Landeshauptstadt: Gegen Hasspropaganda im Netz
„Die Erben der Rose“ wollen Nutzer sozialer Netzwerke für manipulative Inhalte sensibilisieren
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Potsdam setzt mit einer bisher bundesweit einmaligen Kampagne ein Signal gegen die Verbreitung von Hass in sozialen Netzwerken des Internets. Der Name der Kampagne „Die Erben der Rose“ bezieht sich auf die Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ der Geschwister Scholl gegen die nationalsozialistische Diktatur. Mit dem Titel „Stoppt Hass-Propaganda! Erst prüfen, dann teilen“ und dem Symbol der „Erben der Rose“ werden die Nutzer von sozialen Netzwerken aufgefordert, sich nicht zum Handlanger von Hetze im Netz machen zu lassen.
Die Initiatoren der Kampagne sind der Komponist und Musiker Clemens Maria Haas, Frontmann der Gruppe San Ventura, und die Regisseurin und Produzentin Claudia Mielke. Zusammen mit Christoph Miethke, Vorsitzender des Trägervereins „Neues Potsdamer Toleranzedikt“ stellte Haas am Mittwoch im Seminarhaus der Christoph Miethke GmbH die Botschaft seiner Kampagne vor.
Laut Haas werden rund 70 Prozent der propagandistischen Inhalte über Netzwerke wie Facebook verbreitet. „Soziale Netzwerke sind die Plattformen, auf denen Hasspropaganda hauptsächlich stattfindet“, so Haas. Immer mehr würden sie von Extremisten und Fanatikern genutzt werden. Dies sei vor allem den weltweiten Verbreitungsmöglichkeiten geschuldet. „Facebook ist ein spannendes und lebendiges Medium. Die Vernetzung ist gigantisch“, sagte Haas.
Mit seiner Kampagne will er Internetnutzer auffordern, kritisch mit manipulativen Inhalten umzugehen, ohne Sprachrohr für andere Seiten zu sein. „Sobald sich die Mauer verhärtet, kommen wir nicht mehr an die Menschen heran und bewirken letztlich genau das Gegenteil.“ Ziel und Strategie der Kampagne sei es, offen auf Menschen zuzugehen, so Haas. „Unsere Kampagne deeskaliert, sie wirkt wie Hefe in einem Teig.“
Vor allem im Bereich des Journalismus falle die Grenzziehung zwischen Information und Propaganda schwer. Laut Haas betreiben auch seriöse Medien Hasspropaganda. Gerechtfertigt werde dies oft mit sinkenden Einschaltquoten und Verkaufszahlen. Doch Hass helfe nicht weiter: „Auch in den bösesten Gruppierungen gibt es Töchter und Söhne, die nach irgendetwas gesucht haben und am Ende dort gelandet sind, wo sie gar nicht hinwollten“, argumentierte Haas. Internetnutzer sollten sich demnach vielmehr bewusst werden, wem sie dienen, wenn sie einen Beitrag in einem Netzwerk teilen.
Eine positive Denkweise fordert er auch im Hinblick auf die Flüchtlingsdebatte. „Wir müssen uns die Frage stellen, ob wir Reichtum oder Armut wollen“, sagte Haas. Für ihn bedeute Reichtum vor allem Vielfalt. Integration trage nicht nur zur wirtschaftlichen Stärkung des Landes bei, sondern müsse allein aus menschlicher Sicht unterstützt werden.
Laut Haas verschwinde die Identität eines Landes durch zunehmende Vielfalt nicht, sondern werde ergänzt. Stattdessen überwiege bei den meisten Menschen noch die Angst vor Einwanderern. „Wir sollten uns vor Augen führen, dass die Flüchtlinge auf unsere Hilfe angewiesen sind und uns nichts wegnehmen wollen“, sagte Miethke. Mareike-Vic Schreiber
Mareike-Vic Schreiber
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