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Heuschrecke statt Steak: Forscher fragen nach der Ernährung der Zukunft

Die Herausforderung ist enorm: Bis zum Jahr 2030 soll kein Mensch mehr Hunger leiden müssen. So steht es in der Agenda 2030 der Vereinten Nationen.

Die Herausforderung ist enorm: Bis zum Jahr 2030 soll kein Mensch mehr Hunger leiden müssen. So steht es in der Agenda 2030 der Vereinten Nationen. Wie sich dieses Ziel erreichen lässt, war eines der Themen der mit „Future Food“ überschriebenen Internationalen Sommerschule, die unlängst in der Potsdamer Wissenschaftsetage stattfand. Es ging um die Frage, wie sich die Weltbevölkerung, die nach Prognosen im Jahr 2030 aus neun Milliarden Menschen bestehen wird, gesund und ausreichend ernähren kann.

„Die Ernährung ist ein globales Problem, das aber überall in verschiedenen Facetten auftritt“, erklärte Florian Schweigert, Professor für Physiologie und Pathophysiologie der Ernährung der Universität Potsdam. Man bringe in der Summer School unterschiedliche Nationalitäten und Disziplinen zusammen, um gemeinsam Ideen und Lösungen zu erarbeiten. Und die dürfen auch unkonventionell sein. „Alternative Eiweißquellen“ hieß beispielsweise ein Programmpunkt – gemeint ist damit unter anderem die Nutzung von Insekten als Lieferant für tierisches Eiweiß. „Das Potenzial ist riesig“, ist Schweigert überzeugt. Denn zum einen hätten Insekten einen höheren Eiweißgehalt als Schweine, Rinder oder Geflügel und zum anderen verbrauchten sie für die gleiche Menge Eiweiß weniger Futter.

Die Heuschrecke auf dem Teller wird jedoch auch in Zukunft eher die Ausnahme bleiben, erklärte Schweigert. Die Akzeptanz des Insekteneiweißes wird über andere Wege kommen, meint der Ernährungsforscher. Zu Mehl verarbeitet und unter Backwaren gemischt, könnten Heuschrecken oder Mehlwürmer sehr eiweißreiche, gesunde Produkte liefern, ohne dabei Ekel zu provozieren.

Ein weiteres Argument für Insekteneiweiß liefert indirekt die Klimaforschung. Denn gerade die Fleischproduktion ist für einen großen Anteil der Klimagasemissionen aus der Landwirtschaft verantwortlich, wie Hermann Lotze-Campen vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) erläuterte. Weniger Fleischproduktion würde den Ausstoß von Methan und Stickoxiden erheblich reduzieren – dies würden Modellrechnungen zeigen. Dabei hat er vor allem die Industrienationen im Blick. So liege der Fleischverbrauch in Deutschland derzeit bei rund 67 Kilogramm pro Jahr und Person. Ernährungsphysiologisch empfohlen werden aber nur 30 Kilogramm.

Rund 50 Nachwuchswissenschaftler aus Entwicklungsländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas nahmen an der Sommerschule teil, die von der Professur für Physiologie und Pathophysiologie der Ernährung der Universität Potsdam ausgerichtet wurde. „Die meisten von ihnen sind Alumnis deutscher Hochschulen, die in ihren Heimatländern im Berufsleben stehen“, erklärte Lehrstuhlinhaber Professor Florian Schweigert. Sie kommen aus Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Ministerien oder Nichtregierungsorganisationen.

Neben alternativen Eiweißquellen und Klimawandel wurden auf der Summer School auch das Urban Farming, also die Produktion von Lebensmitteln in der Stadt, neue Züchtungsmethoden von Hochleistungssorten oder die Verschwendung von Lebensmitteln betrachtet. Für die Teilnehmer war die Veranstaltung auch eine Einstimmung auf die European Nutrition Conference (Fens), die in dieser Woche in Berlin stattfindet. Heike Kampe

Heike Kampe

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