Landeshauptstadt: Die (fast) Allwissende
Conny Losansky bescheinigt ihrem Chef einen Hang zum schwarzen Humor
Stand:
Wie trinkt Ihr Chef seinen Kaffee?
Schwarz, nicht zu stark und aus einem großen Becher.
Was für eine Art Chef ist Friedhelm Schatz?
Er ist menschlich, aber auch sehr erhaben. Er ist extrem humorvoll, mit einem Hang zum schwarzen Humor. Er ist ein Visionär und ein Fan vom Termineverschieben, was es nicht immer leicht macht. Er ist kollegial, aber auch autoritär – manchmal kommt er mir vor wie ein Monarch.
Wie bedankt er sich bei Ihnen für besondere Einsätze, zum Beispiel Überstunden?
Schon im voraus, wenn er mich höflich und zuvorkommend bittet, eine Extra-Aufgabe zu übernehmen.
Charakterisieren Sie ihn als Mensch.
Friedhelm Schatz ist ein Familienmensch, der immer auch Verständnis dafür hat, wenn einer seiner Mitarbeiter wegen einer familiären Angelegenheit ausfällt. Er kann gut zuhören, ist ruhig und ausgleichend, lässt sich nicht verbiegen. In den Jahren, in denen ich ihn kenne, ist er sich sehr treu geblieben.
Woran erkennen Sie, dass Ihr Chef schlechte Laune hat?
An seinem Blick. Und wenn er morgens ins Büro kommt, kaum etwas sagt und das „Guten Morgen“ nur wenig verständlich über die Lippen bringt.
Duzen oder siezen Sie Ihren Chef?
Im täglichen Umgang duzen wir uns. Bei offiziellen Terminen aber sage ich Sie und Herr Schatz zu ihm. Er hat mich nicht darum gebeten, aber ich bin da noch ein bisschen von der alten Schule.
Skizzieren Sie einmal kurz Ihr Arbeitsfeld. Was fällt alles in Ihren Aufgabenbereich?
Hauptsächlich führe ich inhaltliche sowie koordinierende beziehungsweise steuernde Tätigkeiten innerhalb verschiedener Projekte durch. Dazu gehören unter anderen Renaturierungsmaßnahmen und der Bebauungsplan der Medienstadt Babelsberg; das ist äußerst interessant und vielschichtig. Selbstverständlich erledige ich auch gängige Sekretariatsarbeiten.
Wie viele Anrufe bekommen Sie täglich?
Wenn Friedhelm Schatz da ist, klingelt das Telefon 40- bis 50-mal am Tag. Und als ob es die Anrufer wüssten, ist es ruhig, wenn er nicht da ist.
Welche berühmten Persönlichkeiten hatten Sie schon in der Leitung?
Zuletzt Gojko Mitic. Matthias Platzeck, Jann Jakobs sowie die Chefs verschiedener Produktionsfirmen, von Studio Babelsberg und dem RBB. Und auf dem Filmparkgelände hatten wir auch schon Johannes Rau während seiner Amtszeit als Bundespräsidenten zu Gast. Sowie den ehemaligen Außenminister Dietrich Genscher mit Familie, die ganz begeistert war.
Was muss ein Anrufer auf dem Herzen haben, damit Sie ihn sofort durchstellen?
Nur wenn seine Familie, besonders die Kinder anrufen, stelle ich gleich durch.
Wann wimmeln Sie einen Anrufer ab?
Wenn er mir nicht sagen will, in welcher Angelegenheit er den Chef sprechen möchte oder wenn er uns etwas verkaufen will.
Sie sind ja eine Art Schaltzentrale. Nach welchen Kriterien entscheiden Sie, mit welchem Anliegen Sie Ihren Chef behelligen und mit welchem nicht?
In den meisten Fällen stelle ich nicht durch, sondern verweise an die Fachabteilungen. Nur bei Anfragen der Presse oder Themen, die klar Chefsache sind, entscheide ich anders. Manchmal wünschte ich mir aber auch, vom Chef besser informiert zu sein. Wenn ich doch mehr Informationen über Vorgänge hätte, könnte ich ihn entsprechend entlasten. Ich werde auch von den Mitarbeitern als Bindeglied zwischen Management und Mannschaft gesehen. Auch hier könnte ich mit mehr Wissen über Interna besser vermitteln.
Was sagen Sie einem Anrufer, wenn der Chef „für niemanden zu sprechen ist“?
Dann sage ich das genau so. Jeder Chef hat Auszeiten.
Welcher war der außergewöhnlichste Wunsch, der über Sie an Ihren Chef herangetragen wurde?
Weil viele wissen, dass Friedhelm Schatz selten Nein sagen kann, bekommen wir häufig Sponsorenanfragen. Der lustigesten Freundschaftsdienst waren spendierte Handtücher für ein Volleyball-Turnier des RBB. Weil ich so etwas vorher noch nicht organisiert hatte, war es ein ungewöhnlicher Auftrag für mich.
In welchem Fall wäre Ihr Chef ohne Sie verloren?
Wenn die Technik ausfiele. Damit kennt er sich einfach nicht aus. Deshalb steht auch kein Computer auf seinem Schreibtisch. Und den Anrufbeantworter an seinem Telefon muss ich immer einschalten.
Wie oft und in welchen Fällen fragt er Sie nach ihrer Meinung? Nimmt Ihr Chef Kritik von Ihnen an?
Er fragt fast nie. Das ist, denke ich, sein Verständnis vom Chefsein. Wenn ich etwas auf dem Herzen habe, warte ich lange auf die richtige Gelegenheit, überlege die genaue Formulierung. Wenn ich mir dann die Sache von der Seele reden kann, reagiert er ganz ruhig und neutralisiert meine Aufgeregtheit. Dann nimmt er auch an, was ich zu sagen habe.
In welchen Situationen braucht er Ihren Beistand, ihren Trost?
Gar nicht. Im Büro macht er Dinge mit sich selbst aus. Beruflich ist er ein Einzelgänger. Wie er das privat löst, weiß ich nicht.
Kennen Sie den Hochzeitstag Ihres Chefs oder den Geburtstag seiner Lebensgefährtin?
Nein.
Haben Sie beim Vorstellungsgespräch gleich gemerkt, dass die Chemie zwischen Ihnen beiden stimmt?
Als ich auf dem Weg zu seinem Büro war, drang laute Musik von Pink Floyd auf den Flur und ich dachte: Hier bist du richtig. Während des Gesprächs war ich mächtig eingeschüchtert durch die große Erscheinung von Friedhelm Schatz. Dann haben wir den Vertrag unterschrieben. Es blieb keine Zeit, um irgendetwas zu merken.
Mussten Sie in ihrem Arbeitsvertrag unterschreiben, dass Sie nichts von dem nach außen tragen, was Sie an Geheimnissen in Ihrem Büro erfahren?
Selbstverständlich. Im Wort Sekretärin steckt ja „secret“, englisch für „geheim“.
Ist die Bezeichnung Sekretärin eigentlich noch zeitgemäß oder wie würden Sie Ihren Job bezeichnen?
Friedhelm Schatz sagt, ich bin seine Assistentin und weiß alles. Das stimmt allerdings nur fast. Früher wollte ich immer etwas Handwerkliches machen, niemals im Büro arbeiten. Heute füllt mich meine Tätigkeit aus und es gibt mir ein besonderes Gefühl der Zugehörigkeit, wenn jemand sagt: Unsere Sekretärin
Das Gespräch führte Nicola Klusemann
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