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Kormorane an der Neuen Fahrt in Potsdam

© Andreas Klaer PNN/Andreas Klaer

Hunderte Kormorane in Potsdam: Versammlung um den eisfreien „Fressnapf“

Warum sammeln sich derzeit hunderte Kormorane an Alter und Neuer Fahrt und der Nuthe? Nabu-Vogelexperte Manfred Pohl klärt auf.

Stand:

Zu Hunderten sitzen die schwarzen Vögel derzeit rund um die Freundschaftsinsel: In der Potsdamer Innenstadt lässt sich eine große Versammlung von Kormoranen beobachten. Die Tiere reihen sich am Ufer der Alten und Neuen Fahrt sowie der Nuthe auf oder sitzen in den Bäumen. Schon von Weitem sind ihre krächzenden Laute zu hören. Immer wieder stürzt sich einer ins Wasser, taucht mit einem Fisch im Schnabel wieder auf und sitzt später mit ausgebreiteten Flügeln zum Trocknen an Land.

Kormorane an der Neuen Fahrt in Potsdam
Erwachsene Tiere haben dunkles Gefieder.

© Andreas Klaer PNN/Andreas Klaer

Doch warum kommen gerade jetzt so viele Kormorane in einem Gebiet zusammen? „Große Teile des Lebensraums der Tiere, offene Gewässer wie der Tiefe See, sind derzeit zugefroren“, erläuterte Manfred Pohl, Leiter der Fachgruppe Ornithologie des Naturschutzbund (Nabu) Potsdam, am Sonntag. „Die Kormorane fliegen dem Futter nach. Sie sind gezwungen, an die wenigen Quellen zu kommen, die noch offen sind.“ Ihr „Fressnapf“ sei da, wo das Wasser eisfrei ist.

Wenn zehn Gaststätten geschlossen sind, wird es in der elften eben richtig voll.

Manfred Pohl, Ornithologe, über das Verhalten der Kormorane

Vögel sammeln sich an Fließgewässern

Das sei derzeit nur an den Fließgewässern der Fall, die langsamer zufrieren. Statt verteilt auf verschiedene Seen kommen die Kormorane jetzt an wenigen Stellen zusammen. „Wenn zehn Gaststätten geschlossen sind, wird es in der elften eben richtig voll“, beschreibt Pohl metaphorisch. Allein an einem Teilbereich der Nuthe habe er am Samstag 130 Tiere gezählt, sagt der Vogelexperte. Wie viele es insgesamt in der Potsdamer Innenstadt sind, kann er nicht sagen. Die nächste Zählung stehe am kommenden Wochenende an.

Kormorane an der Alten Fahrt in Potsdam
In der Alten Fahrt finden die Vögel Fische.

© Andreas Klaer PNN/Andreas Klaer

Kormorane an der Alten Fahrt in Potsdam
Zu Hunderten sammeln sich die Tiere in den Bäumen.

© Sandra Calvez/Sandra Calvez

Kormorane an der Alten Fahrt in Potsdam
Die Kormorane brauchen eisfreies Wasser.

© Sandra Calvez/Sandra Calvez

Nach dem Fressen – die Kormorane ernähren sich überwiegend von Weißfischen wie Rotfedern oder Brassen in einer Größe von zehn bis 15 Zentimetern – setzen sie sich in die Bäume. „Sie sind erst einmal sattgefressen, ruhen sich aus und trocknen ihr Gefieder“, sagt Pohl. Erwachsene Kormorane sind dunkel bis schwarz, die Jungtiere, auch Vorjährige genannt, erkennt man am hellen Bauch.

Auch in den Sozialen Netzwerken sorgt die Kormoran-Versammlung für Aufmerksamkeit. Doch während manche sich über das Naturschauspiel freuen und die Vögel fasziniert beobachten, Fotos und Videos posten, reagieren andere verärgert. „Drecksviecher“, kommentiert ein Mann bei Facebook. Ein anderer warnt, die Kormorane richteten „großen Schaden an den Fischbeständen“ an. Er fordert ein Jagdrecht, um die Vögel abschießen zu können.

Ornithologe Pohl kennt den Ruf der Tiere. „Der Kormoran ist nicht gerade der Lieblingsvogel der Fischer, er ist bei ihnen regelrecht verpönt“, sagt er. Immer wieder höre er Rufe danach, die Vögel abzuschießen. „Dem müssen wir natürlich einen Riegel vorschieben.“ Das hohe Aufkommen von Kormoranen aktuell sei der Kälte geschuldet. Auch die Angler, so fordert er, sollten ein Auge zudrücken. Wenn sich die Witterung in den kommenden Tagen ändere und die Seen nach und nach wieder auftauen, würden sich auch die Kormorane wieder verteilen. Und die Versammlung sich allmählich auflösen.

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