Landeshauptstadt: Kulturträger am Tiefen See protestieren Schiffbauergasse: Baustart für Boardinghaus geplant
Berliner Vorstadt – Das umstrittene Boardinghaus in der Schiffbauergasse soll ab September errichtet werden und elf Monate später im Sommer 2012 fertig sein. Das sagte gestern der verantwortliche Investor Dirk Onnen den PNN auf Anfrage.
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Berliner Vorstadt – Das umstrittene Boardinghaus in der Schiffbauergasse soll ab September errichtet werden und elf Monate später im Sommer 2012 fertig sein. Das sagte gestern der verantwortliche Investor Dirk Onnen den PNN auf Anfrage. Seinen Worten nach sollen in dem Haus in 33 „gewerblich vermieteten“ Appartements temporär nach Potsdam abgeordnete Geschäftsmänner, Wissenschaftler, Software-Programmierer oder auch Filmschaffende wohnen – „zwei, drei, sechs Wochen oder länger, je nachdem.“ Onnen sagte, er werde den viergeschossigen Bau auf der Wasserseite des Parkhauses am Kulturstandort für rund acht Millionen Euro bauen. Dafür hat er von der Bauverwaltung bereits im Februar eine Genehmigung bekommen – gegen den erklärten Willen der Kulturschaffenden in dem mit 100 Millionen Euro sanierten Areal.
Denn bereits Ende Januar haben sieben Kulturträger auf dem Gelände – unter anderem Hans Otto Theater, „fabrik“, T-Werk und Waschhaus – in einem Brief an Kulturdezernentin Iris Jana Magdowski (CDU) gewarnt, sie betrachteten die „Errichtung temporärer Wohnsituationen“ auf dem Gelände „mit großer Sorge“. Zudem werde damit ein „juristischer Grenz- und Präzedenzfall“ in der Auslegung des Schiffbauergasse-Bebauungsplans geschaffen, der eigentlich keine Wohnbebauung vorsieht. Die Kulturträger befürchten „akustische Beeinträchtigungen“ für die Wohnungen in dem Boardinghaus – und damit „voraussehbare und nachvollziehbare“ Klagen von „Wohnanrainern“. So würden der Veranstaltungsbetrieb und die kulturelle Entwicklung des Standorts behindert: „Als Folge sind Einnahmeausfälle zu befürchten.“ Deswegen sei Magdowski gefordert, so die Kulturträger, „Widerspruch“ einzulegen.
Die Dezernentin hatte vergangene Woche im Kulturausschuss informiert, die Baugenehmigung sei erteilt. Zugleich hatte sie das Boardinghaus als einen von mehreren Hinderungsgründen für die erwogene Umsiedlung des Theaterschiffs von der Alten Fahrt zur Schiffbauergasse angegeben: Dessen wöchentliche Diskotheken seien ein Problem hinsichtlich des Baus des neuen „Langzeit-Hotels“. Gestern sagte Magdowski den PNN, sie kenne die Baugenehmigung für das geplante Gebäude „nicht im Detail“ – aber sie wolle über das Thema heute mit Baudezernent Matthias Klipp (Grüne) sprechen. Die Kulturnutzung in der Schiffbauergasse müsse weiter „Vorrang“ vor dem „Boardinghaus“ haben, da müsse es „Rücksicht“ gegenüber den Kulturträgern geben.
Investor Onnen sagte, er halte sein Bauvorhaben nicht für „kontraproduktiv“ in Bezug zur Schiffbauergasse – um die Lautstärke am Standort wisse er, es sei geregelt, dagegen nicht vorzugehen. Im Gegenteil könnten das Haus und seine „kulturell interessierten“ Gäste ein „Puzzleteil“ bei der Belebung der Schiffbauergasse sein. Auch sollten im Erdgeschoss seines Gebäudes noch eine Gastronomie und vielleicht Kunst-Läden angesiedelt werden, so Onnen. Auch die Bauverwaltung äußerte sich gestern gegenüber den PNN. Auf die Frage, ob wegen des Boardinghauses regelmäßige Nacht-Veranstaltungen in der Schiffbauergasse – oder auch alljährliche Open Airs im Sommer – hinsichtlich Lautstärke und Dauer neu genehmigt werden müssten, hieß es aus Klipps Stadtplanungs-Ressort vieldeutig, „im Einzelfall“ könne nicht ausgeschlossen werden, dass sich die Anforderungen an den Lärmschutz auf dem Gelände in Zukunft „auch durch verschärfte gesetzliche Vorgaben für Nacht-Veranstaltungen ändern“. HK
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