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Nach viel Hin und Her führt ihr Weg jetzt Richtung Rio. Laura Lindemann wandelte zuletzt zwischen Enttäuschung und Hoffnung – gestern herrschte bei ihr aufgrund der Olympia-Nominierung nur noch pure Freude.
©  dpa 

Potsdamer Olympia-Nachnominierungen: Ein Happy End

Sie hat es geschafft: Nach einem tagelangen, nervenaufreibenden Hin und Her darf die Potsdamer Triathletin Laura Lindemann nun doch zu den Olympischen Spielen. Sie wurde offiziell nachnominiert. Einen großen Dank kann die 20-Jährige unter anderem nach Italien richten.

Frankfurt/Main - Kleines Happy End für die Deutsche Triathlon Union, großes Glück für Laura Lindemann: Nach tagelangem Hin und Her darf die DTU neben Anne Haug nun doch noch die zweimalige Junioren-Weltmeisterin zu den Olympischen Spielen schicken. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) nominierte am gestrigen Dienstag die Potsdamerin als zweite Teilnehmerin für Rio nach. „Ich bin überglücklich, dass es doch noch geklappt hat. Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen“, sagte sie. „Die Hoffnung war nicht umsonst.“

Anders als Anne Haug hatte die 20-Jährige, die erst 2012 vom Schwimmen zum Triathlon gewechselt war und danach eine rasante Positiventwicklung nahm, die offiziell geforderten Qualifikationskriterien nicht erfüllt. Sie gilt aber nach Haug als derzeit stärkste Deutsche in dem Dreikampf aus Schwimmen, Radfahren und Laufen. Angesichts der Tatsache, dass sie zwar ins Rio-Aufgebot gerückt ist, allerdings aus deutscher Sicht zwei Startplätze bei den Männern und ein Platz bei den Frauen weg bleiben, sagte Lindemann: „Das ist sicher Schadensbegrenzung. Natürlich ist das enttäuschend, dass kein Mann dabei ist und wir drei Plätze verloren haben.“

Italienischer Verband verzichtet auf sein Startrecht

Dass überhaupt noch ein Platz im olympischen Teilnehmerfeld frei wurde, lag an der massiven Intervention des Weltverbandes ITU und seiner spanischen Präsidentin Marisol Casado sowie dem italienischen Verband, der auf sein Startrecht verzichtet hatte. „Wir haben der ITU und den Italienern zu danken. Das war sicher nicht leicht“, sagte DTU-Präsident Martin Engelhardt.

Der DOSB reagierte mit der Nachnominierung Lindemanns nach eigenen Angaben auf einen Beschluss des Landgerichts Frankfurt. Das Gericht hatte eine Einstweilige Verfügung durch Rebecca Robisch gegen den DOSB zwar abgelehnt, allerdings zugleich den Dachverband aufgefordert, sich noch einmal mit der Nominierung der Triathleten zu beschäftigen. Die am Wochenende zurückgetretene Robisch hatte sich mit dem Schritt einen Platz für das Rio-Team einklagen wollen.

Weltverband tüftelte an Lösung zugunsten Deutschlands

Vorausgegangen war bereits ein erfolgreicher Prozess von Robisch am Deutschen Sportschiedsgericht. Dort hatte sie Klage gegen die DTU-Nominierungsvorschläge eingereicht: Neben Haug wurden bei den Frauen Lindemann und Anja Knapp sowie bei den Männern  Steffen Justus und Gregor Buchholz dem DOSB für eine Berufung ins deutsche Olympiateam empfohlen. Aufgrund der juristischen Entscheidung musste die DTU ihre Liste um Robisch und Hanna Philippin erweitern. Um weiteren Auseinandersetzungen aus dem Weg zu gehen, benannte der DOSB letztlich nur Haug für die Olympischen Spiele und gab die restlichen Plätze zurück. Diese wurden gleich an andere Länder weitergegeben.

Am Rande der WM-Rennen am vergangenen Wochenende in Hamburg hatte DTU-Präsident Engelhardt mit seiner ITU-Amtskollegin Casado gesprochen. Die Spanierin war nicht erfreut, dass Deutschland als eine der wichtigsten Triathlon-Nationen nur mit einer Sportlerin vertreten gewesen wäre. Durch die Rückgabe der anderen Quotenplätze sah die ITU indirekt auch ihr eigenes Qualifikationssystem in Frage gestellt. Doch es wurde an einer halbwegs versöhnlichen Lösung getüftelt. Der Weltverband setzte Deutschland sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen auf Reserveposition eins. Am Ende verzichtete Italien auf seinen Startplatz bei den Frauen und machte den Weg für Lindemann frei.  

"Ich werde es mit Leistung zurückgeben!!!!!!"

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Die Potsdamer Sportschülerin, die aus lauter Nominierungsverzweiflung sogar einen Brief mit Bitte um Hilfe an Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie Bundesinnenminister Thomas de Maizière schickte, hatte zuletzt am Samstag beim Hamburg-Triathlon mit Einzelplatz neun und am Sonntag mit WM-Bronze in der Mixed-Staffel nochmal ihr großes Potenzial gezeigt. „Laura hat bewiesen, dass sie zu den Weltbesten und damit nach Olympia gehört“, befand auch Engelhardt, dem Lindemann ganz ausdrücklich für seinen großen Einsatz und seine unermüdliche Unterstützung dankte. „Ich werde es mit Leistung zurückgeben“, schrieb die gebürtige Berlinerin gestern auf ihrer Facebook-Seite. Und dahinter setzte sie sechs Ausrufezeichen. (mit tog)

Claas Hennig

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