich sei in Eigenleistung erledigt worden. Gerade beim Umzug hätten zudem viele Bekannte und Freunde geholfen, berichtet Johanne Hoppe: "Es gab eine breite Solidarität, dafür sind wir sehr dankbar." Im Rahmen der Sanierung war unter anderem auch eine Schadstoffsanierung der Dachkonstruktion nötig geworden, mit der die Wagenhäusler eine Fachfirma beauftragten.

Auf das alte Grundstück am Ufer soll Wohnbebauung

Im großen Haus, in dem sich vorher nur eine Art hallenartiger Raum befand, sind nun kleine Zimmer zum Wohnen entstanden, durch Zwischendecken in Holz wird mehr Platz geschaffen. Außerdem sind im großen Haus Toiletten und Duschen untergebracht. Im kleineren Haus sollen künftig Veranstaltungen stattfinden, es gibt auch eine Küche. Eine weitere Küche befindet sich in einem auf Vordermann gebrachten Gartenschuppen.

In das Bestandsgebäude wurden Unterkünfte und Sanitäranlagen gebaut - der Umzug verzögerte sich wegen Baupfuschs.
In das Bestandsgebäude wurden Unterkünfte und Sanitäranlagen gebaut - der Umzug verzögerte sich wegen Baupfuschs.
© Andreas Klaer

Der Umzug der Wagenhausburg war nötig geworden, weil die Stadt das seit 2000 genutzte Ufergrundstück gemeinsam mit umliegenden Grundstücken verkaufen wollte. Die Bewohner:innen hatten erstmals 2010 auf den Konflikt, der damals schon einige Zeit schwelte, öffentlich aufmerksam gemacht. Der Kampf um eine Lösung hatte seitdem auch die Stadtpolitik mehrfach beschäftigt. 2019 ist der Mietvertrag für die neue Adresse unterzeichnet worden.

Konkretere Pläne für das alte Wagenhaus-Grundstück gibt es unterdessen noch nicht. Wie ein Stadtsprecher auf PNN-Anfrage erklärte, habe sich "an der langfristigen Planung, den betreffenden Bereich für den Wohnungsbau zu aktivieren", nichts geändert. Das Grundstück befindet sich laut Stadt nicht im Geltungsbereich des Bebauungsplans 176 für Hermannswerder, der momentan erarbeitet wird und an dem es unter anderem Kritik vom Naturschutzverband BUND gibt.

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