
© Ottmar Winter/PNN
„Gelebte Fehlerkultur“: Potsdams Jugendamt will aus Prüferkritik lernen
Rechnungsprüfer hatten die Rathaus-Förderpraxis scharf gerügt. Die Behördenchefin aber betont: Die rechtlichen Voraussetzungen zur Auszahlung waren erfüllt.
Stand:
Nach heftiger Rechnungsprüfer-Kritik am Potsdamer Jugendamt reagiert nun die Behördenchefin. Auf Anfrage dieser Zeitung trat Alexandra Mebus-Haarhoff dem Eindruck entgegen, dass über Jahre hinweg Geld an Sozialträger geflossen sei, ohne dass die gesetzlichen Voraussetzungen dafür vorlagen.
Zwar habe es tatsächlich seit 2023 keinen gültigen Jugendförderplan mehr gegeben, sagte die Amtschefin nach einem PNN-Bericht zu dem bis dato nicht-öffentlichen Bericht des Rechnungsprüfungsamts. Gleichwohl habe man das Geld für die geförderten Maßnahmen, zum Beispiel für Jugendklubs oder Schulsozialarbeit, auch auf Grundlage von Vorschriften des Sozialgesetzbuchs auszahlen können. Die rechtlichen Voraussetzungen für die Förderung seien erfüllt gewesen, so Mebus-Haarhoff.
Die Rechnungsprüfer hatten die Verwaltungspraxis des Amts kritisiert: Neben dem fehlenden Förderplan ging es um fehlende Wirkungskontrollen, veraltete Trägerkonzepte aus den 1990er-Jahren oder auch unzulässige Doppelförderungen. Mebus-Haarhoff gab frühere Probleme bei der Jugendförderung zu. Bei der Aufarbeitung hätten das Rechnungsprüfungsamt und dessen Tätigkeit „sehr geholfen“. Das sei „gelebte Fehlerkultur“.
Inzwischen würden laut der Amtsleiterin auch aktualisierte Leistungsvereinbarungen für die Träger gelten, mit mehr Wirkungsmessung als bisher üblich. Auch das zuständige Personal sei aufgestockt: War vorher nur ein Mitarbeiter für alle Träger zuständig, gebe es nun drei Stellen, die sich um solche Belange kümmern könnten: „Wir sind da auf einem guten Weg.“
Zugleich versicherte die seit 2024 verantwortliche Behördenschefin, dass es keine Zahlungen an Träger über dem geltenden Tarifniveau gegeben habe. Die Rechnungsprüfer hatten kritisiert, es seien mehr Gelder für Geschäftsführungen von Jugendhilfeträgern bewilligt worden, als die damals geltenden Rathaus-Richtlinien erlaubten.
Viele der angesprochenen Schwierigkeiten seien behoben worden, sagte Mebus-Haarhoff – auch mithilfe einer neuen Richtlinie zur Förderung von Jugendmaßnahmen aus dem Oktober 2025. Die Thematik soll im Jugendhilfeausschuss behandelt werden. Dieser tagt nächsten Donnerstag.
- showPaywall:
- false
- isSubscriber:
- false
- isPaid: