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Von Anja Priewe: Hochzeitstorte zur „Diamantenen“

Zur Eheschließung der Schaffners vor 60 Jahren gab es keine Torte

Stand:

Tränen steigen Brunhilde Schaffner in die Augen. Aufgeregt greift sie nach der Hand ihres Mannes. Es sind Tränen der Rührung beim Anblick der kunstvoll verzierten Marzipantorte, die ihre Kinder bei der französischen Edel-Konditorei Lenôtre bestellt haben. Mit Zartbitterschokolade sind die feinen Schriftzüge „Zur Diamantenhochzeit von Brunhilde und Walter Schaffner“ zu lesen. Die Kaffeetafel ist liebevoll gedeckt. Ein bunter Blumenstrauß steht auf dem Tisch und es duftet nach frischen Kaffee. Glückwunschkarten und Präsente stapeln sich auf der alten Kommode. Mit leuchtenden Augen bestaunt die 81-Jährige noch immer die Torte, die sie an die letzte große Reise mit ihrem Mann erinnert. Damals waren die beide in Paris – ein unvergessliches Erlebnis von dem die zwei heute noch schwärmen. Seitdem sind zehn Jahre vergangen.

Gestern nun feierten Brunhilde und Walter ihr 60. Ehejubiläum. Es war eine Feier in gemütlicher Runde, genauso wie damals. Als sich die beiden im Jahr 1949 ihr Ja-Wort in dem provisorisch eingerichteten Standesamt in Potsdam gaben, war kein Geld da für eine Hochzeitstorte. Brunhilde trug ein schlichtes dunkelblaues Kleid. Blumen schmückten ihr Haar. Es war ein verregneter, kalter Februartag. Die Feier fand in der kleinen Mietwohnung ihrer Eltern statt, die alles getan hatten, um der Tochter und ihrem Mann ein schönes Fest zu ermöglichen. Kennengelernt hatten sich die beiden 1944 auf der Brandenburger Straße. Walter war damals bei der Marine und befand sich auf Landurlaub. „Als er mit seinem auffälligen Matrosenanzug an mir vorbeiging, war es um mich geschehen und ich sprach ihn an“, schwärmt Brunhilde Schaffner. Am nächsten Tag gingen die zwei gemeinsam ins Kino. Irgendwann war der Urlaub zu Ende und Walter musste wieder zurück aufs Schiff. Kurz vor Kriegsende geriet er in französische Gefangenschaft. Als er zurückkehrte, gab es ein Wiedersehen – wieder auf der Brandenburger Straße. Seitdem sind die beiden unzertrennlich.

„Sicher hat es die ein oder andere Ehekrise gegeben aber die Liebe zueinander war stärker“, weiß Frau Schaffner stolz zu berichten und schaut dabei glücklich zu ihrem Mann. Gemeinsam hat das Paar zwei Kinder großgezogen und Frau Schaffner war lange Zeit ehrenamtlich an einer Schule tätig.

Heute wohnen die Eheleute in einer gemütlich eingerichteten Neubauwohnung am Stadtrand. Brunhilde kümmert sich liebevoll um ihren Mann, der seit einigen Jahren an Demenz erkrankt ist. „Sie hat bei uns das Sagen,“ weiß auch Herr Schaffner und lacht.

Anja Priewe

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